AMRISWIL
Jazzpianist Tomas Kaco lässt bei seiner Schweizer Premiere die Töne perlen

Mit einem einzigartigen Mix aus Klassik, Pop, Jazz und Gypsymusik schafft das musikalische Ausnahmetalent aus Tschechien bei seinem Konzert im Kirchgemeindehaus unvergleichliche Tonlandschaften.

Barbara Hettich
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Tomas Kaco bei seinem Auftritt im evangelischen Kirchgemeindehaus.

Tomas Kaco bei seinem Auftritt im evangelischen Kirchgemeindehaus.

Bild: Barbara Hettich (Amriswil, 13. Juni 2021)

Ob Klassik, Volksmusik, Rock oder Pop – Jazzpianist Tomas Kaco hat keine Berührungsängste mit den verschiedensten Genres der Musikgeschichte. Er sitzt auf der Bühne des evangelischen Kirchgemeindehauses in Amriswil, spielt hingebungsvoll eine bekannte Melodie, lässt die Töne aus dem Konzertflügel perlen, setzt eine Begleitmelodie hinzu, entwickelt sie weiter, verändert Rhythmen, beginnt zu swingen und landet schlussendlich temperament- und gefühlvoll in der Gypsymusik. Kaco improvisiert leidenschaftlich und mit einer enormen Ideenvielfalt.

Er spielt «Für Elise» von Ludwig van Beethoven, tritt mit «Für Ludwig» von Kaco in einen musikalischen Dialog. Er interpretiert «Yesterday» von den Beatles und «How Deep Is Your Love» von den Bee Gees und – speziell für die Amriswiler Konzertbesucher – das «Thurgauerlied»: Erst die «nackte» Melodie, dann mit einsetzenden Begleitstimmen und Tempowechseln breitet er einen berauschenden Klangteppich aus, bei dem sich der eine oder andere Konzertbesucher gefragt haben mag, woher der junge Mann nur die vielen Finger dafür her nimmt.

Im Alter von fünf Jahren begonnen

Tomas Kaco ist ein musikalisches Ausnahmetalent. Als vierter von zwölf Geschwistern begann der gebürtige Tscheche mit fünf Jahren selbstständig Klavier zu spielen, lernte sieben Jahre später an der Musikschule Partituren und die verschiedenen Pianotechniken kennen.

Nach seinem Studium am Konservatorium besuchte er das Berklee College in Boston, eine der weltbesten Schulen für zeitgenössische Musik. Kaco konnte sich dort auf seine Roma-Wurzeln zurückbesinnen, dies zeigte sich 2018 anlässlich seines Konzerts «Gypsy Soul» in der New Yorker Carnegie Hall. Tomas Kaco wohnt heute in Los Angeles.

Engagement war keine einfache Sache

Aber wie kommt ein Weltstar ins evangelische Kirchgemeindehaus? «Ich bin auf dem Weg zu einem Konzert in Prag und habe wegen Dagmar gerne einen Zwischenstopp in Amriswil eingelegt», sagt Kaco. Die Amriswiler Organistin Dagmar Grigarova ist eine Studienkollegin und sie engagiert sich auch im Team der Konzertreihe Amriswiler Konzerte.

Präsident Stefan Zöllig sagt: «Wir sind sehr stolz, dass wir mit Tomas Kaco einen ganz besonderen Gast in Amriswil begrüssen durften. Es ist das einzige Konzert, das er dieses Jahr in der Schweiz gibt.»

Es sei gar nicht so einfach gewesen, ihn rechtzeitig herzuholen. In Los Angeles hätten sie ihn erst nicht ins Flugzeug steigen lassen, letztlich habe man ihn in Mailand abholen müssen. Der Aufwand hat sich gelohnt. Die Konzertbesucher bedankten sich für das aussergewöhnliche Musikereignis stehend und mit lang anhaltendem Applaus.