Neuer Entsorgungshof in Kreuzlingen: Anwohner äussern Bedenken

Die Firma TIT Imhof AG will auf dem Strabag-Areal ein neues regionales Abfall-Annahmezentrum bauen. Am Donnerstagabend gab es eine umfassende Informationsveranstaltung für alle Interessierten. Der erwartete Mehrverkehr weckt Ängste.

Martina Eggenberger Lenz
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Die Firma Imhof hat das ehemalige Strabag-Areal in Kreuzlingen übernommen und plant dort ein neues RAZ. (Bild: Andrea Stalder)

Die Firma Imhof hat das ehemalige Strabag-Areal in Kreuzlingen übernommen und plant dort ein neues RAZ. (Bild: Andrea Stalder)

Eigentlich hat Thomas Imhof alles richtig gemacht. Der Geschäftsführer des Familienunternehmens TIT Imhof AG hat am Donnerstagabend eine grosse Anzahl Anwohner, Vertreter der Politik und der Stadtverwaltung auf das Areal an der Reutistrasse eingeladen, um vor Ort und aus erster Hand über den geplanten Neubau eines regionalen Annahmezentrums RAZ zu informieren. Mit dem Ausgang des Abends kann der Firmenchef dennoch nicht wirklich zufrieden sein. Zu seinem Bauvorhaben gab es fast ausschliesslich kritische Voten.

Bereits heute viel Verkehr im Quartier

Insbesondere die Verkehrssituation bereitet den Anwohnern Sorgen. Stadtrat Ernst Zülle hatte zwar ausgeführt, dass auf der Seetalstrasse im Bereich der Kreuzung zur Reutistrasse Einspurstrecken vorgesehen seien. Es gebe durchgehende Trottoirs und sichere Fussgängerübergänge mit Inseln. Die Anstösser hatten allerdings die 100000 Fahrzeuge vor Augen, die jährlich beim Entsorgungshof vorfahren.

«Für uns ist das viel. Wir sind hier eh schon sehr belastet», meinte einer. Anders als beim aktuellen Standort an der Sonnenwiesenstrasse sei im Seefeld ein Wohnquartier tangiert. Einige Eltern äusserten die Befürchtung, der Schulweg ihrer Kinder werde gefährlicher.

«In Zukunft kann ich samstags nicht mehr ausschlafen», meint ein Anwohner.

Wieder andere monierten, das Verkehrschaos sei vorprogrammiert. Weil es heute schon schwierig sei, in die Seetalstrasse abzubiegen, werde es viel Rückstau im Quartier geben.

Geschäftsleiter Thomas Imhof

Geschäftsleiter Thomas Imhof

Thomas Imhof hielt dagegen, dass er auf dem Areal des Entsorgungshofs genügend Parkplätze einplane. Projektleiter Thomas Peyer erklärte, durch die langen Öffnungszeiten der Einwurfluken (siehe Kasten) hoffe man auf eine gute Verteilung des Verkehrs. Und Ernst Zülle meinte: «Ja, es wird eine Mehrbelastung geben. Aber keine wahnsinnig grosse.»

Der Stadtrat ist überzeugt von der vorgeschlagenen Lösung. «Das RAZ wird definitiv aufgewertet», betont Zülle. Die Kapazität des jetzigen Standorts werde häufig überschritten, weshalb eine Vergrösserung unumgänglich sei. Peter Steiner, Chef der KVA Thurgau, zeigte sich überzeugt: «Das wird ein Erfolgsmodell.» Bereits beim RAZ in Frauenfeld arbeite man mit einer privaten Firma. Das Angebot und das Erscheinungsbild der Annahmestellen sei jedoch überall gleich.

Unternehmen hat bereits Erfahrung

Die TIT Imhof AG hat bereits Erfahrungen mit dem Betrieb eines Entsorgungshofes in Stein am Rhein sammeln können. Wie dort wolle man das RAZ in zwei Bereiche teilen. Der Teil der gratis Entsorgung befindet sich an der Hallenwand mit speziellen Luken inklusive Schalldämmung. Wer Abfälle anliefern will, für die er bezahlen muss, fährt zuerst auf die Waage und dann in die Halle. Geschultes Personal stehe den Kunden zur Seite, erklärt Thomas Peyer. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach versorgt die Anlage mit Strom. Schliesslich will die Firma Imhof auch einen «Entsorgungs-Butler» anbieten, der grössere Objekte zu Hause abholt.

Eröffnung in einem Jahr

Der Zeitplan der TIT Imhof AG sieht vor, dass das Baugesuch für das neue Regionale Annahmezentrum RAZ noch im August bei der Stadt eingereicht werden soll. Im Winter möchte die Firma mit dem Bau der Halle beginnen. Eröffnet werde der Entsorgungshof im Idealfall im Sommer 2019, wie Thomas Peyer, Leiter Entsorgung-Recycling, betont. Die geplanten Entsorgungszeiten sind Montag bis Samstag von 6 bis 20 Uhr im Bereich der gratis Einwurfluken. Kostenpflichtige Abfälle können von Montag bis Freitag, 7.30 bis 11.45 Uhr und 13.15 bis 17.15 Uhr sowie samstags von 9 bis 11.45 Uhr angeliefert werden. (meg)

Standort des neuen Regionalen Annahmezentrums RAZ

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Nicole D'orazio