Amriswil
Bahnhofplatz als grüne urbane Idylle

Das Gebiet südlich des Bahnhofs Amriswil soll attraktiver und sicherer werden. Die Stadt hat nun entschieden, wer den Raum gestalten darf.

Manuel Nagel
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So könnte der Amriswiler Bahnhofplatz in Zukunft aussehen. Noch sind nicht alle Details geklärt.

So könnte der Amriswiler Bahnhofplatz in Zukunft aussehen. Noch sind nicht alle Details geklärt.

Bild: Studio Vulkan Landschaftsarchitektur

Für Bahnreisende ist der Bahnhofplatz der erste Eindruck von Amriswil. Doch «der Platz mit dem Busbahnhof macht so keine wirkliche Falle», sagt Gabriel Macedo zum aktuellen Zustand. Man fühle sich nicht sofort wohl, wenn man mit dem öffentlichen Verkehr in Amriswil ankomme, meint der Stadtpräsident. Doch das soll sich bis in drei, vier Jahren ändern.

Der Bahnhofplatz beschäftigte schon Macedos Vorgänger. Die «Visitenkarte der Stadt» ist seit mehreren Jahren bereits Thema im Stadthaus. Damit ist nicht nur der Bahnhofplatz gemeint, sondern auch die Häuserzeilen entlang der östlichen Poststrasse zwischen Kirch- und Bahnhofstrasse. Beim Areal zwischen Hotel Bahnhof und Rennweg sind die Planungen schon fortgeschritten.

Investor führt Architekturwettbewerb durch

Auf dem Areal zwischen Rennweg und Bahnhofstrasse könnte sich schon bald etwas tun. Die Stadt erwarb zwar die Liegenschaften «Hotel Bahnhof» und «alte Post» schon vor einigen Jahren – jedoch tat sie das nur aus strategischen Gründen, um in Zukunft eine Gesamtlösung zu ermöglichen.
Diese rückt nun näher, denn der private Investor, der die übrigen Liegenschaften dort besitzt, führt einen Architekturwettbewerb durch, um das Gebiet zu entwickeln. Bauverwalter Manfred Wagner weiss auch noch nicht, wer sich in dieser Überbauung einmieten wird, doch er könne sich von Ladengeschäften und Büroräumlichkeiten über Gesundheitszentren bis hin zu Ateliers alles vorstellen. In den oberen Etagen dürfte es vor allem Wohnraum geben, vielleicht auch für ältere Menschen. (man)

Es stellt sich jedoch nicht nur die Frage der Schönheit an diesem für Amriswil zentralen Platz. Beim Bahnhof laufen die Fäden des regionalen öffentlichen Verkehrs zusammen, er ist der Knotenpunkt für die orangen Busse der Autokurse Oberthurgau. Sicher ist: Der ÖV wird in Zukunft nicht weniger werden.

Fussgänger, Velofahrer, Autos und Busse zusammen

Und nicht zuletzt spielt der Sicherheitsaspekt eine wichtige Rolle, denn rund um den Bahnhof sind Fussgänger und Velofahrer unterwegs, und die Poststrasse mit dem einmündenden Rennweg wird auch von Autolenkern und Buschauffeuren rege befahren.

Um die Interessen all dieser Verkehrsteilnehmer unter einen Hut bringen zu können, entschied sich die Stadt, ein Planerwahlverfahren mit Studienaufträgen auszuschreiben. Für diese anspruchsvolle Aufgabe habe man Teams mit einem Landschaftsplaner, einem Architekten, einem Verkehrsplaner und einem Bauingenieur gesucht, sagt Manfred Wagner, Bauverwalter der Stadt Amriswil. Und er verrät, dass unter den zehn Bewerberteams fast ausnahmslos Büros mit renommierten Namen zu finden sind, die zum Teil ganz unterschiedliche Lösungsansätze präsentiert haben. Zum Sieger kürte eine Jury schliesslich das Studio Vulkan aus Zürich mit dessen drei Partnern.

Der Bahnhofareal soll künftig von Westen nach Osten in drei Teile gegliedert sein: Bushof, Bahnhofplatz und Parkplatz für Velos und Autos.

Der Bahnhofareal soll künftig von Westen nach Osten in drei Teile gegliedert sein: Bushof, Bahnhofplatz und Parkplatz für Velos und Autos.

Bild: Studio Vulkan Landschaftsarchitektur

Brunnengeplätscher im Schatten der Bäume

Überzeugen konnte das Quartett mit der Neustrukturierung des gesamten Bahnhofplatzes sowie einer cleveren Konzeption des Bushofes, der im westlichen Teil zu liegen kommen wird. In der Mitte, zwischen Bahnhofsgebäude und Rennweg, entsteht ein grosszügiger Platz mit Bäumen und einem Brunnen, der zum Verweilen einladen soll.

Im östlichen Teil sind die Kurzzeitparkplätze für Autos und Taxis sowie die Velounterstände vorgesehen. Für Autos wird es südlich der Gleise weniger Platz haben: von aktuell 33 künftig nur noch die Hälfte. Dafür soll es für Velos nicht nur deutlich mehr, sondern auch sicherere Einstellmöglichkeiten geben. Manfred Wagner sagt:

«Gerade für wertvolle E-Bikes suchen wir nach Lösungen wie etwa abschliessbare Boxen.»

Biete man eine solche Infrastruktur, dann kämen die Pendler auch vermehrt mit ihrem Velo zum Bahnhof und wären auch bereit, dafür einen kleinen Betrag zu bezahlen, sagt der Bauverwalter.

Von der Einmündung der Kirchstrasse in die Poststrasse her gesehen: Der Bushof liegt künftig im Westen des Bahnhofareals.

Von der Einmündung der Kirchstrasse in die Poststrasse her gesehen: Der Bushof liegt künftig im Westen des Bahnhofareals.

Bild: Studio Vulkan Landschaftsarchitektur

Abstimmung im nächsten Jahr

Am 10. Februar kommt die Stadt mit dem Siegerteam zusammen, um Verbesserungen und Wünsche zu besprechen, sodass aus der Studie ein abstimmungsreifes Projekt ausgearbeitet werden kann. Gerade bei der Ausfahrt der Fahrzeuge aus dem Bushof sei die Sicht für die Chauffeure noch nicht optimal, sagt Manfred Wagner. Der Bauverwalter geht davon aus, dass die Vorlage 2022 vors Stimmvolk kommt.

«Wir wollen nicht hetzen!»

sagt Wagner, auch wenn man durch Corona etwas Zeit eingebüsst habe. Gebaut werden soll der neue Bahnhofplatz während rund zweier Jahre und soll dann 2024 oder 2025 fertiggestellt sein.

Zu den Kosten kann Wagner in diesem Stadium noch nicht viel sagen. Fest steht aber, dass Amriswil vom Aggloprogramm St. Gallen-Bodensee einen siebenstelligen Betrag als Unterstützung erhalten wird.