Angst vor Wertminderung der Liegenschaften: Heldswiler wollen keine Mobilfunkantenne im Dorf

Nicht die Strahlung, sondern das bedrohte Ortsbild lässt die Einwohner gegen die geplante Handy-Antenne Sturm laufen.

Hannelore Bruderer
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Die Dorfbevölkerung von Heldswil wehrt sich gegen den geplanten Antennenstandort. (Bild: Hannelore Bruderer)

Die Dorfbevölkerung von Heldswil wehrt sich gegen den geplanten Antennenstandort. (Bild: Hannelore Bruderer)

Von Verschandelung des Ortsbildes, Strahlenbelastung und Wertminderung der Wohnliegenschaften sprechen die Gegner der Mobilfunkanlage, welche die Firma Sunrise am Rande des Wohngebiets mitten im Dorf Heldswil erstellen möchte.

Es sind nicht nur einige wenige des 300-Seelen-Orts, die das Bauvorhaben verhindern wollen. Die Gegner haben sich organisiert, eine Infoveranstaltung durchgeführt, Unterschriften gesammelt und sie dem Gemeinderat Hohentannen überreicht. Und sie machen mit einem Plakat am Dorfeingang gegen das Projekt mobil.

Schlechter Handy-Empfang

Sie habe keine Angst vor zu hoher Strahlung und sei nicht gegen Fortschritt, betont eine Anwohnerin, die sich zum Fototermin beim Plakat am Dorfeingang eingefunden hat. «Mobilfunkstrahlen haben wir überall. Aber so eine grosse Antenne passt nicht in unser Ortsbild.»

Der Handy-Empfang sei in der Tat nicht besonders gut, gibt ein Mann zu, aber damit könne er leben. Eine Antenne direkt bei seinem Haus wolle er nicht.

Gemeindepräsident verlangt Alternativen

In Sichtweite, aber ausserhalb des Dorfkerns bei der Firma Schenk, nur einen knappen Kilometer entfernt vom geplanten Standort, baut derzeit die Swisscom eine 5G-Mobilfunkanlage.

«Warum reicht das nicht? Warum können diese zwei Firmen sich die Anlage nicht teilen?», fragt sich Rahel Müller, die mit ihrer Familie ein Haus in der Nähe der geplanten Sunrise-Anlage bewohnt.

Diese Frage stellt auch Gemeindepräsident Lukas Hoffmann in einem Facebook-Eintrag, in dem er die Verantwortlichen der Sunrise auffordert, Alternativen zu suchen.

Aufwendige Standortsuche

Zur Standortfrage schreibt Sunrise auf Anfrage: «Damit die Mobilfunkverbindungen genutzt werden können, müssen die Mobilfunkantennen dort stehen, wo sich unsere Kundinnen und Kunden aufhalten, also insbesondere in Wohn- und Geschäftszonen. Die Wahl eines Antennenstandortes ist sehr aufwendig. Es gilt, eine Vielzahl an Faktoren zu berücksichtigen. Selbstverständlich versuchen wir dabei, allen Interessen soweit als möglich Rechnung zu tragen.»

Mobilfunkantennen seien ihrem Zweck entsprechend auf exponierte Standorte angewiesen. Sunrise schreibt ferner, dass man eine Mitbenutzung des Swisscom-Mobilfunkstandortes in Heldswil geprüft habe. «Die Anlage der Swisscom nutzt die Grenzwerte jedoch bereits aus, sodass keine Installation eines weiteren Anbieters am Standort möglich ist.»

Dorfbewohner reagieren mit Einsprachen

An der Gemeindeversammlung am nächsten Montag sei die Sunrise-Antenne sicher ein Thema, das diskutiert wird, sagt Gemeindepräsident Lukas Hoffmann. «Gegen das Bauprojekt sind überwältigend viele Einsprachen – Sammel- und Einzeleinsprachen – eingegangen.»

Dass sich ein Grossteil der Bewohner so stark engagiert, um die Antenne im Dorf zu verhindern, beeindruckt Hoffmann. «Man spürt, dass das Dorf lebt und bereit ist, gemeinsam für eine Sache einzustehen.» Die Einsprachefrist ist in dieser Woche abgelaufen. Nun geht das Baugesuch zur Prüfung an den Kanton und kommt mit dessen Empfehlungen zurück.

Erst dann könne man beurteilen, wie es weitergeht, sagt Hoffmann. Angesprochen darauf, ob die Gemeinde rechtliche Mittel gegen den Antennenbau ergreifen würde, sagt er: «Das muss man sich wegen der hohen Kosten sehr gut überlegen.»

Sunrise zahlt 100'000 Franken Miete

Mohammed Ghanem Hazem, der Inhaber des Grundstücks, auf dem Sunrise die Antenne bauen will, betreibt in Heldswil eine Autoverwertung. Er wohnt nicht in der Gemeinde. Wegen des schlechten Handy-Empfangs in seinem Geschäft wurde er bei verschiedenen Telekommunikations-
anbietern bereits vor acht Jahren vorstellig. Vor eineinhalb Jahren habe ihn dann Sunrise kontaktiert und den Standort für einen Antennenbau besichtigt. «Ich habe mehrmals nachgefragt, ob die Strahlung unbedenklich sei. Wäre sie schlecht für die Gesundheit, hätte ich niemals eingewilligt!», bekräftigt er.

Zu den Bedenken betreffend Ortsbild und Minderung der Liegenschaftspreise zuckt Hazem bloss mit den Schultern. Für das Baurecht auf seinem Grundstück erhält Hazem von Sunrise 100'000 Franken Miete. Er habe zwischen der einmaligen Zahlung oder jährlichen Mietzahlungen über 25 Jahre wählen können. «Für mich ist das viel Geld, die Antenne stört mich nicht und ich brauche den Platz hinter dem Gebäude nicht.» Die Gegner des Projekts werfen ihm vor, er habe sich von der hohen Summe kaufen lassen. (hab)