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Anny Kellers Weinfelden: Einblicke in das Leben der Dorfchronistin

Jahrzehnte lang hat Anny Keller Zeitungsartikel rund um die Region Weinfelden und vor allem aus dem Dorf gesammelt. Fein säuberlich in vielen Ordnern thematisch abgelegt, ist es heute die grösste Sammlung über das Leben aus der Zeit der Dorfchronistin.
Sabrina Bächi
Ein Portrait der Handarbeitslehrerin und Dorfchronistin Anny Keller. (Bild: Bürgerarchiv Weinfelden)

Ein Portrait der Handarbeitslehrerin und Dorfchronistin Anny Keller. (Bild: Bürgerarchiv Weinfelden)

Der Name Anny Keller dürfte in Weinfelden einigen Frauen noch ein Begriff sein. Denn sie war bis 1974 Handarbeitslehrerin im Primarschulhaus Thomas Bornhauser. Als sehr exakte und strenge Lehrerin hatten es vor allem Linkshänderinnen und schusselige Mädchen nicht leicht. «Anny Keller schreckte nicht vor empfindlichen Strafen zurück und liess Schülerinnen lange nachsitzen», sagt Franz-Xaver Isenring. Er befasst sich seit Jahren mit der 1994 verstorbenen Lehrerin aus Weinfelden.

Denn sie hat dem Dorf eine ausführliche Chronik hinterlassen. Fein säuberlich geordnet zeugt etwa fünf Meter Aktenmaterial von Anny Kellers reger Sammeltätigkeit. «Sie hat Zeitungsartikel ausgeschnitten, thematisch geordnet und auf Blockpapier aufgeklebt», erklärt Isenring.

Jeder Ordner ist gleich aufgebaut. Zunächst ein Titelblatt, auf dem steht, welches Thema darin vorkommt. Eine Art Inhaltsverzeichnis, welches aber nicht chronologisch zu den Beiträgen ist. «Aber man findet immer, was man sucht», sagt der Bürgerarchivar. Vor allem die gesammelten Beiträge zu Häusern oder Geschäften, die heute nicht mehr existieren sind eine wahre Fundgrube für Isenring.

Eine klare und exakte Schrift

Gesammelt hat sie alles. Über Schule, Politik, das Gesundheits- und Vereinswesen. «Anny Keller hat die Sammlung mit ihrer Wertvorstellung geprägt, mit Kommentaren teilweise auch gewertet, aber sie hat sehr umfassend gesammelt.» Des Weiteren hat Keller die Beiträge auch mit Fotos des Weinfelder Fotografen Karl Enz komplettiert. Sowie mit den Einladungen der jeweiligen Versammlungen ergänzt.

Manche Beiträge sind aber keine Zeitungsartikel, sondern von ihr verfasste chronologische Aufzählungen. Beeindruckend dabei: Ihre klare und exakte Schrift. «Die Ordner zeigen ihr Wesen. Sie war eine sehr exakte Frau. Zum Leidwesen einiger ihrer Schülerinnen, aber die Chronik macht diese Sorgfalt unheimlich wertvoll.»

Sie habe das Leben ihrer Heimat Weinfelden eingefangen und festgehalten. Erstaunlich dabei ist, dass in keinem der vielen Ordner ihr Name steht. «Generell wussten nicht viele, dass Anny Keller diese Chronik verfasste.»

Todunglücklich in Märwil

Die Ordner zeigen aber nicht nur das Wesen, sondern auch ganz klar den Lebensmittelpunkt der Handarbeitslehrerin. Mit Ausnahme weniger Jahre hat Anny Keller immer in Weinfelden an der Bachtobelstrasse 20 gewohnt. 1912 kam sie dort zur Welt. Ihr Vater Ernst war Gemeindeschreiber, Zivilstandsbeamter und Gemeindekassier in einer Person. Mutter Hulda war Damenschneiderin. Anny war das älteste von vier Kindern.

1939 heiratete sie einen Käser aus Märwil. Allerdings währte das Glück nur zwei Jahre. «Anny Keller liess sich scheiden und kehrte nach Weinfelden zurück. Sie muss in Märwil todunglücklich gewesen sein», erklärt sich Isenring den für damalige Verhältnisse schwerwiegenden Schritt. Der Name des Mannes ist nicht bekannt. Keller erwarb 1960 gar das Weinfelder Bürgerrecht zurück, welches sie durch die Heirat verlor. Auch den Nachnamen hat sie wieder angenommen.

Manchmal ein «Ribiise»

«Das Bürgerrecht war ihr enorm wichtig», sagt der Bürgerarchivar. An jeder Versammlung sei sie gewesen. Sonntags besuchte die gläubige Frau immer die Kirche. «Sie war eine Weinfelderin durch und durch», sagt Isenring. Er plädierte damals dafür, dass das heutige Elisabetha Hess Schulhaus den Namen Anny Keller trägt. Zu seinem Bedauern kam das nicht so.

«Ich bin aber überzeugt, dass in ein paar Jahren ein Schulhaus nach ihr benannt wird. Genau wie Paul Reinhart oder Martin Haffter ist sie für Weinfelden eine prägende Person. Als Lehrerin war sie wohl manchmal ein ‹Ribiise›, aber auch von den Herren weiss man, dass sie nicht nur gute Eigenschaften hatten», sagt Franz-Xaver Isenring.

Bisher hat die grosse Arbeit Anny Kellers also nur wenig Würdigung gefunden. Bis es soweit ist, sorgt der Bürgerarchivar dafür, dass wenigsten ein Teil von Weinfeldens Gedächtnis gut erhalten bleibt.

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