Aller guten Dinge sind...: Evangelisch Güttingen muss ein drittes Mal über die Sanierung des Kirchgemeindehauses abstimmen

114 Unterschriften von Kirchbürgern machen es möglich: Die ausserordentliche Versammlung der Kirchgemeinde findet am 17. November statt. Die Vorsteherschaft ist frustriert.

Martina Eggenberger
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Das Kirchgemeindehaus in Güttingen soll renoviert werden.

Das Kirchgemeindehaus in Güttingen soll renoviert werden.

(Bild: Reto Martin - 6.5.2019)

Die Initianten hatten Erfolg. Kirchbürgerin Johanna Frederick hat mit ihren Mitstreitern in den vergangenen Wochen nach der Kirchgemeindeversammlung von Mitte August 114 Unterschriften gesammelt. Es haben also mehr als ein Fünftel der Kirchbürger ihre Forderung nach einer ausserordentlichen Versammlung unterstützt.

Frederick will bekanntlich, dass die Kirchbürger noch einmal darüber diskutieren können, ob das Kirchgemeindehaus wie geplant saniert werden soll. Der Umbau kostet 450'000 Franken. Die Bürger haben sich zweimal hinter das Unterfangen gestellt.

Zeitfenster von einer Stunde

Ruedi SchumVizepräsident der evangelischen Kirchgemeinde Güttingen.

Ruedi Schum
Vizepräsident der evangelischen Kirchgemeinde Güttingen.

(Bild: PD)

Die Kirchenvorsteherschaft kommt ihrer Verpflichtung gemäss Gemeindeordnung nach und hat den Termin für die ausserordentliche Versammlung auf den 17. November angesetzt. An diesem Datum finden auch die Schul- und die Gemeindeversammlung statt. Der Gemeinderat habe der Kirchenvorsteherschaft das Angebot gemacht, dass diese die «Rotewis» benutzen dürfe, damit die Coronamassnahmen eingehalten werden können, erklärt Ruedi Schum, der Vizepräsident der Kirche. Der Plan ist nun, dass die Kirche um 18.30 Uhr mit ihrer Versammlung beginnt. Sie hat Zeit bis 19.30 Uhr, muss dann den Saal räumen, damit vor den folgenden Versammlungen noch einmal alles desinfiziert werden kann.

Widerstandsgruppe hätte lieber Urnenabstimmung

Johanna Frederick lässt auf Anfrage bereits durchblicken, dass sie viel lieber eine Urnenabstimmung gehabt hätte, als eine Kurzversammlung mit beschränkter Diskussionszeit. Ruedi Schum betont, dass Urnenabstimmungen gemäss Gemeindeordnung der Kirche in Güttingen nicht vorgesehen seien. Er ist denn auch zuversichtlich, dass die zur Verfügung stehende Diskussionszeit ausreichen wird.

«Es ist ja schon alles gesagt.»

Johanna Frederick sieht das anders. Sie ärgert sich, dass die Abstimmungsfrage lautet, ob man dem Umbaukredit zustimmen wolle oder nicht.

«Wir wollen aber diskutiert haben, ob das Untergeschoss überhaupt umgebaut werden soll – oder nicht eher das Obergeschoss.»

Dies würde viel geringere Kosten verursachen. Auch beantrage sie eine geheime Abstimmung.

Frust in der Vorsteherschaft

Die Kirchenvorsteherschaft macht keinen Hehl daraus, dass sie allmählich frustriert ist ob dem Vorgehen der Widerstandsgruppe. Diese hat nämlich nicht nur die ausserordentliche Versammlung erwirkt, sondern gegen die letzte Versammlung Rekurs beim Kirchenrat erhoben. Zudem verhindert eine Einsprache gegen das Baugesuch zum Umbau einen zügigen Projektfortschritt.

Ruedi Schum sagt, man habe den Gegnern mehrfach einen runden Tisch angeboten, vergeblich. «Nun müssen wir halt diese Abstimmung machen.» Offensichtlich contre cœur. Die Vorsteherschaft fragt sich nun in ihrem Mitteilungsblatt:

«Wenn dieses Beispiel Schule macht, sind an Versammlungen gefällte Abstimmungen nicht mehr massgebend, da nur noch der Apéro zählt?»

Die Frage ist nun, welche Seite für die entscheidende Versammlung mehr mobilisieren kann. Kommen wie zuletzt mehr Kirchbürger, die dem Schaffen der Vorsteherschaft vertrauen? Oder werden Projektgegner der Abstimmung beiwohnen, die sonst nicht an die Versammlungen kommen?

Schum ist anzumerken, dass die Stimmung angespannt ist. Er sagt, bei einem Nein werde er wohl grosse Mühe haben, seine Vorsteherschaftskollegen zu motivieren, im Amt zu bleiben.