Andwiler überquert die Alpen mit Heissluftballon im Rekordtempo

Ballonfahrer Urs Frieden ist auf 6800 Metern Höhe über die Alpen geflogen. So schnell wie dieses Mal ging es noch nie: Nicht einmal vier Stunden brauchte er für die Fahrt von Diepoldsau nach Verona.

Sabrina Bächi
Drucken
Teilen
Urs Frieden hoch oben über den Bergen. (Bild: PD)

Urs Frieden hoch oben über den Bergen. (Bild: PD)

Zwei Mal im Jahr fährt Urs Frieden mit seinem Ballon über die Alpen nach Italien. Vergangenes Wochenende hat er die 270 Kilometer in Rekordtempo zurückgelegt. Nur drei Stunden vierzig Minuten hat die Überquerung von Diepoldsau nach Verona gedauert. Der Rückweg mit dem Auto dann doppelt so lange.

«Das Wetter sah gut aus. Die Druckverhältnisse stimmten und die Fahrt konnte realisiert werden», sagt Urs Frieden. Die Winde und Druckverhältnisse seien entscheidend für die Überfahrt in den Süden. «Um mit dem Ballon fahren zu können, brauche ich einen tieferen Druck am Zielort. Es funktioniert wie Wasser, dass nach unten fliesst.» Von Diepoldsau aus hätten sie die richtigen Verhältnisse gehabt, um auch am Zielort Verona anzukommen. Ballonfahrer müssen gute meteorologische Kenntnisse haben und wissen, was in der Natur vorgeht, sagt Frieden.

Die Alpen zu überqueren trauen sich aber nur wenige zu. Zehn Ballonfahrer würden dies in der Schweiz anbieten, weiss der Andwiler. Er selbst plant zwei bis fünf Überquerungen pro Jahr – je nach Wetter. «Die Alpenüberquerung geht nur zwischen Dezember und Februar», sagt er. Zum einen wegen der angesprochenen Druckverhältnisse, die nur im Winter günstig sind. Zum anderen wegen der Temperatur. «Je höher der Unterschied zwischen der Aussentemperatur und jener in meinem Ballon ist, desto effizienter fährt man.»

Mit 160 Sachen über die verschneiten Berge

Normalerweise fahren Heissluftballone in der Höhe von etwa 2000 Metern über Meer. Dies reicht bei der Höhe der Alpen aber nicht aus. Zunächst auf 3000 dann auf 5500 Meter hoch steigt Friedens Ballon. «Wir waren da mit etwa 75 Kilometern pro Stunde unterwegs. Das war aber zu langsam. Deshalb beantragten wir, noch höher gehen zu können.» Schliesslich fährt der Ballon auf 6800 Metern über Meer mit 160 Kilometern pro Stunde über die Alpen.

«Die Landschaft untendrunter machte einfach ‹flup›. Die Aussicht von Südfrankreich bis Wien war aber grossartig. Verschneite Berge, so weit das Auge reicht.»

Gardasee in 8 Minuten überquert

Den 27 Kilometer langen Gardasee überquerte das vierköpfige Team schliesslich in acht Minuten. In so grosser Höhe zu sein, bedeute auch, gewisse Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, erklärt Urs Frieden. Im Gegensatz zu normalen Ballonfahrten befand sich sein Ballon im kontrollierten Luftraum der Flugsicherung der Schweiz und Italien. «Die Absprache mit Skyguide war sehr wichtig», sagt Frieden.

Zudem waren zwei Piloten im Korb. Dazu kamen nur zwei Gäste. Der Platz war auch beschränkt. «Der Korb ist nur 2 auf 1,35 Meter gross», sagt der Ballonfahrer. Des Weiteren waren 1200 Liter Sauerstoff dabei. Über eine sogenannte Nasenbrille gelangt der Sauerstoff in die Lungen. «Die Luft ist zu dünn dort oben, Sauerstoff ist essenziell.» Im Korb befand sich nebst der Verpflegung, Tee und Wasser auch ein Transponder. «So können mich die Kontroller, wie etwa Skyguide, erkennen. Sie wissen dann, dass ich ein Ballon bin, wohin ich fahre und wie hoch ich bin», erklärt Frieden.

Ein GPS, ein Funkgerät sowie ein Pad mit elektronischen Karten benötigten die Piloten ebenfalls. Der Ballon fasst 4500 Kubikmeter Luft, 440 Liter Gas führt er mit im Korb. «In so grosser Höhe ist es sehr kalt. Minus 22 Grad haben wir gemessen. Da ist eine gute und warme Kleidung Pflicht», sagt der Andwiler.

Schliesslich sei die Gruppe gut in der Nähe des Flughafens bei Verona Villafranca gelandet. «Wir konnten die schöne Umgebung in Italien geniessen und sind am Sonntag zurück in den verschneiten Thurgau gefahren.»