Amriswil
Auch wenn Comedian Kiko nun in Zürich wohnt: Für feine Erdbeeren kehrt er regelmässig in den Oberthurgau zurück

Comedian Kiko, in Hefenhofen und Amriswil aufgewachsen, hatte am Freitagabend ein Heimspiel im ausverkauften Kulturforum Amriswil.

Manuel Nagel
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Kiko, der eigentlich Frank Cabrera Hernandez heisst, auf der Bühne des Kulturforums Amriswil.

Kiko, der eigentlich Frank Cabrera Hernandez heisst, auf der Bühne des Kulturforums Amriswil.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 7. Mai 2021)

Mittlerweile wohnt er ein Zürich, wie es sich für einen Mann aus dem Showbusiness gehört. Und im Herbst 2018 wurde ihm dort auch an den Swiss Comedy Awards auch der Titel «Newcomer des Jahres» verliehen. Ganz neu ist für Kiko das Scheinwerferlicht also nicht mehr – zumal der mittlerweile 35-Jährige schon zuvor mit seinem Bruder Boris als Rapduo «Kiko&Boro» auftrat. Und dennoch dürfte der Comedian am Freitagabend im Kulturforum etwas nervöser als sonst vor einem Auftritt gewesen sein.

In der ersten Reihe sass ein Klassenkamerad von Kiko, der mit ihm das Schulhaus Oberfeld besuchte.

In der ersten Reihe sass ein Klassenkamerad von Kiko, der mit ihm das Schulhaus Oberfeld besuchte.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 7. Mai 2021)

Denn für Kiko, dessen bürgerlicher Name Frank Cabrera Hernandez ist, war es ein Heimkommen. Denn vor 30 Jahren zog seine Mutter mit der Tochter und den drei Söhnen von der Dominikanischen Republik ins beschauliche Hefenhofen. Für den damals fünfjährigen Kiko ein Kulturschock. Davon und von seinen Erfahrungen als dunkelhäutiges Kind in der tiefsten Thurgauer Provinz erzählt der Comedian nun genüsslich in seinem Programm. Stets mit einer gehörigen Portion Selbstironie, auch wenn das Thema Alltagsrassismus ein ernstes ist. Doch wenn Kiko erzählt, dass man am Drei-Königs-Tag habe Gesichtsfarbe sparen können, weil er und seine beiden Brüder mit je einer Gruppe mitgelaufen seien, dann lacht das Publikum, auch wenn Blackfacing heute nicht mehr salonfähig ist.

Kiko ist in Hefenhofen und Amriswil aufgewachsen.

Kiko ist in Hefenhofen und Amriswil aufgewachsen.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 7. Mai 2021)

Doch Kiko machte auch klar, dass er das Leben auf dem Land geliebt habe. «In Hatswil hat jeder jeden gekannt», sagte er und erzählte von seiner Nachbarin Frau Rutishauser. Sie habe seinen Rhythmus gekannt und ihn einst gefragt, ob er was Falsches gegessen habe, als er – statt wie sonst üblich einmal – das WC-Fenster zweimal gekippt hatte. Ob es Frau Rutishauser wirklich gab? Man glaubte es Kiko jedenfalls auf der Stelle.

Jeden Monat zwei- bis dreimal hier in der Gegend

Überhaupt fühlte man sich als Amriswiler wohl wie sonst bei keinem Künstler zuvor mittendrin im Programm statt nur dabei, wenn Kiko von den Schulhäusern Sonnenberg, Oberfeld und Mühlebach erzählte, wo er überall zur Schule ging. Ein Klassenkamerad aus der Zeit im Oberfeld sass in der ersten Reihe und verriet nach der Vorstellung, dass Kiko schon damals ein Spassvogel war. Auch für den Comedian war der Auftritt vor Bekannten speziell und anders, als wenn er sonst irgendwo in der Schweiz auf der Bühne steht. Kiko sagte nach seinem Auftritt:

Kiko im Kulturforum Amriswil.

Kiko im Kulturforum Amriswil.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 7. Mai 2021)
«Hier muss ich niemandem im Publikum erklären, wo Chatzerüti liegt.»

Und auch wenn er vom Oberthurgau via St.Gallen nun in der grössten Schweizer Stadt gelandet ist, so sei er doch jeden Monat zwei-, dreimal hier in der Gegend, da die Schwester noch in Romanshorn und Bruder Boris – auch er sass am Freitag im Publikum – in St.Gallen wohne. Früher sei er sogar ab und zu nur wegen eines Kebabs nach Amriswil gefahren, doch seit der Besitzer gewechselt habe nicht mehr. Einen Abstecher hierher mache er aber immer noch für feine Erdbeeren, die er jeweils in Steinebrunn hole, verrät Kiko.