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Amateur im Rampenlicht: Proben für Steinacher Freiluft-Theater sind im Gang

Die Gemeinde feiert ihr Jubiläum mit einem aufwendigen Theaterstück. Für den Hobbyschauspieler Andreas Lutz geht damit ein Traum in Erfüllung. Gegen Lampenfieber hat er sich schon hypnotisieren lassen.
Jolanda Riedener
Trauerweide, Gredhaus und Ufer bieten ideale Voraussetzungen für das Freilichttheater. «Die Zuschauer haben freien Blick auf den See und die Abendstimmung», sagt Andreas Lutz. (Bild: Jolanda Riedener)

Trauerweide, Gredhaus und Ufer bieten ideale Voraussetzungen für das Freilichttheater. «Die Zuschauer haben freien Blick auf den See und die Abendstimmung», sagt Andreas Lutz. (Bild: Jolanda Riedener)

Den Moment, wenn Andreas Lutz die Theaterbühne betritt, vergleicht er damit, eine Türklinke in die Hand zu nehmen, sie nach unten zu drücken und im nächsten Schritt mit der Rolle zu verschmelzen. «Man soll sich nicht vorstellen, eine Figur spielen zu wollen, sondern die Rolle leben», sagt der 52-Jährige mit wachem Blick. Seit 25 Jahren steht der Steinacher auf der Bühne.

Nicht nur als Schauspieler. In einem Kabarettprogramm wirkte er mit, auch Unterhaltungsabende moderierte er. Im Theater- und Kulturverein Steinach ist er ebenfalls schon viele Jahre engagiert, aktuell führt er bei eigenen Inszenierungen vor allem Regie.

Dass er als Amateur beim Theater anlässlich des Gemeindejubiläums (siehe Box) mitwirken darf, freut ihn besonders. Für das Freilicht-Musiktheater «Wasserland – ein Sommernachtstraum» wird eigens eine Bühne gebaut, worauf Drehelemente, Steg und sogar ein Hafenkran geplant sind.

«Ein kleines Bregenz», sagt Lutz mit verschmitztem Lächeln. Ort des Geschehens ist das Seeufer beim Steinacher Gredhaus, wo auch die Trauerweide Teil der Kulisse wird. Andreas Lutz verbindet mit diesem Ort ganz besondere Erinnerungen:

«Als ich Kind war, spielten wir oft hier. Es war schon immer ein mystischer Ort.»

Die Geschichte dahinter werde ihm hingegen erst jetzt richtig bewusst. Auch wenn das Stück im Mittelalter spielt, soll es keine Geschichtsstunde werden. Vielmehr soll es die Zuschauer unterhalten, Hühnerhaut erzeugen und vielleicht auch ein paar Tränen kullern lassen.

Die Trauerweide am Steinacher Seeufer wird ins Theaterstück integriert. (Bild: Jolanda Riedener)

Die Trauerweide am Steinacher Seeufer wird ins Theaterstück integriert. (Bild: Jolanda Riedener)

Steinacher wirkt auf und hinter der Bühne

Regie im Stück «Wasserland» führt Oliver Kühn. Mit historischen Stücken hat er Erfahrung, aber auch mit Ad-hoc-Ensembles und Laienschauspieler.

In der Steinacher Produktion wirken 14 Laien mit, viele von ihnen kommen aus Steinach oder der näheren Umgebung. Ergänzt wird das Ensemble durch fünf Profis, Statisten sowie einem Teil der Akrobatikgruppe des Steinacher Turnvereins. Andreas Lutz spielt einen Tenor. In der Rolle hat er auch einen Gesangsauftritt.

Der kurze Bühnenauftritt räumt ihm Zeit ein, um im Hintergrund zu wirken, als Regie-Assistent von Oliver Kühn. «Das ist für mich eine super Erfahrung», sagt er. Von ihm könne er viel lernen. Die Herangehensweise an die Proben sei eine ganz andere, als er sich gewohnt sei. Lutz sagt:

«Die Arbeit mit den Profis ist extrem bereichernd fürs ganze Team. Es ist eine Horizonterweiterung.»

Die Motivation sei deshalb bei den Beteiligten riesig. Aktuell finden die Proben einmal pro Woche statt. Seit Oktober sind die Laien bereits am Werk. Über Pfingsten und Auffahrt stehen zusätzliche Probeblöcke an, ebenso in der ersten Schulferienwoche im Juli. Lutz sagt:

«Die Sommerferien fallen dieses Jahr aus.»

Dennoch freue er sich auf die bevorstehende Zeit und vor allem auf den ersten Applaus an der Premiere im August. Um die Choreografie kümmern sich Tobias Spori und Ann Katrin Cooper. «Sie verleihen dem Stück Dynamik.» Zum Beispiel dem Abgang der Schauspieler nach einer Szene werde besondere Beachtung geschenkt.

Lampenfieber gehört zur Schauspielerei

«Die Arbeit am Stück geht noch einen Schritt weiter, als wir Laien es uns gewohnt sind», sagt Lutz. Deshalb ist er sich sicher, dass «Wasserland» ein besonderesErlebnis werde. Er habe sich im Vorfeld stark mit dem Mittelalter und der Geschichte befasst, um sich in seine Rolle hineinzuversetzen.

Andreas Lutz steht eine anstrengende und spannende Zeit bevor. (Bild: Jolanda Riedener)

Andreas Lutz steht eine anstrengende und spannende Zeit bevor. (Bild: Jolanda Riedener)

Neben den Schauspielern wirken auch im Liveorchester Laienmusiker mit. Ein gewisses Niveau werde von den Musikern dennoch vorausgesetzt. Das Orchester war allerdings bei der Suche nach Musikern etwas weniger erfolgreich. «Neben Zeit braucht es sicher auch Überwindung, sich zu melden», sagt Lutz.

Lampenfieber gehöre aber dazu. Bei der Schauspielerei müsse man sich blossstellen können. «Es muss uns egal sein, was die anderen denken.» In seinen Anfängen habe er einmal wahnsinnig Angst davor gehabt, den Text für eine grosse Rolle zu vergessen. Er habe darauf einen Hypnotiseur aufgesucht. Lutz sagt:

«Es hat funktioniert. Ob es an der Hypnose lag, weiss ich aber nicht.»

Mit den Jahren und vor allem mit viel Training, verliere man die Angst. Dabei helfe auch die Arbeit mit den Profis. Für den Steinacher stellt die Schauspielerei einen Ausgleich zum Arbeitsalltag dar.

«Ich bin ein atypischer Chef.» Seine Erfahrungen als Theaterregisseur würden auch den Umgang mit den Mitarbeitern bereichern, ist der Abteilungsleiter bei der Goldacher Firma Amcor überzeugt.

«Wasserland» – ein Festspiel unter freiem Himmel

Zum 1250-Jahr-Jubiläum produziert die Gemeinde Steinach ein musikalisches Festspiel. «Wasserland – ein Sommernachts-Sturm» spielt im Mittelalter. Die Geschichte um das damals strategisch wichtige Steinach wollen die Macher unterhaltsam erzählen. Der kürzeste Landweg vom Bodensee nach St. Gallen führte im Mittelalter über den Steinacher Hafen, der eine zentrale Rolle im Stück spielt. Neben dem Bau des Klosters Mariaberg in Rorschach kommen auch Fabelwesen und Wassergeister vor. Am 8. August ist Premiere auf dem Areal beim Gredhaus. Bis am 7. September finden 14 Aufführungen statt. Die Tribüne ist gedeckt, deshalb finden die Vorführungen grundsätzlich bei jedem Wetter statt. Im Falle von Sturm oder Überschwemmung gibt es Ersatzdaten. Tickets sind bei Tourismusinformationen in der Region oder online erhältlich: www.wasserland-2019.ch

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