Amriswil
Nach 32 Jahren: «Mister Ortsmuseum» tritt kürzer und gibt das Präsidium ab

Eugen Fahrni ist seit der Gründung des Museums dabei. Am 1. Mai gibt nun der Ehrenbürger der Stadt Amriswil die Leitung an Rolf Hess ab.

Manuel Nagel
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Rolf Hess und Eugen Fahrni in den Räumlichkeiten des Amriswiler Ortsmuseums am Palmensteg.

Rolf Hess und Eugen Fahrni in den Räumlichkeiten des Amriswiler Ortsmuseums am Palmensteg.

Bild: Manuel Nagel

Amriswils Ortsmuseum ohne Eugen Fahrni? Das ist eigentlich undenkbar, denn der Ehrenbürger der Stadt gehört zu den vier Initianten des Museums, das im letzten Monat sein 32-jähriges Bestehen feiern durfte. Und so verlässt «Mister Ortsmuseum» sein Baby auch nicht Knall auf Fall. Er bleibt vorderhand in der städtischen Ortsmuseumskommission, tritt aber deren Präsidium am 1. Mai ab.

Fahrnis Nachfolger als Präsident und Leiter des Ortsmuseums wird der gebürtige Amriswiler Rolf Hess.

«Für Rolf ist das nun eine gute Abwechslung, seit er ja nicht mehr von der Hand in den Mund leben muss.»

Eugen Fahrni sagt es mit einem Lachen und spielt dabei auf Hess’ Beruf an. Dieser war bis zu seiner Pensionierung Kantonszahnarzt und hatte so manche Amriswiler Löcher gefüllt. Nun stellt er sich also zur Verfügung, um das Loch zu füllen, welches Fahrni hinterlässt. Denn auch Rolf Hess ist sich bewusst, dass Eugen Fahrnis Fussstapfen riesig sind.

Doch dieser ist von seinem Nachfolger überzeugt und sagt:

«Ich bin sehr froh, dass Rolf Hess meinen Posten übernimmt.»

Innerhalb der bestehenden Ortsmuseumskommission wollte keines der Mitglieder das Präsidium antreten.

36 Mitglieder waren in all den 32 Jahren mit dabei

«Eugen hat mich schon vor zwei Jahren angefragt», verrät Rolf Hess. Doch er habe nicht einfach zusagen wollen, sondern erstmal sehen, wie das Team des Ortsmuseums funktioniere. Und so trat Hess der Kommission vor einem Jahr bei, um die Aufgaben kennen zu lernen.

«Es sind immer gute Leute dabei gewesen», sagt Eugen Fahrni. Er habe mal nachgezählt und sei in all diesen Jahren auf 36 Mitglieder gekommen. «Ich war ja nie alleine, wir waren immer ein Team», erzählt Fahrni, der 1968 mit 28 Jahren nach Amriswil gekommen ist. Aus dem Glarnerland, wie dessen Dialekt auch nach über einem halben Jahrhundert im Oberthurgau noch immer unmissverständlich verrät.

Zu diesem Team gehören auch die ehemalige Gemeinderätin Vreni Aepli sowie Anneliese Ammann. Aepli macht seit 1999 mit, Ammann auch schon seit 2009, doch am 1. Mai treten die beiden Frauen aus der Kommission zurück. Umso wichtiger ist deshalb, dass Eugen Fahrnis Erfahrung und Wissen dem Ortsmuseum vorerst erhalten bleibt. «Es ist ein guter Übergang», sagt auch Rolf Hess, «denn so kann ich Eugen jederzeit fragen, wenn etwas ist. Aber beide stellen klar, dass in Zukunft Rolf Hess der Ansprechpartner in Sachen Ortsmuseum sein wird.

Der Neue will nicht alles auf den Kopf stellen

Alles auf den Kopf stellen will der neue Präsident nicht, aber er sagt: «Es wird schon auch ein paar Veränderungen geben.» Das sei an den letzten Kommissionssitzungen auch besprochen worden. Hess will etwas mehr Struktur und Verbindlichkeit schaffen, die Einsätze der Teammitglieder früh aufgleisen und weniger nach dem Prinzip «wer gerade Zeit und Lust hat, der macht es». Denn nicht selten ist bislang Eugen Fahrni spontan eingesprungen, wenn eine Anfrage für eine Museumsführung eintraf. «Ich will mir dafür nicht so viel Zeit nehmen. Ich habe auch noch anderes vor», sagt Rolf Hess lachend.

«Alle machen da mit. Die Gruppe ist wirklich ein tolles Team.»

Sechs Freiwillige bilden das Kernteam, und zu diesen kommen auch noch von Amtes wegen Stadträtin Madeleine Rickenbach sowie der Kulturbeauftragte Andreas Müller als Vertreter der Stadt Amriswil hinzu.

«Das Ortsmuseum ist ja nicht als Verein organisiert, sondern es ist eine Kommission der Stadt», erklärt Eugen Fahrni. «Und das Museum gehört auch der Stadt, sie finanziert es auch, bezahlt die Miete der Räumlichkeiten am Palmensteg oder allfällige Ausstellungen», ergänzt Rolf Hess.

Andere Museen besucht und viel von diesen gelernt

Trotz all dieser Kosten ist und bleibt der Eintritt ins Ortsmuseum kostenlos, wie Rolf Hess sagt. Doch bei den Stadtführungen überlege man sich, ob man die aktuelle Praxis ändern solle. «Bis jetzt wussten die Teilnehmenden nie recht, was sie geben sollten. Vielleicht verlangen wir in Zukunft einen kleinen fixen Betrag, der dann der Stadt Amriswil zugutekommt», sagt Hess. Und Eugen Fahrni erzählt:

«Von null bis 500 Franken hatten wir alles gehabt.»

Aber das Team des Ortsmuseums bietet nicht nur selber Führungen an, es besucht auch selber hin und wieder ein Museum. «Wir machen jedes Jahr eine Exkursion», sagt Eugen Fahrni, «waren da aber nicht einfach nur auf dem Bürgenstock oder sonst an einem schönen Ort mittagessen». Man habe auch immer noch etwas angeschaut und sich erkundigt, wie andere Museen das machen. Fahrni gibt auch zu, dass sie gerade zu Beginn «völlige Greenhörner» gewesen seien und so vieles von anderen gelernt hätten.

Am 1. Mai findet also der Wechsel im Präsidium statt und am 2. Mai ist bereits wieder Museumssonntag, an dem auch das Ortsmuseum geöffnet ist. Vorderhand jedoch noch ohne die beliebten Erzählstunden. Diese werden fortgesetzt, sobald wieder mehr Besucher als aktuell zugelassen sind.

www.ortsmuseum-amriswil.ch