Amriswil
Hollywood-Filmstar lehrt Thurgauer Kinder kämpfen: Aber Sicherheit ist sein oberstes Gebot

Die Macher des Theaterstücks «P. Pan» holen sich für die Kampfszenen Unterstützung von einer wahren Koryphäe.

Manuel Nagel
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Aufmerksam beobachtet Jean-Loup Fourure die Kampfszenerie von «P. Pan» auf der Bühne des Amriswiler Kulturforums.

Aufmerksam beobachtet Jean-Loup Fourure die Kampfszenerie von «P. Pan» auf der Bühne des Amriswiler Kulturforums.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 7. Dezember 2021)

«Viele Kinder, kleine Bühne, sehr gefährlich», sagt Jean-Loup Fourure. Der 51-jährige Franzose und Wahlberliner bringt kurz und knapp auf den Punkt, wo die Schwierigkeiten liegen bei seinem Engagement, das ihn nach Amriswil geführt hat.

Drei dieser vielen Kinder haben an diesem Dienstagabend im Kulturforum gerade Pause von der Theaterprobe und dürfen einem Regionalfernsehen Red und Antwort stehen. Es sei «cool», von einem absoluten Profi zu lernen und mit ihm zu arbeiten. Es dürfte für die Nachwuchsschauspieler ihre erste Erfahrung mit der Kamera gewesen sein.

Ganz im Gegensatz zu dem, von dem die Kinder soeben in höchsten Tönen geschwärmt haben. Jean-Loup Fourure ist eine Koryphäe. Er ist einer von nur ganz wenigen Kampfkunstchoreografen in Deutschland. Als junger Schauspieler zog er 1992 in die deutsche Hauptstadt und verschrieb sich dann im Laufe der Jahre ganz der Kampfkunst.

Vom Kino in Hollywood auf die Bühne im Thurgau

Diese Spezialisierung brachte ihm 2010 den Höhepunkt seiner Karriere, als er in Roland Emmerichs Kinoblockbuster «Anonymous» nicht nur den Fechtmeister Monsieur Beaulieu spielen durfte, sondern innerhalb einer Woche nebst den Dreharbeiten auch noch Hauptdarsteller Rhys Ifans in die Kampf- und Fechtkunst einführen konnte.

Trailer des Films Anonymous von Regisseur Roland Emmerich.

Video: youtube.com

Vom grossen Kino in Hollywood auf die kleine Thurgauer Bühne, doch Fourure arbeitet genau so professionell. Geholt wurde er von Florian Rexer für dessen aktuelles Stück «P. Pan», das am 16. Dezember Premiere im Kulturforum feiert und auf drei weiteren Bühnen im Thurgau gespielt wird (siehe Kasten).

17 Vorstellungen im ganzen Thurgau

Florian Rexer, der Romanshorner Regisseur, bringt «P. Pan» an vier Standorten im Thurgau auf die Bühne: Vom 15. bis 30. Dezember im Kulturforum Amriswil (acht Vorstellungen), vom 14. bis 16. Januar im Eisenwerk Frauenfeld (drei Vorstellungen), vom 11. bis 13. Februar im Dorfzentrum Bottighofen (drei Vorstellungen) und vom 17. bis 19. Februar im Gasthaus zum Trauben Weinfelden (drei Vorstellungen). (man)
Hinweis
Infos und Tickets gibt es auf der Website www.p-pan.ch

Oberstes Gebot für Fourure ist «Safety first» – «Sicherheit zuerst» – wie er sagt. Auch wenn die Schwerter der Kinder nur aus Schaumstoff bestehen. Dennoch könne man jemanden damit verletzen, wenn man unkonzentriert sei. Doch diesbezüglich windet der Kampfchoreograf seinen Schülern aus dem Thurgau ein Kränzchen. «Die Kinder sind sehr lernbegierig.» Disziplinprobleme gab es deshalb keine. Jedoch musste er schweren Herzens ein Kind wieder aus der Kampfchoreografie streichen und anders ins Stück einbauen. «Körperspannung, Fokus und Konzentration sind absolute Voraussetzungen, um auf der Bühne kämpfen zu können», sagt Fourure. Natürlich sei das Kind enttäuscht gewesen und habe dies nur schwer verstanden. Ohne Körperspannung könne es aber zu unkontrollierten Bewegungsabläufen und somit auch zu Verletzungen führen. «Safety first», sagt Fourure.

Jean-Loup Fourure Kampfchoreograph aus Berlin.

Jean-Loup Fourure Kampfchoreograph aus Berlin.

Bild: Manuel Nagel

Denn einerseits müssen die Kinder ganz exakt ihre Angriffe auf Kopf, Arm und Bein ausführen, dürfen jedoch dabei ihren Kampfpartner nicht treffen. Dazu mussten sie fünf verschiedene Abfolgen auswendig lernen. Andererseits müssen sie den Kampf für das Publikum glaubwürdig herüberbringen und aus sich herausgehen. Jean-Loup Fourure sagt:

«Diese Kinder hier sind – zum Glück – sehr gut erzogen. Ich musste sie zuerst lehren, auf der Bühne die Sau rauszulassen.»

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