An die Erbauer der illegalen Grillstelle ob Kreuzlingen: Bitte beim Förster melden!

Im Gebiet «Schlossbüel» ist ein Grillplatz mit Holzkonstruktionen erstellt worden, ohne die Waldbesitzerin nach Erlaubnis zu fragen. Für das kantonale Forstamt ist das nach gängiger Praxis nicht relevant, aber die Anlage geht über das freie Betretungsrecht hinaus.

Kurt Peter
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Die Grillstelle mit «Dachgerüst»: Ein Schild fordert die Verantwortlichen auf, sich zu melden.

Die Grillstelle mit «Dachgerüst»: Ein Schild fordert die Verantwortlichen auf, sich zu melden.

(Bild: Kurt Peter)

Tief im Wald ob Kreuzlingen steht plötzlich eine Grillstelle mehr zur Verfügung. Doch diese ist nicht etwa offiziell geschaffen, sondern wurde illegal erstellt. Weder das kantonale Forstamt noch die Landbesitzerin, die Schuppiskorporation, oder Revierförster Tobias Fischer wurden im Vorfeld über die im Gebiet «Schlossbüel» errichtete Anlage informiert, bestätigen alle Betroffenen.

Für Kreisforstingenieur Erich Tiefenbacher ist die Angelegenheit «weder Bau- noch forstrechtlich nach unserer langjährigen, konstanten Praxis noch nicht relevant». Doch die Schuppiskorporation könne theoretisch eine Anzeige erstatten, weil «hier ein gesteigerter Gemeingebrauch vorliegt, der über das freie Betretungsrecht des Waldes im ortsüblichen Umfang nach Zivilgesetzbuch hinausgeht». Und dafür müsse mindestens das Einverständnis der Waldeigentümerin vorliegen, erklärt Tiefenbacher.

Förster kontrollieren Grillstelle öfters

Ein solches Einverständnis aber gibt es nicht, wie Andreas Binswanger, Präsident der Schuppiskorporation, erklärt. Er habe die Stelle besichtigt, auf die Konstruktion mit den Waldholzästen könne eine mitgebrachte Regenblache gehängt werden, daneben befinde sich ein kleiner Brennholzstapel. Dieses Material sei unbedenklich. «Die Feuerstelle ist mit 20 künstlichen Zementsteinen umrandet, diese Fremdmaterialien müssen entfernt werden». Für Revierförster Tobias Fischer ist die Grillstelle kein Einzelfall:

«Wir finden immer wieder solche Stellen im Wald und wissen nicht,
wer diese errichtet hat.»

Es gelte, Regeln einzuhalten. Das sei aber schwierig, wenn neun von zehn Personen gar nicht wüssten, «dass auch der Wald Besitzer hat». Schwierigkeiten mit solchen Anlagen gebe es wenig, auch kaum Probleme mit zurückgelassenem Abfall.

«Dennoch werden wir die Stelle im Schlossbüel jetzt öfter kontrollieren und die Verantwortlichen bitten,
sich bei uns zu melden.»
Die illegale Grillstelle im «Schlossbüel».

Die illegale Grillstelle im «Schlossbüel».

(Bild: Kurt Peter)

Revierförster Tobias Fischer setzt sich dafür ein, dass der Weg zur Anlage zurückgebaut wird, so dass «die Zufahrt mit dem Velo nicht mehr möglich ist».

Biker stören die Ruhe

Damit kommt er auf ein Thema zu sprechen, dass allen Verantwortlichen grosses Kopfzerbrechen macht: «Den Ärger der Waldbesitzer über die zunehmend wilden Bikepisten kann ich gut verstehen», sagt Erich Tiefenbacher dazu.

Gerade im «Schlossbüel» sei dies ein nicht hinzunehmender Zustand, denn «hier gibt es ja einen offiziellen Biketrail». Wilde Pisten seien immer öfter festzustellen, trotz ausdrücklichem Verbot. Tiefenbacher hofft, dass im neuen Waldgesetz eine entsprechende Strafbestimmung Eingang finden wird.

«Mich stören die vielen, laufend neuen Bikepisten sehr», sagt Andreas Binswanger verärgert. Die intensive Nutzung des Saubachtobels als «Bike-Eldorado» mache ihm grosse Sorgen. Inzwischen seien dort mindestens sechs nicht ausgeschilderte Pisten entstanden. Der offizielle Trail sei wohl zu wenig attraktiv, beziehungsweise gefährlich, meint er.

«Würde man die wilden Wege auf einer Karte einzeichnen, so ergäbe sich ein recht dichtes Netz». Diese Form der «Bikerei» müsse baldmöglichst eingeschränkt werden, sie schade nämlich der Flora und Fauna.

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