Beim Ermatinger Podium bleiben alle anständig

Zum zweiten Mal sind die vier Kandidaten für das Gemeindepräsidium von Ermatingen an einem Podium aufeinander getroffen. Ein heftiger Schlagabtausch war es nicht. Die Wahl findet am 10. Februar statt.

Nicole D’Orazio
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Zweite Podiumsrunde: Andreas Jenny, Willi Hartmann, Moderator Urs Brüschweiler, Heidi Gerber und Urs Tobler. (Bild: Donato Caspari)

Zweite Podiumsrunde: Andreas Jenny, Willi Hartmann, Moderator Urs Brüschweiler, Heidi Gerber und Urs Tobler. (Bild: Donato Caspari)

Die Finanzen, die Parkplätze, zu wenige bezahlbare Wohnungen oder das Rathaus: In Ermatingen gibt es viel zu tun. Die vier Kandidaten für das Gemeindepräsidium – Heidi Gerber, Willi Hartmann, Andreas Jenny und Urs Tobler – haben sich am Montagabend den Fragen von TZ-Redaktor Urs Brüschweiler und des Publikums gestellt. Es ist das zweite Podium vor den Wahlen am 10. Februar.

Hartmann (SVP) würde als neuer Gemeindepräsident zuerst die Finanzen anpacken. Jenny (FDP) glaubt, dass der Ärger über die Parkplätze und die vielen Bussen zuerst angegangen werden müssen. Gerber findet, dass es zu wenige bezahlbaren Wohnraum gibt und in der Gemeinde zu wenige verschiedene Sparten an Ausbildungsplätzen angeboten werden. Tobler (FDP) findet das Rathaus das dringendste Problem. Zu allererst würden alle jedoch eine Standortbestimmung mit dem Team machen.

Die Verwaltung könnte in den «Adler» zügeln

Beim Rathaus sind sie sich nicht einig, wie es weitergehen soll. Die Gemeindeversammlung hat Ende letzten Jahres ein Sanierungsprojekt für 770'000 Franken aufgeschoben. Man wollte auf den neuen Gemeindepräsidenten oder -präsidentin warten. Hartmann sagt aus Jux:

Willi Hartmann. (Bild: Donato Caspari)

Willi Hartmann. (Bild: Donato Caspari)

«Vielleicht sollte man das Rathaus rosarot anmalen.»

Spass beiseite: «Das ist eine ernste Angelegenheit. Man ist nun wieder auf Feld eins und kann die Situation nochmals analysieren und einen guten Vorschlag ausarbeiten.» Gerber schwebt etwas ganz anderes vor: «Die Verwaltung könnte doch in ein historisches Gebäude zügeln, zum Beispiel vis-à-vis dem Rathaus. Dann könnte man Letzteres für die Schule brauchen. Die benötigt auch Platz.»

Tobler will die Chance nutzen, die Situation nochmals zu analysieren. «Man sollte die Sanierung demütig anschauen. Zusammen mit der Stedi-Sanierung sind das zwei rechte Brocken.» Jenny bevorzugt eine sanfte Sanierung. Die Verwaltung benötige gute Räume und eine zweckmässige Organisation. «Eventuell braucht es im Zuge der Digitalisierung sowieso weniger Raum.»

Die einen wollen sparen, die anderen die Steuern erhöhen

Der Finanzausgleich wird Salenstein hart treffen. Dass sich die Ermatinger Kantonsräte für die Nachbargemeinde einsetzen, finden alle vier Kandidaten gut und solidarisch. Doch auch in Ermatingen müssen die Finanzen im Auge behalten werden. Lieber sparen oder die Steuern erhöhen? Jenny ist klar für sparen. Wo genau, kann er nicht sagen. «Beim Rathaus?» Tobler meint, dass eine Steuerfusserhöhung von zwei Prozentpunkten vertretbar wäre. «Lieber mit den Steuern rauf als sich zu Tode sparen», findet er. Heidi Gerber meint: 

Heidi Gerber. (Bild: Donato Caspari)

Heidi Gerber. (Bild: Donato Caspari)

«Sparen hat immer einen Beigeschmack.»

In einem Jahr könnte sie dazu eine schlaue Antwort geben. «Tendenziell sollte der Steuerfuss aber bleiben. Das geht gut», sagt sie. Hartmann würde ein paar strategische Massnahmen ergreifen, mit dem Geld haushälterisch umgehen, und wenn’s sein muss, die Steuern erhöhen.

Eine Fusion mit Salenstein kommt nicht in Frage

Eine Fusion mit Salenstein kommt derzeit für keinen der Vier in Frage. «Das muss gut überlegt und geplant sein», sagt Jenny. «Das würde vier bis sechs Jahre dauern.» Man solle lieber die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden intensivieren, schlägt Hartmann vor. «Bei einer Fusion gehen auch immer Stellen verloren», gibt Gerber zu bedenken. Und wegen des Dörfligeistes würde ein Zusammenschluss nicht funktionieren. Tobler, meint, dass das Volk eine Fusion wollen muss. Tobler sagt weiter: 

Urs Tobler. (Bild: Donato Caspari)

Urs Tobler. (Bild: Donato Caspari)

«Die Feuerwehr arbeitet schon gut zusammen. Das könnte man doch auch auf die Werke oder ein gemeinsames WLAN aufbauen.»

Um Junge im Dorf zu halten, müsste es mehr günstige Wohnungen geben. Das finden alle. Tobler will ein Familien- und Jugendkonzept erstellen, Gerber möchte mehr Ausbildungsplätze – vor allem im Sozialen – realisieren, und Jenny und Hartmann möchten zuerst die Jungen nach deren Bedürfnissen befragen. «Wohnungen und Arbeitsstellen scheinen mir der wichtigste Ansatzpunkt», sagt Hartmann.

Kandidaten stellen einander je eine Frage

Die Kandidaten müssen einander eine Frage stellen. Wer wem, das wurde zugelost. Gerber will von Hartmann wissen, was sein Vorteil sei, da er schon Erfahrung als Gemeindepräsident von Raperswilen hat. «Ich habe fast alles schon einmal gemacht. Ich arbeite im gleichen Bezirk und bin gut vernetzt», antwortet er. Hartmann fragt Tobler, wie er damit umgehen würde, wenn der Gemeinderat seinen Vorschlag ablehnt. «Im ersten Moment wäre ich traurig. Doch das Gremium entscheidet, das ist Demokratie. Stämpfelen bringt nichts.»

Tobler fragt Jenny, ob er die Aussicht geniesse, da die Pappeln vor seinem Haus nun weg seien. «Ja es ist ein anderer Ausblick, es ist heller. Wir müssen uns zuerst daran gewöhnen. Aber in ein paar Jahren sind die jungen Bäume gewachsen.» Jenny fragt schliesslich Gerber, ob sie eine verrückte Vision habe. «Ein Pflegeheim. Die demografische Entwicklung zeigt eine Überalterung an.»

Bürger will wissen, wie sie zu einer Handyantenne stehen

Ein Zuhörer will wissen, wie die Vier zur geplanten Mobilfunkantenne stehen: Hartmann ist persönlich gegen Handyantennen. Jenny gibt keine klare Antwort. Die beiden anderen sprechen sich dafür aus, weil sie das Funkloch stört. Ein anderer fragt Jenny, warum er in den letzten fünf Jahren drei Stellen hatte. Einmal habe es einen Wechsel in der Geschäftsleitung gegeben, antwortet dieser. «Danach habe ich Mandate übernommen. Diese waren temporär.»

Nur nach einem schlechten Resultat geben sie auf

Schliesslich darf jeder noch Werbung in eigener Sache machen und sagen, warum er oder sie gewählt werden soll. Jenny sagt:

Andreas Jenny. (Bild: Donato Caspari)

Andreas Jenny. (Bild: Donato Caspari)

«Als Geschäftsführer habe ich die nötige Ausbildung und Erfahrung.»

Tobler findet, weil er jünger sei. «Wir brauchen einen Richtungswechsel und ich plane langfristig.» Gerber hat richtig Lust auf das Amt, welches ihr entsprechen würde. Sie sei sehr kreativ. Hartmann bringt zehn Jahre Erfahrung als Gemeindepräsident mit und den Blick von aussen. Zum zweiten Wahlgang, sollte es einen geben, würden alle wieder antreten, sofern sie unter den ersten zwei oder drei wären.

Ermatinger Stimmbürger haben eine breite Auswahl

Für das Gemeindepräsidium von Ermatingen kandidieren vier Personen: Mit Willi Hartmann bringt einer Behördenerfahrung mit, die drei anderen sind Quereinsteiger. Die Wahl findet am 10. Februar 2019 statt.
Nicole D'Orazio

Es wird eng im Ermatinger Rathaus

Die Stimmbürger weisen den Kredit zur Sanierung des Verwaltungsgebäudes zurück. Der entsprechende Antrag stammt von einem ehemaligen Gemeinderat.
Kurt Peter