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Jan Ullrich verletzt Prostituierte:
Bleibt es bei der Thurgauer Bewährungsstrafe?

Wird Ex-Radprofi Jan Ullrich in Deutschland rechtskräftig verurteilt, droht ihm auch in der Schweiz Ungemach. Das Bezirksgericht Weinfelden könnte dann die bedingte Strafe widerrufen.
Ida Sandl
Jan Ullrich am Rande der Gerichtsverhandlung im September 2017 in Weinfelden. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Jan Ullrich am Rande der Gerichtsverhandlung im September 2017 in Weinfelden. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Es wird eng für Jan Ullrich. Der deutsche Ex-Radstar soll in Frankfurt eine Prostituierte misshandelt haben. Jetzt ermittelt der Staatsanwalt gegen den 44-Jährigen wegen Verdachts auf versuchten Totschlag und gefähr­liche Körperverletzung. Dabei steht Ullrich unter Bewährung. Das Bezirksgericht Weinfelden hat ihn vor knapp einem Jahr wegen eines Unfalls mit Alkohol zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 21 Monaten verurteilt, bei einer Probezeit von vier Jahren.

Muss Ullrich diese Strafe jetzt absitzen? Was passiert, falls er in Deutschland rechtskräftig verurteilt werden sollte? Zunächst einmal gar nichts. Der deutsche Richter kann die Bewährungsstrafe eines Schweizer Gerichtes nicht widerrufen. Das sagt der Thurgauer Generalstaatsanwalt Stefan Haffter. Das könne nur das Gericht, das die Strafe verhängt hat. Also das Bezirksgericht Weinfelden.

Möglich sind auch eine
längere Probezeit oder Auflagen

Doch «das Gericht wird nicht von sich aus aktiv», erklärt der Weinfelder Bezirksgerichtspräsident Pascal Schmid. «Ein nachträgliches Verfahren wird aufgrund einer Meldung des Bundesamts für Justiz oder eines Antrags der Staatsanwaltschaft Thurgau oder des Amts für Justizvollzug eingeleitet.» Dann entscheidet das Bezirksgericht, was mit der bedingten Freiheitsstrafe geschieht. Im schlimmsten Fall wird sie widerrufen. Das heisst: Jan Ullrich müsste ins Gefängnis. Möglich ist aber auch, dass die Richter die Probezeit verlängern oder Auf­lagen machen. Zum Beispiel Ullrich einen Bewährungshelfer zur Seite stellen.

Wichtig sei für das Gericht bei seinem Entscheid die Prognose, die es dem Verurteilten ausstellt. Schmid formuliert es so: «Der Widerruf erfolgt, wenn aufgrund der neuen Straftat in der Probezeit anzunehmen ist, es könnten weitere Straftaten folgen.» Auch die Schwere der neuen Tat und ihre Ähnlichkeit mit der ersten Tat spielten eine Rolle. Es müsse verhältnismässig sein, die Haftstrafe zu vollziehen. Das ist nicht der Fall, wenn die Verlängerung der Probezeit, Weisungen oder Bewährungshilfe genügen.

Ullrich ist im September vom Bezirksgericht Weinfelden verurteilt worden, weil er mit 1,85 Promille im Blut und unter dem Einfluss von Medikamenten bei Mattwil einen Unfall gebaut hat. Dabei wurden zwei Menschen verletzt.

Auch diesmal war
wieder Alkohol im Spiel

Vor ein paar Tagen soll er im Frankfurter Nobelhotel Villa Kennedy eine Escort-Dame angegriffen und gewürgt haben, bis ihr schwarz vor Augen wurde. Zwei verschiedene Straftaten. Auffällig: Jedes Mal ist Alkohol im Spiel. Bei seiner Verhaftung im Hotelzimmer habe Ullrich so ­viele Drogen und Alkohol intus gehabt, dass er zuerst gar nicht ­vernommen werden konnte. Mittlerweile berichten mehrere Zeitungen, dass Ullrich zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen worden sei.

Ullrichs Unfall unter Alkohol und die Folgen

Im Mai 2014 rammte Jan Ullrich an einer Kreuzung bei Mattwil mit seinem Audi Quattro ein Auto, das am Stoppschild wartete. Danach prallte sein Wagen frontal in ein entgegenkommendes Auto. Zwei Frauen wurden verletzt. Der ehemalige Tour-de-France-Sieger war betrunken und fuhr viel zu schnell. Staatsanwaltschaft und Ullrich einigten sich Mitte 2015 auf ein abgekürztes Verfahren. Doch das Bezirksgericht Weinfelden wies den Urteilsvorschlag zurück und verlangte eine nochmalige Untersuchung. Mitte September letzten Jahres war die neue Verhandlung. Ullrich wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 21 Monaten bei einer Probezeit von vier Jahren verurteilt. Dazu kommt eine Busse von 10000 Franken. Ullrich wohnte bis Anfang 2017 in Scherzingen.Dann zog die Familie nach Mallorca. Ullrichs Frau lebt inzwischen mit den Kindern wieder in Deutschland. (san)

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