Ajoie geht gegen Thurgau die Luft aus

Mit 67 Strafminuten gegen den HC Ajoie und einem 4:1-Heimsieg des HC Thurgau wird die Playoff-Serie zwischen diesen beiden Teams in der vierten Runde so richtig lanciert. In der Best-of-7-Serie steht es damit 2:2. Am Sonntag um 17.30 Uhr in Pruntrut scheint das Thurgauer Break fällig.

Matthias Hafen
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Stürmer Michael Loosli trug mit zwei Treffern massgeblich zu Thurgaus Erfolg im vierten Playoff-Spiel bei. (Bild: Mario Gaccioli)

Stürmer Michael Loosli trug mit zwei Treffern massgeblich zu Thurgaus Erfolg im vierten Playoff-Spiel bei. (Bild: Mario Gaccioli)

Stephan Mairs Nächte am Bildschirm zahlen sich langsam aus. Der Trainer des HC Thurgau nahm den Playoff-Gegner Ajoie vor und während der Viertelfinalserie in akribischer Feinarbeit auseinander, analysierte stundenlang dessen Spielsystem und stellte seine Mannschaft darauf ein. «Wir sind parat, weil wir genau wissen, wie sie spielen», sagt Verteidiger Simon Seiler. «Und sie spielen ganz anders als die restlichen Swiss-League-Clubs.»

Mit einem gewieften, auf die beiden Kanadier Devos und Hazen ausgerichteten Angriff, einem aggressiven Forechecking und einer sattelfesten Defensive stellen die Jurassier im diesjährigen Playoff auch den HC Thurgau vor eine grosse Herausforderung. Eine, die die Ostschweizer offensichtlich angenommen haben.

Ajoie verliert komplett die Nerven

Bei Thurgaus 4:1-Heimsieg, dem bislang deutlichsten Resultat ­dieser Best-of-7-Serie, war weder von Ajoies Ausländern noch vom Forechecking etwas zu sehen. Diesmal waren es ausschliesslich die Thurgauer, die die Nadel­stiche setzten. Und sie taten dem HC Ajoie so richtig weh. Nicht nur lief der HCT zur Hochform auf, während dem Qualifikationszweiten immer mehr die Luft ausging. Als die Niederlage nicht mehr abzuwenden war, verloren die Gäste komplett die Nerven, attackierten die Thurgauer ­Spieler im Sekundentakt und sammelten innert zehn Minuten ­sagenhafte 57 Strafminuten. Die Playoff-Serie zwischen dem Aussenseiter Thurgau und Ajoie ist damit so richtig lanciert.

Der grosse Frust der Ajoulots dürfte die Thurgauer noch mehr gefreut haben als der Sieg. Denn während das 4:1 nicht mehr als der 2:2-Ausgleich in dieser hochspannenden Playoff-Serie ist, könnte das angekratzte Nervenkostüm der Jurassier auch noch einen Einfluss auf das fünfte Spiel vom Sonntag um 17.30 Uhr ­haben. Die Thurgauer werden jedenfalls in aller Ruhe nach Pruntrut reisen. So, wie sie sich am Freitagabend auch den zweiten Sieg erkämpft haben.

Michael Loosli trifft früh zum 1:0

Wieder erzielte der HCT früh das 1:0, in der fünften Minute durch den überragenden Michael Loosli. Und diesmal hielt die Führung auch an. Nicht nur das: Der Amerikaner Cody Wydo traf nach grossartiger Vorarbeit von Léonardo Fuhrer in der elften ­Minute zum 2:0. Der HCT hatte damit die erste Strafe gegen Ajoie ausgenutzt. Wie diszipliniert die Thurgauer an ihrem Spiel festhielten, spiegelte sich auch in der Strafenbilanz. Lediglich zweimal sassen Mairs Mannen in der Kühlbox, während sich bei den Gästen bis am Schluss 67 Strafminuten anhäuften.

Brenzlig wurde es für den HCT zwei Minuten und drei Sekunden lang. Als Ajoies Alain Birbaum in der 24. Minute zum 1:2 getroffen hatte, dauerte es genau so lange, bis Kenny Ryan auf Pass von Topskorer Fuhrer die Zweitore-Führung wiederhergestellt hatte. Der Treffer kam genau zum richtigen Zeitpunkt, um den Jurassiern den Wind wieder aus den Segeln zu nehmen.

Goalie Aeberhard, Thurgaus Abwehrmauer

Das tat die ganze Zeit auch Goalie Nicola Aeberhard, der einmal mehr den Vorzug gegenüber Janick Schwendener bekam. In der 39. Minute verhinderte «Aebi» mit einer grossartigen Parade gegen den solo auf ihn zustürmenden Philipp Wüst das 2:3. Es war ein Save, so wichtig wie ein Tor. Ajoie war danach nicht mehr wiederzuerkennen. Die beiden Kanadier Philip-Michael Devos und Jonathan Hazen waren vom HCT komplett aus dem Spiel genommen. Sie liefen wie der Rest des Teams auf den Felgen. Bei den Kräfteverhältnissen vom Freitagabend kommt man nur zu einem Schluss: Thurgaus erster Auswärtssieg gegen Ajoie ist am Sonntag fällig.

Thurgau – Ajoie 4:1 (2:0, 1:1, 1:0)

Güttingersreuti, Weinfelden – 2113 Zuschauer – SR Koch/Potocan, Huguet/Betschart.
Tore: 5. Michael Loosli (Wydo) 1:0. 11. Wydo (Fuhrer, Ryan/Ausschluss Puide) 2:0. 24. Birbaum (Joggi) 2:1. 26. Ryan (Fuhrer) 3:1. 53. Michael Loosli 4:1.
Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Thurgau, 11-mal 2 Minuten plus 1-mal 5 Minuten (Frossard) plus 2-mal 10 Minuten (Hazen, Macquat) plus Spieldauerdisziplinarstrafe (Frossard) gegen Ajoie.
Thurgau: Aeberhard; Seiler, Parati; Collenberg, Steinauer; Wildhaber, El Assaoui; Hänggi; Wydo, Fuhrer, Ryan; Merola, Rundqvist, Frei; Eric Arnold, Brändli, Michael Loosli; Bahar, Hollenstein, Janik Loosli; Moser.
Ajoie: Nyffeler; Hauert, Ryser; Birbaum, Suleski; Dotti, Casserini; Pouilly; Forrer, Devos, Hazen; Schmutz, Privet, Joggi; Wüst, Frossard, Kohler; Thibaudeau, Macquat, Puide; Schmidt.
Bemerkungen: Thurgau ohne Engeler (verletzt), Schweri, Gurtner (beide Rapperswil-Jona/NLA), Vogel, Zanzi, Kellenberger und Rattaggi (alle überzählig). Ajoie ohne Weisskopf (Fribourg/NLA), Montandon, Blaser und Fabio Arnold (alle überzählig). – Vor dem Spiel Ehrung von Paul Kaiser für 20 Jahre Tätigkeit für den HC Thurgau (Marketing/Sponsoring).

Trainer Mair pokert und führt den HC Thurgau zum Ausgleich im Playoff

Das zweite Playoff-Spiel gegen Ajoie gewinnt der HC Thurgau vor heimischem Publikum 3:2 und gleicht in der Best-of-7-Serie zum 1:1 aus. Die Entscheidung fällt erst in der zweiten Verlängerung durch Michael Loosli. Auch wenn das Lob der gesamten Mannschaft gebührt, so sind die Überlegungen von Trainer Stephan Mair entscheidend.
Matthias Hafen