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Serie

«Ach, Du dummes Huhn!»

Sommerserie: Das Huhn ist in unserer Sprache sowie auch in unserem Leben präsent. Oftmals bekommt es dabei aber durch Redewendungen eine sehr negative Stellung. Wieso nur? Eine Suche nach Gründen.
Janine Bollhalder
Ein bekanntes Kinderbuch: Das schwarze Huhn. Nur eines von wenigen Hühnerbüchern. (Bild: Mario Testa)

Ein bekanntes Kinderbuch: Das schwarze Huhn. Nur eines von wenigen Hühnerbüchern. (Bild: Mario Testa)

Die wohl bekanntesten Hühner sind wild. Vor 26 Jahren hat Cornelia Funke den ersten Roman der sechsteiligen Serie «Die wilden Hühner» veröffentlicht. Für die Autorin eine spannende Herausforderung:

«Ich habe den Anstoss erhalten, ein Buch ohne Feen, Gespenster oder Piraten zu verfassen»

Doch Bücher über Hühner sind generell nicht gefragt, sagt Katharina Alder. Die Inhaberin der Weinfelder Buchhandlung Klappentext hat soeben den Bücherwunsch eines kleinen Mädchens erfüllt – Pferde, nicht Hühner sollten es sein.

Saisonal bedingte Nachfrage

Ausgenommen in einigen wenigen Kinderbüchern, findet das Huhn in der Belletristik nur ganz selten einen Platz.

«Saisonal gibt es dann aber eine gewisse Nachfrage»

Als Beispiel nennt Katharina Alder Ostern. Aber auch dann sei das Interesse nicht sonderlich gross. Dabei ist das Huhn in der Menschheitsgeschichte ein wichtiger Protagonist – es begleitet uns schon seit Jahrhunderten.
Wohl auch deswegen hat sich das gefiederte Tier in den alltäglichen Sprachgebrauch eingeschlichen, wo es schon mal stellvertretend für den Menschen steht:

«Früh mit dem Huhn zu Bette, auf mit dem Hahn um die Wette.»

Das Wort «Huhn» stamme von «Hahn» ab. «Es ist eine Zugehörigkeitsbildung: das zum Hahn Gehörige», sagt Martin Graf, Redaktor des Schweizerischen Idiotikon. Hahn bedeutet übrigens:

«Der die Morgenfrühe begrüssende Sänger»

Allerdings fallen nicht alle Sprichwörter zu Gunsten der gefiederten Tiere aus. Die meisten Redewendungen haben einen negativen oder gar lächerlichen Kontext. Beispielsweise: «Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn» oder «Du dummes Huhn».

Diese Redewendungen gehen auf die natürlichen Wesensmerkmale des Huhns zurück, sagt Graf: es vermittle Schwäche, Schreckhaftigkeit und geringen Wert. Der Hahn profitiert übrigens nicht von einer besseren Stellung: «Der Hahn im Korb» komme einfach daher, dass der Hahn in einer Hühnerschar herausragt und es ihn selten gäbe:

«Der Hahn im Korb ist der glückliche Vogel, der als Küken nicht geschreddert wurde»

Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn - oder Salatblatt. Ein Sprichwort mit negativen Kontext. (Bild: Donato Caspari, 13.06.2017)

Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn - oder Salatblatt. Ein Sprichwort mit negativen Kontext. (Bild: Donato Caspari, 13.06.2017)

Tierfreundliche Sprache gefordert

Die Tierrechtsorganisation Peta fordert, tierfeindliche Redewendungen zu vermeiden. Äusserungen wie «Rabenmutter» projizieren negative Eigenschaften auf die jeweiligen Tiere. Kreativ müsse man ja nicht werden, um die Redewendungen tierfreundlicher zu gestalten, meint Harald Ullman von Peta Schweiz: «Anstatt <Mit jemandem ein Hühnchen zu rupfen> kann man auch einfach <Mit jemandem ein ernstes Wort reden>.»
Deutschlehrerin Daniela Colombo von der Kantonsschule Romanshorn gibt allerdings zu Bedenken: «Das dumme Huhn ist eine Einschätzung durch den Menschen, während das Verhalten aus Hühnersicht wohl logisch war.» Für sie wäre es ein Verlust der Sprache, wenn Tiermetaphern verschwinden würden.

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