An der Weinfelder Fasnacht regieren die Emanzen

Der Wandel vom Dorf zur Stadt, grosse Plakate und das Bounty-Museum waren Themen am Schnitzelbankabend.

Manuela Olgiati
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Die Bürgler Emanzen interessieren sich für die Politik.

Die Bürgler Emanzen interessieren sich für die Politik.

(Bild: Manuela Olgiati)

Sechs Formationen präsentieren am Freitagabend in vier Lokalitäten ihre Reime. Örtliches wie auch Weltpolitisches wird aufgetischt. Früher gab es Schnitzelbänke im «Trauben». Nun sitzen die Weinfelder in der Kulturbeiz Frohsinn locker beisammen.

Die Weltpolitik finden diese sechs Damen, ach, so kompliziert. Von Bürglen über Weinfelden nach Märstetten beginnt bei den «Emanze mit Ranze» die Reise – vom Burger-Schopf und zur Stabsübergabe des Gemeindepräsidiums in Märstetten. Dass Weinfelden nach der Stadttaufe alten Wein in neuen Schläuchen einschenkt, ist den Bürgler Emanzen bekannt. Auch weiss nun jeder Weinfelder, dass die Taktik von grossen Wahlplakaten von Nationalrat Manuel Strupler wirkt. Und das Weinfelder Stadtparlament lang über die Sporthalle Gütti diskutiert.

Der Süd-Appenzeller liest die Leviten

Den Auftakt zu einer langen Reihe von herrlichen Schnitzelbankversen, kabarettistischen Beilagen, fasnächtlicher Musik und originellen Büttenreden macht die Guggenmusik Kakophoniker aus Bürglen. Dass viel Publikum teilnimmt, freut Organisatorin Elisabeth Schumacher. Kostümiert begleitet sie den «Graf von Weinfelden» von Beiz und Beiz. Robert Guideon schwärmt in Versform von der Forelle am Ottoberg und meint damit Regierungsratskandidat Ueli Fisch. Auch den (Aus)-Wahl-Salat der kommenden Grossratswahlen nimmt der Weinfelder Graf auf die Schippe.

Der Gast aus dem Appenzellischen bringt die Aussensicht ein.

Der Gast aus dem Appenzellischen bringt die Aussensicht ein.

(Bild: Manuela Olgiati)

Der «Süd-Appenzeller» im Edelweisshemd ist extra aus dem Appenzellischen angereist. Mit Hexenbesen, frechen Versen und Refrain feiert er seinen Auftritt mit Schildern aus grossen Städten. Je nachdem woher der Wind weht, ist über die Klimaneutralität an Schulen, politische Rochaden der CVP mit Verkehrspolitik von Ex-Bundesrätin Doris Leuthard neu im Verwaltungsrat der Stadler Rail informiert.

Kreuzlingen und der Shoppingtourismus sind Thema und die Thurgauer Zeitung wird mit Lokaljournalismus aus St. Gallen und Herisau zitiert. Da hält der «TZ-Leu» entgegen. Die Stadtentwicklung hat er sich auf die Fahne geschrieben. Das Wappen wirkt fremd. Weinfelden hat keine Kartause, keine Fondation Beyeler. Im Kostüm und mit Ukulele stimmt David Angst an und der ganze Saal singt mit:

«Wyfelde hät es Bounty-Museum.»

Am Schluss gibt es «Ohrenwellness». Slam-Poetin Piera Cadruvi serviert spritzige Texte und fordert die Männer keck auf: «Schaut auf mein Shirt.» Dort steht ihr Name in Mundart geschrieben. Die Bündnerin, die im Thurgau wohnt, spricht von den Quotenfrauen und verbündet sich mit der Politik von Martullo Blocher.

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