Volleyball
Volley Amriswils Meisterträume platzen in Genf: Die Thurgauer verlieren das vierte Finalspiel 0:3

Volley Amriswil verliert das vierte Finalspiel gegen Chênois 0:3 und die Best-of-5-Serie damit 1:3. Damit gewinnen die Genfer ihren insgesamt siebten Schweizer-Meister-Titel. Amriswils Saison dagegen endet in Tränen. Den ersten Meisterschaftsgewinn seit 2017 hat der Favorit wie schon 2019 verpasst.

Matthias Hafen aus Thônex
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Der Pokal geht an den Gegner. Den enttäuschten Amriswilern bleibt die Medaille für die Zweitplatzierten.

Der Pokal geht an den Gegner. Den enttäuschten Amriswilern bleibt die Medaille für die Zweitplatzierten.

Salvatore Di Nolfi/ Keystone

Es ist eine der bittersten Niederlagen in der noch jungen Geschichte von Volley Amriswil. Die Thurgauer stiegen als Qualifikationssieger und grosser Favorit in den Playoff-Final gegen Chênois. In der Best-of-5-Serie zeigten sich aber die Genfer deutlich stabiler, gewannen zweimal im Amriswiler Tellenfeld und schliesslich auch am Mittwochabend in der heimischen Sous-Moulin-Halle. Mit 3:1 entschieden die Romands den NLA-Final schliesslich zu ihren Gunsten und wurden zum siebten Mal Schweizer Meister. Überraschend und überraschend deutlich. Zuletzt hatte Chênois 2012 triumphiert.

Amriswil muss derweil weiter auf seinen fünften Meistertitel nach 2009, 2010, 2016 und 2017 warten. Dabei stand den Thurgauern mit Dima Filippov wieder einmal ein Weltklasse-Passeur zur Verfügung. Und auch der Rest der Equipe um den österreichischen Captain und Topskorer Thomas Zass hatte das Format, um Schweizer Meister zu werden. Nach Papierform hätten die Oberthurgauer den Pokal schlicht gewinnen müssen.

Der Ex-Amriswiler Jovan Djokic (links vom Pokal) stemmt mit seinen Teamkollegen von Chênois die Meistertrophäe in die Höhe.

Der Ex-Amriswiler Jovan Djokic (links vom Pokal) stemmt mit seinen Teamkollegen von Chênois die Meistertrophäe in die Höhe.

Salvatore Di Nolfi/ Keystone

Entfesselte Genfer, diffuse Amriswiler

Der packende Final gegen Chênois – und damit eingeschlossen die letzte Partie vom Mittwoch – zeigte aber, dass der Erfolg im Sport nur bedingt planbar ist. Und vor allem zeigte die finale Playoff-Serie, dass auch der Aussenseiter ein verdienter Meister sein kann. Die Amriswiler konnten die drohende Finalpleite auch nach der Freistellung von Trainer Marko Klok nicht mehr abwenden. Im ersten, äusserst knappen Satz des vierten Spiels (26:28) verpassten sie die Gelegenheit nur ganz knapp. Danach spielte sich Chênois in seiner Heimhalle vor laufenden TV-Kameras in einen Rausch.

Amriswils Auftritt dagegen wurde immer diffuser, je länger die Partie dauerte. Am Ende waren die Thurgauer so verunsichert, dass gar nichts mehr klappen wollte auf dem Feld. Man litt mit diesem Team und Interimstrainer Matevz Kamnik richtig mit. Denn die Gäste versuchten nochmals alles zu geben, waren aber zu gehemmt. 21:25 und 20:25 lauteten die weiteren Satzergebnisse. Die Tränen, die mehrere Amriswiler danach vergossen, zeugten davon, wie nah das auch den Profis ging.

Auch die Amriswiler hatten im vierten Spiel Jubelmomente. Sie gaben alles, waren aber mental irgendwie blockiert.

Auch die Amriswiler hatten im vierten Spiel Jubelmomente. Sie gaben alles, waren aber mental irgendwie blockiert.

Salvatore Di Nolfi/Keystone

Die Probleme sind mentaler Natur

Die Probleme, die Volley Amriswil am Ende dieser Meisterschaft offenbarte, sind keine, die ein Trainer lösen kann. Dafür braucht es einen Psychologen. Die Tatsache, dass der eine oder andere Leistungsträger im entscheidenden Moment nicht seine beste Leistung abrufen konnte, dürfte in die Überlegungen einfliessen, wenn es darum geht, mit welchen Spielern Amriswil die Zukunft bestreiten will. Nach diesem Saisonende in Tränen spricht einiges für einen Neuanfang unter dem zukünftigen Trainer Juan Manuel Serramalera.

NLA-Playoff. Final (best of 5). 4. Runde: Chênois (2.) – Amriswil (1.) 3:0 (28:26, 25:21, 25:20); Schlussstand: 3:1. – Chênois damit zum siebten Mal Schweizer Meister nach 1984, 1996, 1997, 2002, 2006 und 2012.

Volley Amriswils Sportchef René Zweifel (ganz rechts) spendet seinen Spielern Trost nach dem verlorenen Playoff-Final gegen Chênois.

Volley Amriswils Sportchef René Zweifel (ganz rechts) spendet seinen Spielern Trost nach dem verlorenen Playoff-Final gegen Chênois.

Salvatore Di Nolfi/Keystone

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