Amriswil fehlt noch ein Gastronom, um eine «Fair Trade Town» zu werden

Amriswil soll im August zur ersten «Fair Trade Town» im Kanton Thurgau gekürt werden. Dazu braucht es aber noch Überzeugungsarbeit.

Manuel Nagel
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Jennifer Baldissera, Giampiero Amato und Stadträtin Sandra Reinhart wollen Amriswil zum Label «Fair Trade Town» verhelfen.

Jennifer Baldissera, Giampiero Amato und Stadträtin Sandra Reinhart wollen Amriswil zum Label «Fair Trade Town» verhelfen.

(Bild: PD)

Amriswil tickt anders. Zumindest in diesem Fall, in dem sich die Stadt um die Auszeichnung einer «Fair Trade Town» bemüht. Das sind Gemeinden, die sich besonders für fairen Handel engagieren. Schweizweit haben bislang erst zehn Gemeinden und Städte dieses Label verliehen bekommen. Die Stadt Amriswil ist eine von aktuell elf weiteren Bewerberinnen.

10 Fair Trade Gemeinden

Aktuell sind Bellinzona (TI), Bern (BE), Burgdorf (BE), Capriasca (TI), Carouge (GE), Freiburg (FR), Frutigen (BE), Glarus Nord (GL), Gossau (SG) und Zweisimmen (BE) Fair Trade Städte oder Gemeinden. Nebst den Ostschweizer Städten Amriswil und Wil (SG)bewerben sich im Moment neun weitere Gemeinden um das Label «Fair Trade Town». (man)

«Die meisten dieser ‹Fair Trade Towns› sind auf Initiative der jeweiligen Gemeinden entstanden.»

Das sagt Sandra Reinhart. Die Stadträtin vertritt die Interessen der lokalen Arbeitsgruppe in der Amriswiler Exekutive. «In Amriswil ist es gerade anders herum», sagt Reinhart, die Mitte März für die Grünen auch in den Kantonsrat gewählt wurde. Eine Gruppe aus acht Personen habe sich zusammengeschlossen und das Projekt aufgegleist. Dies habe den Stadtrat dann dazu bewogen, mitzuziehen und das Vorhaben der Gruppe finanziell zu unterstützen.

Unterstützung der Stadt verleiht Anliegen Gewicht

Doch was bringt Amriswil überhaupt eine solche Auszeichnung? «Es hilft uns, die Bevölkerung auf das Thema Nachhaltigkeit aufmerksam zu machen», sagt Jennifer Baldissera, die ebenfalls in der Arbeitsgruppe dabei ist. Und dass sie von der Stadt unterstützt würden, verleihe dem Anliegen noch mehr Gewicht, sagt Baldissera.

Die Bevölkerung soll – sofern es die aktuellen Umstände erlauben – am 22. August mit ins Boot geholt werden. Dann soll im Villagarten neben dem Kulturforum ein Nachhaltigkeitsanlass stattfinden, wo in marktähnlicher Atmosphäre über Klima, Ökologie und Ernährung informiert wird. Dabei soll es auch Verpflegungsstände und Musikdarbietungen geben.

Arbeitsgruppenmitglied Giampiero Amato ist guter Dinge, dass nicht nur interessierte «Ultra-Ökofreaks» den Anlass besuchen, sondern dass eine breite Öffentlichkeit zur Veranstaltung kommen wird.

Gastronomen teilweise an Lieferanten gebunden

Will Amriswil bis im August die begehrte Auszeichnung «Fair Trade Town» erhalten, muss die Arbeitsgruppe noch Überzeugungsarbeit leisten. Giampiero Amato sagt:

«Wir brauchen noch einen Gastronomen.»

Jennifer Baldissera verrät, dass bislang erst das Schloss Hagenwil und das Bistro Cartonage bei der Initiative mitmachen. «Ich denke aber, dass andere nachziehen werden, weil die Auszeichnung auch eine gute Plattform bietet», sagt Baldissera. Doch ein Gastrounternehmer müsse auch erst einen Händler finden, der ihm die gewünschten Produkte aus fairem Handel liefere. Viele Restaurants und Cafés seien noch an Lieferanten gebunden, «aber steter Tropfen höhlt den Stein», sagt Giampiero Amato.

Hinweis
Am 22. August soll im Villagarten (oder bei Schlechtwetter im Kulturforum) ein Nachhaltigkeitsanlass mit der Auszeichnung zur «Fair Trade Town» stattfinden.