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An der Trauung läutete die Totenglocke

Eugen Fahrni wusste viel Spannendes aus seinem Leben zu erzählen. Die Interessengemeinschaft Erwachsenenbildung Amriswil (IGEA) lud anlässlich ihrer Reihe «Fokus Mensch» den Ehrenbürger der Stadt Amriswil zu einem Referat ein.
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Eugen Fahrni ist mit seiner Ehefrau Betty seit bald 55 Jahren verheiratet. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Eugen Fahrni ist mit seiner Ehefrau Betty seit bald 55 Jahren verheiratet. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Es gibt wohl nur wenige Amriswiler, die ihn nicht kennen. Und an seine sympathische Radiostimme beim Regionaljournal Ostschweiz und Fürstentum Liechtenstein mag sich bestimmt auch so mancher Nicht-Amriswiler erinnern. Eugen Fahrni, Präsident des Ortsmuseums und früherer Zeitungs- und Radioredaktor, erzählte am Dienstag aus seinem bewegten Leben. Der Amriswiler Ehrenbürger hat sein Familienalbum geöffnet und die eine oder andere Anekdote daraus verraten. Eingeladen zum Vortragsabend «Fokus Mensch» im Saal des Alters- und Pflegezentrums hatte die Interessengemeinschaft Erwachsenenbildung Amriswil (IGEA).

Am Anfang war ein Skirennen

Lange habe er sich überlegt, wo er denn eigentlich mit seinen Erzählungen beginnen soll, meinte Eugen Fahrni. «Beginne doch zuvorderst», habe ihm seine Ehefrau Betty geraten. Geboren sei er am 14. März 1940 in Glarus – am gleichen Tag wie Ferdinand Hodler und Albert Einstein, erzählte Eugen Fahrni. Und schmunzelnd ergänzte er: «Ich habe jedoch von beiden nichts abbekommen.» Von seinem Elternhaus aus habe er den Glärnisch gesehen.

Eugen Fahrni zeigt ein Bild des Passagierschiffes "Ryndam". (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Eugen Fahrni zeigt ein Bild des Passagierschiffes "Ryndam". (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Seine Ausbildung als Schriftsetzer hat Eugen Fahrni bei den Glarner Nachrichten absolviert. «Und im vierten Lehrjahr war ich zum ersten Mal als Zeitungsreporter unterwegs und habe über ein Skirennen berichtet», erinnerte er sich. Dies sei der Anfang als Redaktor bei den Glarner Nachrichten gewesen. Doch eines Tages wollte Eugen Fahrni erfahren, was eigentlich noch hinter den Bergen steckt. Im holländischen Den Haag erhielt er eine Anstellung als Schriftsetzer. Dort habe er auch erstmals einen Wohnblock gesehen, denn solche grossen Gebäude gab es damals in Glarus noch nicht. Auf dem Passagierschiff «Ryndam» war Eugen Fahrni dann Redaktor, Schriftsetzer und Drucker zugleich. Täglich wurde die Zeitung «The Ocean Post» herausgegeben, die News seien per Funk aufs Schiff übermittelt worden.

In Den Haag wurden ausserdem die Weichen für seine private Zukunft gestellt. Dort hat sich nämlich der junge Glarner in die Engländerin Betty Jones verliebt, welche an der Universität Leiden studierte. Dann sei alles schnell gegangen – die Verlobung fand in Holland statt, geheiratet wurde 1963 im englischen Lawford. Bei der Trauung in der 500 Jahre alten Kirche habe nur die Totenglocke geläutet. Denn der Pfarrer hätte geglaubt, dass beim Läuten der grossen Glocke der Turm einstürzen könnte. Die Hochzeitsgäste dachten dabei an ein schlechtes Omen. Doch ganz im Gegenteil: «Mittlerweile sind Betty und ich seit 55 Jahren verheiratet», erzählte Eugen Fahrni mit einem dankbaren Lächeln. Dem Ehepaar Fahrni wurden drei Kinder und inzwischen auch fünf Enkelkinder geschenkt.

Vor 50 Jahren nach Amriswil gekommen

Zurück in der Schweiz hat der gelernte Schriftsetzer erste Erfahrungen am Mikrofon beim Radio Bern gesammelt und zudem für das «Langenthaler Tagblatt» geschrieben. 1968 kam Eugen Fahrni mit seiner Familie nach Amriswil, wo er zunächst als Redaktor für den «Amriswiler Anzeiger» und später für die «Thurgauer Zeitung» arbeitete. Nebenbei besuchte er eine Weiterbildung in Kommunikation und Gestaltung. 22 Jahre lang war Eugen Fahrni auch Redaktor beim damaligen Radio DRS in St. Gallen – «eine ebenfalls sehr spannende Zeit», wie er sagte.

Eugen Fahrni war Gemeinderat und auch Vize-Gemeindeammann. Ausserdem stand er einst der Evangelischen Kirchgemeinde Amriswil-Sommeri als Präsident vor. In seiner Freizeit engagierte er sich unter anderem als Vorstandsmitglied beim Arbeitsheim für Behinderte Amriswil. Eugen Fahrni war auch Gründer des Amriswiler Ortsmuseums und amtet seit 24 Jahren als Präsident. In sehr vielen Bereichen war der gebürtige Glarner ehrenamtlich tätig. Seine selbstlose Haltung für freiwilliges Engagement ist immens und unerschöpflich. Mit viel Enthusiasmus hatte er verschiedenste Logo-Designs und Broschüren kreiert – beispielsweise das Logo der Autokurse Oberthurgau (AOT).

«Bin geprägt von der Glarner Bergwelt»

Abschliessend meinte Eugen Fahrni: «Ich bin sicher geprägt von der Glarner Bergwelt, vom harten Granit und auch vom Gefühl des Eingeschlossenseins. Deshalb bin ich wie viele Glarner damals aufgebrochen, um die Welt zu erkunden – mit einem gesunden Mass an Neugierde.» Als er vor 50 Jahren nach Amriswil gekommen sei, begegnete er offenen, freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Viele Freunde und Bekannte sind noch heute die gleichen wie damals, erzählt Fahrni. Er sei Amriswil dankbar für die gute Aufnahme, und dass sich seine Familie hier entfalten konnte. «Vielleicht fragt man sich, weshalb ich so viel Ehrenamtliches gemacht habe. Wir sind an einen Ort gekommen, wo es viele gute Menschen gibt – da wollte ich nicht nur profitieren. Ich wollte meinen positiven Teil an diese Gemeinschaft beitragen. Schliesslich bin ich Teil davon.»

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