Amriswil
Zum Abschied präsentiert der Amriswiler Finanzverwalter ein sattes Plus

Die Stadt Amriswil schliesst die Rechnung 2020 mit einem Gewinn von über einer Million ab. Budgetiert waren 300000 Franken Verlust.

Manuel Nagel
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Stadtpräsident Gabriel Macedo und Finanzverwalter Thomas Grimm präsentieren im Pentorama die Rechnung 2020.

Stadtpräsident Gabriel Macedo und Finanzverwalter Thomas Grimm präsentieren im Pentorama die Rechnung 2020.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 15. April 2021)

Als Gabriel Macedo im Juni 2019 das Amt des Stadtpräsidenten antrat, da versprach er, unter seiner Ägide werde das Budget möglichst realitätsnah erstellt. Zuvor gab es gerade seitens Macedos Partei FDP immer wieder Kritik an der «Amriswiler Praxis», dass jeweils im November grosse Verluste für das kommende Jahr prognostiziert wurden, die Rechnung eineinhalb Jahre später aber mit einem Millionengewinn abschloss.

Auf den ersten Blick wiederholt sich die Geschichte: Denn im November 2019 budgetierte die Stadt einen moderaten Verlust von 302900 Franken – und nun schliesst Amriswil das vergangene Jahr mit einem Plus von 1043396 Franken ab, also 1,35 Millionen besser als gedacht.

Betrachtet man aber die Position «Fiskalertrag», der in den letzten Jahren im Budget stets zu tief angesetzt wurde, so fällt auf, dass diesmal die Steuereinnahmen anstelle der budgetierten 16,44 lediglich 15,63 Millionen Franken betragen. Nach alter Praxis wäre also die Differenz zwischen Budget und Rechnung noch grösser gewesen.

Handel mit Liegenschaften ein Segen für die Stadtkasse

Amriswils Finanzverwalter Thomas Grimm erklärte Parteien und Medien am Donnerstag, weshalb die Stadt auch diesmal deutlich daneben lag mit dem Budget. «Beim operativen Ergebnis liegen wir jedoch negativ und somit auf Budgetkurs», relativierte Grimm den Gewinn und sagte: «Was wir nun im Plus sind, ist ausserordentlich oder einmalig.» Zum einen habe man das Budget bei den Grundstückgewinnsteuern mit 1076000 Franken um fast eine halbe Million übertroffen. «Offenbar wird in Amriswil entgegen meiner Prognose weiterhin erfolgreich mit Liegenschaften gehandelt», sagte Grimm selbstkritisch.

Auch eigene Liegenschaftsverkäufe spülten der Stadt mehr Geld in die Kasse als gedacht. So fielen Steuereinnahmen unter Budget nicht ganz so stark ins Gewicht. Bei natürlichen Personen waren es minus 440000 Franken – trotz eines Bevölkerungszuwachses von mehr als 400 Einwohnern – und bei den juristischen Personen waren es 320000 Franken weniger als vorgesehen. «Die aktuelle Wirtschaftslage wegen Corona hat hier ihren Teil wohl dazu beigetragen», kommentierte Grimm.

Vom Finanzverwalter zum AOT-Buschauffeur

Interessant ist auch die Position «Landwirtschaftliche Strukturverbesserungen», wo 350000 Franken mehr als budgetiert aufgewendet wurden, weil die Sanierung der Flurstrassen bereits im letzten Jahr abgeschlossen werden konnte. «Wir hatten das schon im August 2020 vorausgesehen, was somit unser Budget 2021 entlastet hat, weil wir da nur noch den regulären Unterhalt haben, aber für die Sanierung noch Subventionen vom Kanton bekommen», erklärt Stadtpräsident Macedo.

Somit verabschiedet sich Finanzverwalter Thomas Grimm nach acht Jahren im Dienste der Stadt mit einem erfreulichen Rechnungsergebnis in den vorzeitigen Ruhestand. Er werde jedoch nicht nur zu Hause sein, wie er verriet. «Das kann ich meiner Frau nicht zumuten», sagte er mit einem spitzbübischen Lachen. So wird er hin und wieder einen der orangen AOT-Busse chauffieren, weil der passionierte Camper vor zwei Jahren auch den Führerschein für Busse gemacht hatte.

Hinweis
Amriswil befindet am 13. Juni in einer Urnenabstimmung über die Rechnung 2020.