Amriswil-Hefenhofen-Sommeri
Der erste Schlagabtausch ums Amriswiler Schulpräsidium war... «krass»

Die SVP Amriswil lud via Internet zur Vorstellung der Kandidaten fürs Schulpräsidium, verzichtete jedoch auf eine Wahlempfehlung.

Manuel Nagel
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25 der meist über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die die Vorstellung der beiden Kandidaten fürs Amriswiler Schulpräsidium zu Hause am Computer mitverfolgten.

25 der meist über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die die Vorstellung der beiden Kandidaten fürs Amriswiler Schulpräsidium zu Hause am Computer mitverfolgten.

Bild: Manuel Nagel (Screenshot Zoom-Meeting, 14. Januar 2021)

Es ist diesmal ein spezieller Wahlkampf ums Schulpräsidium, dessen sind sich die beiden Kandidaten Andreas Müller und Michael Stäheli-Engel bewusst. Podiumsgespräche, wie sie üblicherweise im Vorfeld abgehalten werden, sind aktuell nicht möglich. Doch in Zeiten von Homeoffice gewöhnt man sich an Alternativen – wie etwa die Videotelefoniesoftware Zoom, die Konferenzen über das Internet möglich macht.

Und dabei kommt es hin und wieder auch zu lustigen Szenen. So auch hier, als die Frau eines Kandidaten das Mikrofon offen lässt und die Tochter fragt, ob sie den Papi hören möchte – und so ihren Mann ungewollt für ein paar Sekunden aus dem Konzept bringt. Oder ganz am Ende der Veranstaltung, als bei dem einen Zuhörer das Mikrofon ebenfalls noch offen ist und er laut «krass» ruft. Was er genau damit gemeint hat, bleibt jedoch unbekannt.

Auf Zoom griff am Donnerstagabend auch die SVP zurück, als sie zur öffentlichen Nominationsversammlung ihrer Schulbehördenmitglieder lud und gleichzeitig auch den beiden Kandidaten Gelegenheit gab, sich vorzustellen und Fragen zu beantworten. Nebst fast zwei Dutzend SVP-Parteimitgliedern loggten sich auch noch rund 30 weitere Interessierte ein, um sich ein Bild von Andreas Müller und Michael Stäheli zu machen.

Severin Gutjahr-Preisig und Renate Koch stellen sich für eine weitere Legislatur in der Schulbehörde zur Wahl.

Severin Gutjahr-Preisig und Renate Koch stellen sich für eine weitere Legislatur in der Schulbehörde zur Wahl.

Bilder: PD

SVP nominiert Renate Koch und Severin Gutjahr-Preisig

Im Anschluss an die Vorstellung und die Fragerunde mit Andreas Müller und Michael Stäheli-Engel nominierten die SVP-Mitglieder auch ihre beiden bisherigen Behördenvertreter mit 20:0 und 19:1 «Eigentlich einstimmig», sagte SVP-Präsident Claude Brunner leicht verwirrt, als die Resultate der Online-Abstimmung eingeblendet wurden, denn bei Renate Koch dürfte sich jemand verdrückt haben. Doch das war nur ein kleiner Schönheitsfehler, der auch gestandenen Bundesparlamentariern hin und wieder passiert. (man)

Beide Kandidaten fürs Schulpräsidium hatten zehn Minuten Zeit, bevor Fragen aus dem virtuellen Plenum gestellt werden konnten. Und es zeigte sich, dass sowohl bei den üblichen Podiumsgesprächen als auch im Internet zuerst meist Schweigen herrscht und irgendjemand das Eis brechen muss. Als «Mister Amriswil on Ice» war Karl Spiess natürlich prädestiniert dazu. Er wollte von beiden Kandidaten wissen, wie sie über den Steuerfuss denken, der zwei Prozent über der Empfehlung des Kantons liege.

Andreas Müller, Kulturbeauftragter der Stadt Amriswil, und Michael Stäheli-Engel, Schulevaluator beim Amt für Volksschule, wollen Präsident der Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri werden. Am 7. März wird der Nachfolger von Christoph Kohler gewählt.

Andreas Müller, Kulturbeauftragter der Stadt Amriswil, und Michael Stäheli-Engel, Schulevaluator beim Amt für Volksschule, wollen Präsident der Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri werden. Am 7. März wird der Nachfolger von Christoph Kohler gewählt.

Bilder: Donato Caspari und Manuel Nagel

Charmanter Konter auf die erste Frage

Eine happige Frage gleich zu Beginn, bei der man schon die ersten Wählerinnen und Wähler verlieren könnte – besonders aus der SVP. Dementsprechend diplomatisch äusserte sich zuerst Andreas Müller: Die Frage sei ja schon an der Budgetversammlung am 30. November gestellt worden. «Ich fand auch, man müsste das genau anschauen», sagte Müller.

«Ich denke auch, dass dies sicher eine Chance ist, dass man das nächstes Jahr nochmals anschaut, ob dann eine Senkung des Steuerfusses möglich ist.»

Doch es sei ja ein Entscheid der Schulbehörde gewesen, die sich Überlegungen dazu gemacht habe. Diese Gründe müsste man kennen, sagte Andreas Müller.

Bei Michael Stäheli-Engel tönte es ähnlich zurückhaltend. Doch Stäheli, der als Schulevaluator beim Amt für Volksschule tätig ist, spielte den Ball von Karl Spiess charmant und geschickt zurück: Es sei eine spannende Frage bezüglich Steuerfuss, antwortete er dem Fragenden, um dann die Bemerkung nachzuschieben:

Michael Stäheli-Engel

Michael Stäheli-Engel

Bild: Manuel Nagel
«Die SVP hat ja mit Severin Gutjahr-Preisig als Präsident der Finanzkommission einen sehr guten Vertreter in der Schulbehörde. Dieser schaut sicher gut darauf, dass die Mittel und der Fiskalertrag sinnvoll eingesetzt werden.»

Stäheli mutmasste, dass sowohl das Projekt Best, die unsichere Entwicklung der Steuererträge sowie die anstehenden Investitionen dazu geführt hätten, dass die Behörde einen eher defensiven Kurs gefahren sei und den Steuerfuss nicht habe senken wollen.

«Wenn sonst niemand eine Frage hat, komme ich schon noch einmal.»

Das sagte Karl Spiess, als es nach seinem ersten Frageblock still blieb. So unterhielt Spiess die bis zu 55 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Onlinediskussion während der ersten 20 Minuten quasi im Alleingang.

Doch auch SVP-Präsident Claude Brunner, der die Veranstaltung moderierte, war auf nicht ganz so aktive Teilnehmer vorbereitet und sprang mit der nächsten Frage in die Bresche:

«Die Schuleinheiten funktionieren ja unter den Schulleitungen sehr gut. Braucht es da noch einen Schulpräsidenten, der zu 100 Prozent angestellt ist?»

Ihm sei gerade das Interview mit dem amtierenden Schulpräsidenten in der «Thurgauer Zeitung» vom 6. November in den Sinn gekommen, sagte Andreas Müller. Christoph Kohler habe darin ja die Frage aufgeworfen, ob es noch einen «Chefchef» brauche, der sich auch ins operative Geschäft einmischt, oder ob sich der VSG-Präsident vor allem auf die strategische Ausrichtung konzentrieren solle und dabei 50 Prozent reichten. Auch diese Frage von Brunner hatte es in sich, denn die beiden Kandidaten stellen sich ja für ein 100-Prozent-Pensum zur Wahl.

«Es könnte einen Zufallsentscheid geben»

Andreas Müller

Andreas Müller

Bild: Donato Caspari

«Für mich ist ganz klar, dass es da noch jemanden braucht», sagte Andreas Müller.

«Die Schulleiter machen das ganz sicher gut, aber sie brauchen eine Ansprechperson. Ein Austausch ist wichtig.»

Und er sei überzeugt, so Müller, dass man strategisch nicht gut arbeiten könne, wenn man nicht auch operativ mitarbeite. Er sehe das in der Kultur. Da laufe das ähnlich.

Michael Stäheli-Engel sagte zur Pensenfrage, dass es beim Aufbau der Volksschulgemeinde (VSG) sicher wichtig gewesen sei, dass der Präsident ein solches Pensum hatte. Wie es jetzt ausschaue, könne er zu wenig beurteilen. Er könne sich aber durchaus vorstellen, dass nach 20 Jahren VSG die Strukturen und somit auch das Pensum des Präsidiums überdacht werden könnten.

Am Ende beschlossen die SVP-Mitglieder mit fast zwei Dritteln, für keinen der Kandidaten eine Wahlempfehlung abzugeben. Sie folgten damit einem Antrag von Karl Spiess für eine Stimmfreigabe. «Es könnte einen Zufallsentscheid geben, ohne dass wir genügend Fakten über die Kandidaten kennen», begründete Spiess den Antrag.