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Affeltranger setzen auf Bio-Zucker

Martin und Anton Waelti gehören zu den Pionieren des umweltgerechten Zuckerrüben-Anbaus im Thurgau. Viele haben damit angefangen, nur wenige sind dabeigeblieben. Die Gründe liegen im grossen Arbeitsaufwand.
Florian Beer
Martin und Anton Waelti erwarten eine durchschnittliche Ernte. Schweizweit wird sie aber wohl geringer ausfallen. (Bild: Donato Caspari)

Martin und Anton Waelti erwarten eine durchschnittliche Ernte. Schweizweit wird sie aber wohl geringer ausfallen. (Bild: Donato Caspari)

Martin und Anton Waelti betreiben seit 1997 Bio-Landbau in Affeltrangen, im Jahr 2001 ist man ins Bio-Zuckerrüben-Geschäft eingestiegen. «In dieser Zeit kam Bio erst so richtig in Mode und man war dazu bereit, höhere Preise für umweltgerechte Produkte zu bezahlen», erklärt Vater Anton Waelti den Schritt in die Nischen-Sparte. Bio-Zucker schmeckt und sieht gleich aus wie herkömmlicher Zucker, nur mit dem Unterschied, dass keine Chemikalien beim Anbau verwendet wurden.

Zuckeranteil einer Rübe beträgt 16 Prozent

Ein Grossteil des Bio-Zuckers in unseren Regalen stammt aus Übersee und Süddeutschland. Grund dafür sind tiefere Löhne und somit niedrigere Preise. Der Schweizer Konsument sei aber sehr loyal und bereit, für Bio-Produkte aus der Region mehr Geld auszugeben. Den Bio-Zucker aus Affeltrangen findet man in den Coop-Regalen, versehen mit einem Bio-Suisse-Kennzeichen. Verarbeitet wird der Zucker im Werk Frauenfeld.

Der Zuckeranteil einer Rübe beträgt etwa 16 Prozent. «Nur darum geht es, nach diesem Anteil werden wir bewertet und bezahlt», sagt Martin Waelti. Aus drei Kilogramm Saatgut wachsen innerhalb von fünf bis sechs Monaten gut 70 Tonnen Rüben heran. Die Waeltis waren mit die Ersten, die Bio-Zuckerrüben anbauten und gehören zu den wenigen, die dabeigeblieben sind. Der Rest hat mit diesem Geschäft aufgehört. «Es braucht Herzblut, Überzeugung und Durchhaltewille», sagt Martin Waelti. Trotzdem müsse am Ende die Rechnung aufgehen. Es sei klar, der Rübenanbau stehe und falle mit den Handarbeits-Kosten.

Anton Waelti warnt: «Wenn wir es in Zukunft nicht schaffen, die Arbeitsstunden auf 100 zu reduzieren, wird es schwierig sein, den Bio-Zuckerrüben-Anbau aufrecht zu erhalten.» Der Zuckerrüben-Anbau besteht zum grossem Teil aus Handarbeit. Gut 250 Handarbeits-Stunden wurden dieses Jahr auf dem Rübenfeld der Waeltis gearbeitet. Als Faustregel gilt dabei: Fallen weniger als 200 Stunden an, wird das Jahr rentabel, sind es mehr, sieht der Lohn am Ende der Erntesaison etwas schmaler aus.

«Es war bisher ein schwieriges Jahr für uns», sagt Martin Waelti. Man erwarte eine durchschnittliche Ernte, wobei schweizweit der Ertrag eher unterdurchschnittlich ausfallen wird. «Die Trockenheit hat uns das Leben schwer gemacht.» Zuckerrüben sollte man nicht wässern, jedoch konnte man 2018 darauf nicht verzichten. Wasser war deshalb dieses Jahr ein limitierender Faktor im Anbau. Eigentlich passe der Rüben-Anbau klimatisch gesehen gut in unsere Breitengrade, denn die milden Temperaturen und der regelmässige Niederschlag seien optimal. «Nur 2018 war das anders», so die Bio-Bauern.

Früher von Hand gesät, heute mit der Maschine

Martin Waelti hat zusammen mit seiner Frau Jeanette dieses Jahr den Betrieb von seinem Vater Anton übernommen. Dieser ist froh, nun entlastet zu sein, hilft aber immer noch mit. Man merkt, die beiden sind ein eingespieltes Team und verstehen sich gut. «Bei uns ist jede Hilfe wertvoll und wird gebraucht», sagen sie. Im April wurde mit einer Einzelkorn-Sämaschine eingesät, Anton Waeltis Grossvater musste dies noch von Hand machen.

Bei der Unkrautbekämpfung können die Waeltis auf die Unterstützung einiger Frauen aus der Region setzen. Dieses Unkraut in den Reihen der Zuckerrüben-Pflanzen muss jeweils von Hand entfernt werden. Aus diesem Grund sei der Bio-Zuckerrüben-Anbau sehr arbeitsintensiv. Zusätzlich musste man dieses Jahr Erdflöhe bekämpfen, die die Jungpflanzen befielen. Gegen die Insekten setzte man Wasser ein, was gut geklappt hat.

Ein Hof in zweiter Generation

Seit 1980 führt die Familie Waelti den Hof in Affeltrangen. Frühere Generationen waren auf verschiedenen Höfen in der Schweiz beheimatet. Im Frühjahr dieses Jahres übernahm Sohn Martin zusammen mit seiner Frau Jeanette das Zepter von Vater Anton Waelti. Die Landfläche beträgt 35 Hektar. Neben den vier Fussballfelder grossen Bio-Zuckerrüben-Feldern werden auf dem Hof in Affeltrangen auch Kartoffeln, Mais, Eiweisserbsen, Gerste und Weizen angebaut. Zudem gibt es eine kleine Mutterkuhherde. Seit über 20 Jahren betreiben die Waeltis auf ihrem Hof einen biologischen Landbau. 2001 begann man, Bio-Zuckerrüben zu pflanzen. Als einzige von damals sind sie bis heute dabei geblieben. (fbe)

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