Amriswil
Spielplatz mit Hindernissen

«Lions» aus der Region verhelfen dem Amriswiler Kinderhaus Floh zu einer Attraktion im Wert von 70'000 Franken.

Manuel Nagel
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Für die Kinder des «Floh» entsteht aktuell ein Spielparadies, gebaut von den beiden regionalen «Lions»-Sektionen.

Für die Kinder des «Floh» entsteht aktuell ein Spielparadies, gebaut von den beiden regionalen «Lions»-Sektionen.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 24. April 2021)

«Nöd druf stoh!», rufen einige der «Lions»-Mitglieder Markus Stahel zu, als er – wohl die Macht der Gewohnheit – über die Strasse zur Tankstelle will. Doch aus der Zapfsäule fliesst kein Benzin und die Strasse besteht nicht aus Asphalt, sondern aus Gummi, der erst noch austrocknen muss. Bei der strahlenden Sonne an diesem Samstagmittag dürfte dies jedoch schnell gehen.

Statt Benzin tanken die Bauarbeiter, die sich am vergangenen Wochenende fleissig für den neuen Abenteuerspielplatz beim Kinderhaus Floh ins Zeug gelegt haben, ein kühles Bier. Es sind alles Mitglieder des LC Luxburg-Bodensee, unterstützt von ihren Freunden vom LC Oberthurgau, die an diesem und an weiteren Wochenenden freiwillig schwitzen und ein Spielparadies für die Kinder errichten.

Auf rund 70'000 Franken schätzt Richard Hungerbühler den Wert des Spielplatzes, wenn man auch noch all die Freiwilligenarbeit der «Lions» einberechne. Für Hungerbühler ist dieses aktuelle karitative Projekt des LC Luxburg-Bodensee gleich eine doppelte Herzensangelegenheit. Zum einen ist er Mitglied der «Lions», zum andern ist er als Stadtrat auch zuständig für das Kinderhaus Floh.

Baustopp beim Spielplatz, da die Rekursfrist noch läuft

Doch nun kommen die Arbeiten ins Stocken, da die Einsprachefrist für die Baubewilligung erst am 5. Mai verstreicht, wie die «Thurgauer Zeitung» erfuhr. Hungerbühler gibt zu, dass sich in der Tat eine Person gemeldet und erkundigt habe, weshalb trotz laufender Frist schon gebaut werde. Die Bauverwaltung teilte daraufhin mit, der verfrühte Beginn sei nicht korrekt. Noch liege keine Bewilligung vor, obschon das Gesuch baurechtlich problemlos sei. Man müsse aber eine einheitliche Linie haben und könne nicht für das «Floh» eine Ausnahme machen, bei Privatpersonen dann aber wieder intervenieren. Sonst käme man in Erklärungsnotstand.

Richard Hungerbühler hat Verständnis für die konsequente Haltung und liess deshalb die Bauarbeiten stoppen. Das habe jedoch nichts mit den Nachbarn zu tun. «Wir haben miteinander geredet. Es gibt von dort auch keine Einsprache gegen den Spielplatz», sagt Hungerbühler. Man wollte uns nur darauf hinweisen, dass das Vorgehen in diesem Fall nicht richtig sei.

Dabei handelte Hungerbühler aus hehren Motiven so, wie er erklärt: Um die Bauzeit zu verkürzen, aber auch um Kosten für das Kinderhaus einzusparen. Das hängt wiederum zusammen mit den aktuellen Bauarbeiten beim Radolfzeller Park, die wegen des guten Wetters besser vorankamen als gedacht. So konnten beim aktuellen Baustand Synergien genutzt werden.

«Zudem ist es auch nicht einfach, so viele Freiwillige aufzubieten für diese Fronarbeit. Und die Finanzierung ist ebenfalls erst seit Kurzem gesichert», ergänzt Hungerbühler. Vorher habe er die Baueingabe nicht einreichen wollen, weshalb diese auch erst so spät erfolgt sei.

Die Sachlage präsentiert sich jedoch noch komplizierter, denn trotz Baustopp bis zum Ende der Einsprachefrist können die Gartenarbeiten trotzdem weiterlaufen. «Die Bepflanzung und Begrünung wurde mit der Gestaltung Radolfzeller Park publiziert und baurechtlich bewilligt», erklärt Bauverwalter Manfred Wagner. Die Wiese des «Floh» war Teil der Baustelle und wird deshalb wieder bepflanzt. Der Spielplatz sei damals aber nicht im Gestaltungsprojekt gewesen.

Trotz aller Hindernisse freut sich Hungerbühler nun auf den fertigen Spielplatz – und mit ihm wohl sämtliche «Floh»-Kinder.