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Amriswiler Klasse macht Wanderlager aus der Not heraus

Die Klasse G 2b der Sekundarschule Grenzstrasse läuft in der kommenden Woche vom Bodensee bis zum Vierwaldstättersee. Lehrer Stefan Klocker hatte mit seinen Schülern zuerst andere Pläne, die er jedoch über den Haufen werfen musste.
Manuel Nagel
Lehrer Stefan Klocker (grünes T-Shirt) läuft mit seiner Klasse den letzten Übungsmarsch – von Weinfelden nach Amriswil. (Bild: Manuel Nagel, 29. August 2018)

Lehrer Stefan Klocker (grünes T-Shirt) läuft mit seiner Klasse den letzten Übungsmarsch – von Weinfelden nach Amriswil. (Bild: Manuel Nagel, 29. August 2018)

Es sollte eigentlich ein ganz normales Klassenlager werden. Eigentlich – aber das Haus, in welches Stefan Klocker jeweils mit seinen Klassen gereist war, stand zu seiner Überraschung nicht zur Verfügung. Doch dem Sekundarlehrer des Schulhauses Grenzstrasse kam dieses Malheur gar nicht so ungelegen. «Ich hatte diese Idee schon länger im Kopf, und nun war die Gelegenheit da, sie mit meiner Klasse umzusetzen», sagt Klocker. Er wollte mit seinen Schülern auf dem Jakobsweg vom Bodensee bis zum Vierwaldstättersee laufen.

«Als Herr Klocker uns davon erzählte, dachte ich, er will uns veräppeln. 115 Kilometer mit Ausrüstung zu laufen, das kam schon sehr überraschend.»Vlerson Nrecaj (14) Sekundarschüler Klasse G 2b

«Als Herr Klocker uns davon erzählte, dachte ich, er will uns veräppeln. 115 Kilometer mit Ausrüstung zu laufen, das kam schon sehr überraschend.»
Vlerson Nrecaj (14) Sekundarschüler Klasse G 2b

«Ganz ehrlich? Ich dachte zuerst, unser Lehrer will uns veräppeln», gibt Vlerson Nrecaj freimütig zu. So überrascht wie er waren auch seine Mitschüler, doch Stefan Klocker stiess keineswegs auf Ablehnung. «Ich fand die Idee cool», sagt Sara Milesic, die sie sich an jenen Moment zurückerinnert, als ihnen ihr Lehrer die Karte mit der Wanderroute von Rorschach nach Brunnen zeigte. Der nutzte die Gunst der Stunde und liess die Jugendlichen gleich auf der Rückseite dieser Karte den Satz «Ich traue mir diese Challenge zu und bin dabei!» unterschreiben – wie bei einem Vertrag.

115 Kilometer in fünf Tagen

Auch von der Schulleitung, den Lehrerkollegen und den Eltern gab es grosse Zustimmung für dieses Projekt, sagt Klocker. Nur ein Elternteil habe Bedenken gehabt, als er das Streckenprofil vorgestellt habe. Das könne man doch nie schaffen. Und das Lager solle doch auch Spass machen, lautete der Einwand. Es sei aber bei dieser einen kritischen Stimme geblieben, erzählt Klocker.

«Von diesem Projekt habe ich erfahren, als ich beim Nachsitzen war. Herr Klocker hat mich da gebeten, dass ich ihm helfe, meine Mitschüler dafür zu motivieren.»Altin Fetahu (13) Sekundarschüler Klasse G 2b

«Von diesem Projekt habe ich erfahren, als ich beim Nachsitzen war. Herr Klocker hat mich da gebeten, dass ich ihm helfe, meine Mitschüler dafür zu motivieren.»
Altin Fetahu (13) Sekundarschüler Klasse G 2b

Insgesamt 115 Kilometer wird die Klasse in fünf Tagen zurückgelegt haben, wenn sie wie geplant am Freitagabend um 17 Uhr in Brunnen im Kanton Schwyz ankommen wird. «Alles ohne Begleitfahrzeug», ergänzt Stefan Klocker. Das nähme dem Ganzen den Reiz und wäre auch keine Herausforderung, findet er und sagt: «Die einzige Hintertür ist der Öffentliche Verkehr.»

Mit Schwierigkeiten rechnet er auf der zweiten, der längsten Etappe, wenn es von Herisau auf den Rickenpass geht. Da behält er sich vor, dass er in St. Peterzell einige Schüler mit einer der beiden Begleiterinnen auf den Bus schickt. Doch bei den Jugendlichen ist der Ehrgeiz geweckt. «Ich will nicht auf den Bus», sagt Anabella Moser bestimmt – und auch die übrigen aus der Klasse wollen die ganze Strecke zu Fuss bewältigen.

Trotz guter Ausrüstung nass geworden

«In mir ist so ein Gefühl, dass ich das irgendwie nicht machen will, aber ich freue mich trotzdem schon auf den Montag, wenn es endlich losgeht.»Anabella Moser (14) Sekundarschülerin Klasse G 2b

«In mir ist so ein Gefühl, dass ich das irgendwie nicht machen will, aber ich freue mich trotzdem schon auf den Montag, wenn es endlich losgeht.»
Anabella Moser (14) Sekundarschülerin Klasse G 2b

Als Vorbereitung lief die Klasse zwischen Pfingst- und Sommerferien sechs längere Strecken, und im neuen Schuljahr nochmals dreimal – von Romanshorn, Arbon und nun Weinfelden zurück nach Amriswil. Etwa 100 Übungskilometer seien so zusammengekommen, schätzt Stefan Klocker. Auch hat er geschaut, dass seine Schüler eine gute und leichte Ausrüstung besitzen. Trotz dieser seien sie jedoch nass geworden, als sie einmal bei Regen gewandert seien. Klocker ist sich bewusst, dass das Wetter natürlich ein Risiko berge.

«Ein wenig nervös, ob ich es schaffe, bin ich schon. Die ganze Ausrüstung, wie Wanderschuhe oder Kleidung musste ich speziell für dieses Lager kaufen.»Sara Milesic (14) Sekundarschülerin Klasse G 2b

«Ein wenig nervös, ob ich es schaffe, bin ich schon. Die ganze Ausrüstung, wie Wanderschuhe oder Kleidung musste ich speziell für dieses Lager kaufen.»
Sara Milesic (14) Sekundarschülerin Klasse G 2b

Die Erfahrung haben auch die Schüler machen müssen. «Zuerst dachte ich, Wandern ist nicht so anstrengend», sagt Anabella Moser, «aber wenn es heiss ist...». Auch Sara Milesic bestätigt, dass es nicht sehr angenehm sei, wenn es regnet oder die Sonne brennt. Doch sie erhofft sich von diesem aussergewöhnlichen Wanderlager, dass gerade bei solchen Bedingungen der Zusammenhalt der Klasse gestärkt und auch bei Schwierigkeiten trotz allem gute Stimmung untereinander herrschen werde.

Hinweis
Auf Instagram kann man unter dem Hashtag #wanderlagerG2b den Weg der Klasse mitverfolgen.

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