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Amriswiler Kinderhaus Floh legt Berufung ein

Das Bezirksgericht Arbon entschied einen Streitfall um eine Kündigung zu Gunsten einer ehemaligen Erzieherin. Mit dem Urteil ist der Vereinsvorstand nicht einverstanden.
Rita Kohn
Das Kinderhaus Floh im Zentrum von Amriswil. (Bild: Manuel Nagel)

Das Kinderhaus Floh im Zentrum von Amriswil. (Bild: Manuel Nagel)

War die fristlose Kündigung gerechtfertigt oder nicht? Das Bezirksgericht Arbon hatte sich im Januar mit dieser Frage zu befassen. Die entlassene Erzieherin hatte gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber, das Kinderhaus Floh geklagt. Die fristlose Kündigung sei unberechtigt gewesen, befand denn auch das Bezirksgericht Arbon. Für das Kinderhaus Floh ein folgenschwerer Entscheid. Denn damit würden Zahlen von über 75'000 Franken fällig. Das, weil die Erzieherin zum Zeitpunkt der Entlassung gerade schwanger geworden war und damit unter Kündigungsschutz stand.

«Wir werden Berufung gegen das Urteil einlegen», kündigt Stadtrat Richard Hungerbühler an. Der Präsident des Kinderhauses Floh bedauert die Situation, sieht sich aber mit unberechtigten Vorwürfen konfrontiert. Das Gericht habe die Gründe, die zur fristlosen Kündigung geführt hätten, nicht gewürdigt, sagt er. «Uns wurde vorgeworfen, die Gründe nicht ausreichend dargelegt zu haben.» Allerdings habe das Gericht auf eine Zeugeneinvernahme verzichtet. Wären die Zeugen angehört worden, hätte das nach Meinung Hungerbühlers ein anderes Bild ergeben. Unmittelbar vor dem Entscheid, das Arbeitsverhältnis fristlos aufzulösen, sei aufgrund von Rückmeldungen der Angestellten klar geworden, dass sich das Verhalten der Erzieherin nicht verbessert habe, obwohl ihr bei einer Aussprache mit Abmahnung klar gemacht worden sei, dass sie Grenzen überschreite.

Die Situation spitzte sich zu

Bereits im Sommer hatte die Kinderhausleitung die Erzieherin mit den Vorwürfen konfrontiert, die gegen sie erhoben worden waren. Demnach hatte sie ein Kind mit einem frischen Haarschnitt gesagt, nun sehe es aus wie ein «Jugo». Sie habe Kinder von Eltern, mit denen sie auch privat Kontakt hielt, bevorzugt und trotz Handyverbot am Arbeitsplatz mit dem Handy Bilder aus der Gruppe an Eltern verschickt. Bilder, auf denen nicht nur die jeweiligen Kinder zu sehen gewesen seien. Es gab weitere Verstösse und Indiskretionen.

«Als wir im November erfahren mussten, dass sich das Verhalten der Erzieherin trotz Abmahnung nicht geändert hat, haben wir die fristlose Kündigung ausgesprochen»

sagt Stadtrat Richard Hungerbühler. Sie hätten zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung von der Schwangerschaft gehabt.

Stadtrat steht hinter dem Entscheid

Nachdem im Oktober das schriftliche Urteil des Bezirksgerichts vorgelegen war, ging der Anwalt des Kinderhauses Floh nochmals über die Bücher. Er prüfte, worauf sich das Bezirksgericht in seiner Urteilsfindung bezog. «Er ist zum Schluss gekommen, dass beim Urteil wichtige Aspekte nicht gewürdigt wurden, weshalb wir fristgerecht Berufung eingelegt haben.»

Der Stadtrat war über die Entwicklung informiert worden. «Er steht vollumfänglich hinter dem Entscheid, das Urteil weiterzuziehen», sagt Richard Hungerbühler. Er hofft, dass bei einer Beurteilung durch das Obergericht die bisher unbeachteten Aspekte berücksichtigt werden und die Gründe, die zur Entlassung geführt haben, zum Tragen kommen.

Das Zeugnis wird nun ausgestellt

Nicht bestritten wird von Seiten des Kinderhauses, dass der Erzieherin ein Arbeitszeugnis ausgestellt werden muss. Auch hier hatte das Gericht auf die Klage der ehemaligen Angestellten reagiert und dem Kinderhaus Floh ein schikanöses Verhalten vorgeworfen.

Stadtrat Richard Hungerbühler.

Stadtrat Richard Hungerbühler.

«Wir werden das Zeugnis nun umgehend ausstellen», sagt Richard Hungerbühler, der über die Zurechtweisung durch das Gericht irritiert ist. Es sei nie darum gegangen, der Arbeitgeberin etwas vorzuenthalten, was ihr zustehe, macht er deutlich. Zudem sei der Erzieherin bereits im April des Jahres, in der das Arbeitsverhältnis aufgelöst worden sei ein Zwischenzeugnis ausgestellt worden. Dies, nachdem klar war, dass die bisherige Leiterin das Kinderhaus verlassen würde.

Tarifaufschlag hat nichts mit der Sache zu tun

Vor einigen Monaten waren von mit der Erzieherin befreundeten Eltern Gerüchte gestreut worden, dass das Kinderhaus Floh nun die Tarife anpassen musste, um die Nachzahlung zu leisten. «Der Tarifaufschlag hat nichts mit der gerichtlichen Auseinandersetzung zu tun», betont Richard Hungerbühler. Die Tarifstrukturen seien schon einige Zeit vor der Eskalation unter die Lupe genommen worden.

«Wir haben die Tarife mit jenen vergleichbaren Kinderhäusern verglichen», sagt Hungerbühler. Dabei habe sich gezeigt, dass Amriswil im Vergleich sehr günstig sei und sich deshalb eine moderate Tarifanpassung rechtfertigen lasse. Sollte die Zahlung an die ehemalige Erzieherin fällig werden, würde der Verein beziehungsweise die Trägerschaft, also die Stadt dies tragen.

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