Anwohner äussern Skepsis und Unmut gegenüber 5G-Antenne in Friltschen

Vertreter des Amtes für Umwelt und der Swisscom informierten über geplanten Neubau in Friltschen. 

Werner Lenzin
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Der Ausbau und die Weiterentwicklung der Mobilfunkantennen geben zu reden.

Der Ausbau und die Weiterentwicklung der Mobilfunkantennen geben zu reden.

Bild: Mario Testa

«Wir haben Sie bewusst vor der öffentlichen Auflage des Baugesuches im kommenden Januar zu einer Information durch die Fachleute eingeladen», sagt Gemeindepräsident Ruedi Zbinden zu den 40 erschienenen Interessenten, grösstenteils Direktbetroffene aus Friltschen, am Montagabend in der Mehrzweckhalle Hohenalber in Bussnang. Die Realisierung der 5G-Antenne ist geplant auf dem Industriegebiet, südöstlich des Gebäudes der Firma Letrona AG.

Gemäss Susanne Buntefuss von der Swisscom wird das Datenvolumen, das vor fünf Jahren noch in einer Woche übertragen wurde, heute in einem Tag verbraucht.

«Menschen unter 25 Jahren konsumieren acht Mal mehr Daten als ältere Generationen»

Sie zeigt auf, dass die Datenmenge jährlich um die Hälfte zunimmt und verdeutlicht: «Damit das Netz nicht ins Stocken gerät, braucht es dafür viel mehr Frequenzen und Antennen und man sucht nach Möglichkeiten, diese Wellen effizienter zu nutzen.»

Jakob Meier und Susanne Buntefuss von der Swisscom informierten mit  Gemeindepräsident Ruedi Zbinden und Armin Gresch vom Amt für Umwelt über die geplante neue Antenne in Friltschen.

Jakob Meier und Susanne Buntefuss von der Swisscom informierten mit  Gemeindepräsident Ruedi Zbinden und Armin Gresch vom Amt für Umwelt über die geplante neue Antenne in Friltschen.

Bild: Werner Lenzin

Buntefuss betont, dass die grösste Strahlenexposition immer vom eigenen Handy ausgeht, nicht von den Antennen. Sie bezeichnet 5G als wichtigen Technologieschritt in verschiedenen Bereichen. «Swisscom nimmt die Bedenken ernst, dies im Rahmen von Forschung, einer Transparenz über die Expansion und Zubehör wie beispielsweise Kopfhörer».

Grenzwerte für alle Mobilfunkanlagen

Die Frage, weshalb es eine G5-Antenne in Friltschen braucht, erläutert Swisscom-Projektleiter Jakob Meier. Als Gründe nennt er Reklamationen von Mobilfunkkunden, schlechte Resultate bei internen Messungen, eine allgemeine Verbesserung der Abdeckung und die Aufrüstung auf das Netz der fünften Generation.

«Der Standort unserer geplanten Antenne ist geeignet, um eine gute Versorgung zu erreichen, wobei die Höhe von 25 Meter einen massgebenden Einfluss auf die Versorgung hat.»

Armin Gresch von der Abteilung Luftreinhaltung des Amtes für Umwelt erläutert den Ablauf des Bewilligungsverfahrens und die Aufgabe der Fachstelle für nichtionisierende Strahlung. Deren Entscheid wird durch das Amt für Umwelt geprüft und mit einer eigenen Software hochgerechnet. Laut Gresch ist 5G grundsätzlich auf allen bewilligten Frequenzen einsetzbar und die Grenzwerte gelten für alle Mobilfunkanlagen.

Viele kritische Stimmen

Zahlreiche Rednerinnen und Redner melden sich zu Wort. «Die Technik sollte den Menschen dienen und der Umwelt», sagt Barbara Wartenweiler und stellt die Frage: «Wie sieht der Endausbau in fünf bis zehn Jahren aus?» Gemäss Gresch steuern diesen Ausbau die Kunden.

Dirk Schlatterbeck hinterfragt die Handy-Nutzung der Jungen. Für die Swisscom handelt es sich hier um eine gesellschaftliche Frage, wie jeder es nutzt und damit umgeht. Mark Matt bezeichnet den vorgeschlagenen Standort nicht als ideal und möchte «optimal bestrahlt» werden. Sein Vorschlag beinhaltet eine Verschiebung von 20 bis 50 Meter nach Westen.

Eine von Heinz Dubach vorgeschlagene Inhouse-Antenne hätte für die Nachbarschaft eine zu kleine Wirkung. Kurt Wartenweiler schlägt eine Strahlenzone vor und der Gemeindepräsident erwidert, dass der Thurgauer Richtplan die Zonen regelt. Weiter macht sich Wartenweiler Sorgen um die Nähe der Antenne zur Schule.

Strahlung eigenständig reduzieren

Hansueli Stettler von der Interessengemeinschaft «Mobilfunk mit Mass» aus St. Gallen warnt vor den gesundheitlichen Schäden und nennt Elektrosmog als eine der Ursachen für die steigenden Krebserkrankungen. «Ich wünsche allen eine gute Gesundheit, habe mein Handy bei 3G fixiert und verzichte auf WLAN», doppelt Franco Clerici nach.

Kurt Jakob fordert die Anwesenden auf, das eigene Natel-Verhalten zu hinterfragen und Martin Huggler meint: «Ich möchte die Antenne nicht und wir haben das Recht, uns erstinstanzlich zu wehren und weitere Schritte zu überlegen».

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