Amriswil
«Es ist eine dankbare Aufgabe», sagt Nicole Germann, die für Senioren Essen verteilt - doch diese Hilfe ist in Gefahr

Der Mahlzeitendienst Amriswil liefert auch während der Coronakrise Speisen aus. Dafür braucht es aber neue Fahrer.

Alessa Sprinz
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Nicole Germann-Schädler in ihrem Auto.

Nicole Germann-Schädler in ihrem Auto.

Bild: Donato Caspari

Nicole Germann-Schädler, Sie leiten den Mahlzeitendienst Amriswil. Welche Probleme haben sich Ihnen in der Coronakrise gestellt?

Das grösste Problem ist die Rekrutierung von Freiwilligen. Wobei das nicht abhängig von der aktuellen Lage ist. Das kannten wir vorher schon. Ich denke, das ist eine Herausforderung, mit der man bei Freiwilligenarbeit oft konfrontiert ist.

Haben Sie die Coronasolidarität zu spüren bekommen?

Wir hatten einige Helfer, die während der ersten Welle für uns gefahren sind, weil sie selbst nicht arbeiten konnten. Aber sobald das wieder möglich war, sind sie natürlich abgesprungen, weil sie keine Zeit mehr hatten.

Wer steckt hinter den Mahlzeiten?

Die Administration und die Aufnahme der Menschen, die wir beliefern, laufen über das Sekretariat des Alters- und Pflegezentrum Amriswil (APZ). Die Mahlzeiten werden ebenfalls in der Küche des APZ zubereitet. Sie sind sehr professionell aufgestellt. Wir vom Gemeinnützigen Frauenverein verteilen dann das Essen.

Ein Auto wird mit den Mahlzeiten beladen.

Ein Auto wird mit den Mahlzeiten beladen.

Donato Caspari

Wer nimmt den Dienst in Anspruch?

Es gibt Auflagen. Nur Pensionierte können den Dienst in Anspruch nehmen. Wir beliefern aber auch Jüngere, wenn sie krank oder verunfallt sind. Geliefert wird in Amriswil und Umgebung, also auch in Hefenhofen und Sommeri. Unserer Fahrer sind jeweils zwischen 8.30 und 10.30 Uhr unterwegs.

Wie geht es weiter?

Den Mahlzeitendienst hat der Frauenverein aufgezogen. Darum möchten wir dieses Angebot weiterführen und unterstützen. Ich habe jeden Tag zwei Freiwillige, welche die Boxen verteilen. Die meisten fahren wöchentlich. Wir liefern sieben Tage an die Menschen und für uns stehen ungefähr 18 Fahrer im Einsatz. Viele von ihnen sind jedoch älter und wir müssen immer damit rechnen, dass sie ausfallen könnten. Irgendwann werden wir zu wenig Fahrer haben, weil die Jungen nicht nachkommen.

Freiwillige gesucht

Der Frauenverein sucht Fahrerinnen oder Fahrer, die ein eigenes Auto zur Verfügung haben. Interessierte informieren sich unter 071 411 08 90 oder auf der Website www.tgf-frauenverein.ch.

Bereit zur Abfahrt: Die Leiterin des Mahlzeitendienstes Amriswil.

Bereit zur Abfahrt: Die Leiterin des Mahlzeitendienstes Amriswil.

Donato Caspari

Was ist das Besondere an diesem Job?

Es ist eine schöne und dankbare Aufgabe. Die Bezüger schätzen es sehr, wenn man ihnen das Essen bringt. Wir Jungen sollten auch in die Zukunft schauen. In 40 Jahren sind wir vielleicht auch froh, wenn uns jemand das Essen nach Hause bringt und wir deswegen noch zu Hause wohnen dürfen. Dieser emotionale Lohn kann manchmal wertvoller sein als Geld.