Alp-Quarantäne wegen Seuche in Muolen

Seit 1919 besitzen die Amriswiler Braunviehzüchter eine Alp im Appenzellerland. Hans Baumann hat zum Jubiläum eine Chronik verfasst.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Die untere «Schnäggä» ist idyllisch gelegen. Das Braunvieh kommt mittlerweile jedoch nicht mehr aus Amriswil.

Die untere «Schnäggä» ist idyllisch gelegen. Das Braunvieh kommt mittlerweile jedoch nicht mehr aus Amriswil.

Bild: PD/Hans Baumann

Einst hiess sie Alp «Schnekle», dann Alp «Schneggli», später wurde sie umbenannt in Alp «Schnäggä». Eines ist jedoch über all die Jahre gleich geblieben: Die Amriswiler Braunviehzüchter sind stolz auf ihre Alp im Appenzellerland, die sie seit über 100 Jahren besitzen. Hans Baumann ist Miteigentümer. Er war von 1999 bis 2005 Präsident der Braunviehzüchter Amriswil und ist heute Ehrenpräsident. Am Sonntagnachmittag war er Gasterzähler im Ortsmuseum und berichtete über die Entwicklung der letzten 100 Jahre – über die Höhen und Tiefen der Alp «Schnäggä» mit Gebäuden, nahe an der Strasse von Urnäsch auf die Schwägalp.

Mit viel Herzblut und Engagement durchsuchte Baumann Protokolle sowie Archive und schrieb eine Chronik über die Geschichte der Alp «Schnäggä», vom Kauf im Jahre 1919 bis 2019. Das bebilderte Zeitdokument enthält unter anderem Anekdoten, Beschlüsse und Ereignisse von der Alp.

Aufgeteilt in die untere und obere «Schnäggä»

Die Alp, die 920 Meter über Meer liegt, besteht aus rund elf Hektaren Weiden und vier Hektaren Wald. «Zwischen 35 und 40 Rinder können jeden Sommer dort weiden», ergänzte der Gasterzähler. Aufgeteilt ist die Alp in die untere und obere «Schnäggä».

Angefangen hat alles bereits im Jahre 1904. Damals wurde die Braunviehzucht-Genossenschaft Amriswil und Umgebung gegründet. 15 Braunviehzüchter mit insgesamt etwa 80 Tieren, davon zwei Stiere, hatten sich zusammengetan. An einer Genossenschaftsversammlung im August 1918 habe Conrad Höhener gefragt, ob ein Alpkauf möglich wäre. «Unsere Vorgänger kauften dann im Sommer 1919 die Alp ‹Schnekle› an einer Gant in Urnäsch – mit dem Ziel, ihr Jungvieh dort zu sömmern und damit ihre Heimbetriebe zu entlasten», erzählte Baumann. Der Amriswiler Textilunternehmer Joseph Sallmann präsidierte die damalige Genossenschaft und war massgeblich am Kauf beteiligt. Der Kaufpreis für die Alp betrug 32 500 Franken.

Ein Alphirt namens Schafflüzel wurde angestellt, der während der Sömmerung die Rinder betreute und auch für alle anderen landwirtschaftlichen Arbeiten auf der Alp zuständig war. Sein Lohn betrug 60 Franken in der Woche.

«Wie jetzt mit dem Corona- Virus gab es im Jahre 1938 eine ähnliche Situation auf der Alp», sagte Baumann. Wegen eines Seuchenfalls in Muolen durften die Rinder nicht mehr auf die Weide, sondern mussten im Stall bleiben. Das bedingte eine sofortige Heulieferung.

Keine Amriswiler Rinder mehr auf der «Schnäggä»

1953 wurde das Jungvieh für die Auffuhr erstmals mit der Bahn von Bischofszell-Nord nach Urnäsch transportiert und für die Abfuhr gleichermassen zurück. Zuvor wurden die Rinder in einem zweitägigen Fussmarsch von Amriswil nach Urnäsch begleitet – übernachtet wurde in der Nähe von Gossau. Ab 1954 kam ein Camion zum Einsatz.

Es gab auch immer wieder bauliche Veränderungen, etwa ein Stallneubau, Dachsanierungen, ein neuer Vorplatz, ein Blitzschutz sowie der Umbau zweier Ferienwohnungen in der unteren und oberen Alp. Seit 1988 werden beide Alphütten als Ferienwohnungen vermietet.

Die Ertragslage wurde vor rund 14 Jahren kritisch. Ein spürbarer Rückgang der Kuhzahlen wurde festgestellt und somit gab es auch weniger Jungtiere. Ein Verkauf kam allerdings nicht in Frage. Der langjährige Alphirt Hans Biser pachtete die Alp.

Inzwischen verbringen keine Amriswiler Rinder mehr den Sommer auf der Alp. Hans Biser übergab Betrieb sowie Pacht seinem Sohn Sämi und der Alp «Schnäggä» geht es mittlerweile finanziell wieder gut.

Hinweis
Die 60-seitige Chronik «Vom Schnekle zum Schnäggä» – die Alp im Appenzellerland seit 100 Jahren im Besitz der Amriswiler Braunviehzüchter / von 1919 bis 2019 kann im Stadthaus Amriswil unentgeltlich bezogen werden.