Am Samstag steigt Volley Amriswil ins Playoff – die Frage ist nur: gegen wen?

Die Posse um Platz acht beeinträchtigt die Playoff-Vorbereitung von Volley Amriswil. Zwei Tage vor dem Beginn der Viertelfinals am Samstag im Tellenfeld wusste der NLA-Qualifikationssieger noch immer nicht, wer ihm gegenüberstehen wird.

Matthias Hafen
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Die Amriswiler (blau, im Spiel gegen Lutry) steigen als grosse Titelfavoriten ins diesjährige Playoff.

Die Amriswiler (blau, im Spiel gegen Lutry) steigen als grosse Titelfavoriten ins diesjährige Playoff.

Bild: Mario Gaccioli (4. Januar 2020)

Eigentlich hätte sich Volley Amriswil diese Woche auf seinen Playoff-Gegner vorbereiten wollen. Videostudium, Taktik anpassen, die Schwächen des Kontrahenten aufdecken. Alles, was heutzutage zu einer Matchvorbereitung dazugehört. Doch zwei Tage vor dem Viertelfinal-Auftakt am Samstag um 17 Uhr im heimischen Tellenfeld, stand Amriswils Gegner noch immer nicht fest.

Der Grund: Im Kampf um Platz acht herrscht Chaos. Das achtplatzierte Lutry-Lavaux wurde vor einer Woche aufgrund eines angeblich nicht korrekt lizenzierten Spielers mit einer Forfaitniederlage gegen Traktor Basel sanktioniert. Aufgrund derer rückten die Basler auf Platz acht vor, Lutry auf Rang neun ab. Doch am Donnerstagabend war noch immer ein Rekurs der Romands hängig.

Für die Spieler beginnt die Saison erst jetzt so richtig

Amriswils Trainer Marko Klok versucht, die Contenance zu bewahren. «Es stört mich schon, dass wir unseren Gegner noch nicht kennen», sagt der Holländer leicht angesäuert. «Stress habe ich deswegen nicht, aber so ist einfach keine professionelle Playoff-Vorbereitung mehr gewährleistet.» Während sich der nationale Verband Swiss Volley mit dem Entscheid weiter Zeit lässt, macht sich in Amriswils Kader unnötig Unruhe breit. «Es spielt uns keine Rolle, gegen wen wir im Viertelfinal antreten müssen», sagt der russische Aussenangreifer Bogdan Olefir.

«Im Playoff hast du als Favorit ohnehin keine einfachen Spiele mehr. Genau deshalb würden wir uns gerne darauf vorbereiten.»

Olefir gehörte bereits zu Amriswils Meisterteam von 2016. Nun, in seiner Rückkehr-Saison, brennt er auf das Playoff. «Die Qualifikation ist primär für die Zuschauer und Sponsoren. Für uns Spieler beginnt die Saison erst jetzt.»

Auch der österreichische Topskorer Thomas Zass betrachtet das Playoff als Höhepunkt. «Wir haben uns in der Qualifikation eine gute Basis geschaffen und das Heimrecht für alle Serien erkämpft.» Das Vertrauen ins eigene Team ist gross. Zass sagt:

«Wir haben mehr individuelle Klasse als in der vergangenen Saison.»

Zass fügt aber an, dass das Team noch nicht immer wie gewünscht harmoniere. Er weiss um die hohen Erwartungen in Amriswil. «Man verlangt von uns, dass wir den Viertelfinal in drei Partien zu unseren Gunsten entscheiden.»

Im Halbfinal könnte es zu einem Knüller kommen

Tatsächlich sollte der Tabellenachte keine grosse Hürde darstellen für den souveränen Qualifikationssieger aus dem Thurgau. Entsprechend blicken die Spieler schon ein bisschen weiter voraus. Amriswils Schweizer Nationalspieler Jovan Djokic prophezeit:

«Der grösste Brocken auf dem Weg zum Titelgewinn wird Chênois oder Lausanne werden.»

Die beiden Westschweizer Teams stehen sich in einer weiteren Viertelfinalserie direkt gegenüber – Chênois als Vierter, Lausanne als Fünfter. Geht alles nach Plan, wartet dieser Brocken schon im Halbfinal auf Volley Amriswil.

Volley Amriswil begibt sich auf eine Gratwanderung

Wenn am Samstag die neue NLA-Saison im Volleyball angepfiffen wird, gehören die Thurgauer erneut zu den Topfavoriten auf den Meistertitel. Das Team von Trainer Marko Klok ist gespickt mit ausländischen Topspielern. Sie stehen den Schweizern teils vor der Sonne, machen diese aber auch stärker.
Matthias Hafen