An der Gemeindeversammlung diskutieren die Roggwiler über den Abriss des Gasthaus Ochsen

Nebst dem Steuerfuss löst auch das denkmalgeschützte Farinolihaus nur wenige Meter neben dem «Ochsen» eine heftige Debatte aus.

Miguel Lo Bartolo
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Neben dem Gasthaus Ochsen in Roggwil steht das denkmalgeschützte Farinolihaus.

Neben dem Gasthaus Ochsen in Roggwil steht das denkmalgeschützte Farinolihaus.

(Bild: Andrea Stalder)
Gallus Hasler, Roggwiler Gemeindepräsident.

Gallus Hasler, Roggwiler Gemeindepräsident.

(Bild: PD)

Eigentlich sollte an der Roggwiler Gemeindeversammlung vom Montagabend das Budget 2020 – sprich die Erfolgs- und Investitionsrechnung sowie der Steuerfuss – im Zentrum stehen. Bei den Stimmberechtigten drückte der Schuh allerdings anderswo. Das zeigte die Diskussionsrunde am Ende der Versammlung. Nachdem bereits die Steuerfussempfehlung des Gemeinderates kritisch beäugt und schliesslich mit viel Gegenwind angenommen wurde (siehe Infokasten), wagte sich Gemeindepräsident Gallus Hasler weiter raus aufs Glatteis.

Hasler konfrontierte die Stimmbürger erstmals mit dem Plan, als Gemeinde das Gasthaus Ochsen zu kaufen. Über den Kauf sollen die Stimmberechtigten an der nächsten Gemeindeversammlung im Mai abstimmen können. Ersten Wortmeldungen zufolge besteht zwar seitens der Anwohner das Interesse, den Ochsen zu erhalten. Auch mit dem Übergang in Gemeindebesitz scheinen viele einverstanden.

Das an den «Ochsen» grenzende Farinolihaus ist aber denkmalgeschützt und würde die Gemeinde bei einem allfälligen Kauf vor bautechnische Herausforderungen stellen. Das stiess so manchem sauer auf.

Fragwürdige Pläne für den «Ochsen»

Die Zukunft des «Ochsen» ist seit geraumer Zeit ungewiss. Entsprechend haben sich viele Anwohnerinnen und Anwohner mit der Thematik auseinandergesetzt. Ihre potenziellen Lösungen präsentierten sie an der Gemeindeversammlung. Ein aus Sicht des Gemeinderates fragwürdiger Vorschlag eines Stimmbürgers löste eine hitzige Diskussion aus.

Das in die Jahre gekommene Farinolihaus neben dem «Ochsen».

Das in die Jahre gekommene Farinolihaus neben dem «Ochsen».

(Bild: PD)
«Das Gasthaus und das angrenzende, denkmalgeschützte Farinolihaus sollen abgerissen und überbaut werden.»

Dies die Meinung ebendieses Stimmbürgers. Er habe seine Vorstellungen mit verschiedenen Architekten durchgespielt und sei zum Schluss gekommen, dass der Gemeinde damit am besten gedient sei.

Er empfiehlt einen Neubau mit einer Tiefgarage im Untergeschoss und einem Restaurant im Erdgeschoss. Zudem könne das ohnehin sanierungsbedürftige Gemeindehaus nur wenige Meter weiter gleich mitabgerissen und im ersten Stockwerk des neuen Gasthauses eingerichtet werden. Im zweiten Stockwerk sollen Wohnungen entstehen.

Der Gemeinderat Markus Zürcher tat dies als «unrealistisch» ab, zumal sich das denkmalgeschützte Farinolihaus keinesfalls einfach abreissen liesse. Vom Denkmalschutz des Farinolihauses wollte aber von den Stimmbürgern keiner etwas wissen. «Schlussendlich entscheiden wir, die Gemeinde, über den Abriss eines Gebäudes», sagte etwa einer.

Am Ende der Gemeindeversammlung gaben einige Bürger bekannt, noch vor der Abstimmung am 18. Mai eine Informationsveranstaltung organisieren zu wollen.

Einige Stimmbürger fordern eine Steuerfusssenkung

Die Stimmbürger haben das Budget einstimmig durchgewunken. Anders beim Steuerfuss: Gemäss Vorschlag des Gemeinderats sollte der Steuerfuss trotz eines Ertragsüberschusses von einer knappen Viertelmillion Franken unverändert, also bei 52 Prozent, bleiben. Die Wortmeldung eines Stimmbürgers fand aber bei vielen Anwesenden Anklang: «Ich finde es unanständig, unsere Steuergelder als ‹Gewinn› zu budgetieren und gleichzeitig dreist, den Steuerfuss trotzt des hohen Überschusses unverändert zu lassen.» Er beantrage deshalb eine Steuerfussreduktion von 4 Prozent. Mit Blick auf die Zukunft richtet sich Gemeindepräsident Gallus Hasler an die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Der erzielte Ertragsüberschuss sei unter anderem auf die aktuell gute Wirtschaftslage und zahlreiche Zuzüger zurückzuführen. Ob dies künftig gleich bleibe, stehe in den Sternen. «Deshalb hält der Gemeinderat an seiner Empfehlung des gleichbleibenden Steuerfusses fest», sagt Hasler. Der Antrag des Gemeinderats wurde schliesslich trotz Gegenwindes mit 121 zu 48 Stimmen angenommen. (mlb)