Altlast ist vom Tisch: Romanshorner befürworten mit 80 Prozent Ja-Stimmen die Aufhebung der städtischen Pensionskasse

Dem Anschluss an die Pensionskasse Thurgau aufs neue Jahr hin steht nichts mehr im Wege. Die Abstimmung vom Sonntag ist das letzte und sehr teure Kapitel einer langen Leidensgeschichte.

Markus Schoch
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Stadthaus in Romanshorn: Die Altersvorsorge der städtischen Angestellten steht künftig auf solideren Beinen..

Stadthaus in Romanshorn: Die Altersvorsorge der städtischen Angestellten steht künftig auf solideren Beinen..

Bild: Reto Martin


Es war ungewöhnlich ruhig im Abstimmungskampf. Aber es war nicht die Ruhe vor dem Sturm. 80 Prozent der Stimmenden sprachen sich am Sonntag für die Aufhebung der bald 100 Jahre alten Pensionskasse der Stadt Romanshorn und den Anschluss an die Pensionskasse Thurgau aus. Die Stimmbeteiligung war mit 49,3 Prozent hoch.

Der Wechsel per 1. Januar 2021 kommt die Stadt und das Regionale Pflegeheim im Besitz der Stadt teuer zu stehen. Die Ausfinanzierung dürfte die beiden insgesamt zwischen 8 und 12 Millionen Franken kosten, ganz genau weiss man es erst Ende Jahr. Vom aktuellen Eigenkapital der Stadt in der Höhe von sieben Millionen Franken wird auf jeden Fall nichts mehr übrig bleiben.

Stadtpräsident rechnete mit knapperem Resultat

Wegen der finanziellen Tragweite der Vorlage hatte Stadtpräsident Roger Martin mit einem knapperen Resultat gerechnet, auch wenn er die Gegner an einem Finger abzählen konnte. Nur eine Privatperson übte öffentlich Kritik an den Plänen und sprach davon, dass Romanshorn auf dem direkten Weg zur «Pleitestadt »sei. Alle Parteien stellten sich hinter den Stadtrat oder leisteten zumindest keinen Widerstand. Martin sagt:

Stadtpräsident Roger Martin.

Stadtpräsident Roger Martin.

Bild: Reto Martin
«Offenbar wollten die Stimmbürger das leidige Thema vom Tisch haben und nach vorne schauen, auch wenn es finanziell gesehen weh tut.»

Und sie hätten eingesehen, dass kein Weg an der Lösung vorbei führe, die zur Diskussion stand.

Die Rechnung geht schon lange nicht mehr auf

Bei der Pensionskasse der Stadt sind aktuell rund 200 Personen versichert, 130 Personen beziehen von ihr eine Rente. Finanziell geht es der Vorsorgeeinrichtung nicht gut. Ende 2019 war sie mit zehn Millionen Franken unterdeckt. Die Probleme sind nicht neu. Schon seit über zehn Jahren geht die Rechnung nicht mehr auf. 2014 entschlossen sich deshalb der damalige Stadtrat und der Verwaltungsrat auf Anraten von Experten zur Teilkapitalisierung, was ihnen 40 Jahre Zeit für die Sanierung der Kasse gab.

Die damit verknüpften Hoffnungen erfüllten sich jedoch nicht. «Hoffen und Harren macht manchen zum Narren», schrieb die EVP in ihrer Stellungnahme zur Vorlage. Die SP sprach von «bedauerlichen Fehlentscheiden» in der Vergangenheit». Im Nachhinein sei man immer klüger, sagt Stadtpräsident Martin. Er mache niemandem eine Vorwurf. «Es war ein kollektives Versagen.»