Abschied
Sein letzter Tag im gelben Hemd: Ralf Hofstetter wird mit der Schliessung der Post Scherzingen pensioniert

Am Freitag war die Filiale an der Hauptstrasse zum letzten Mal geöffnet. Es war auch der letzte Arbeitstag für den Kundenberater vor Ort. Ab Montag gibt es die Post im Volg.

Martina Eggenberger Lenz
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Lara Stricker und Ralf Hofstetter nehmen Abschied von der Scherzinger Post.

Lara Stricker und Ralf Hofstetter nehmen Abschied von der Scherzinger Post.

Bild: Reto Martin

«Mached Sie's denn guet!» Diesen Satz bekommt Ralf Hofstetter am Freitag ganz oft zu hören. Die meisten Kunden, die noch vorbeikommen, wissen: Die Post Scherzingen geht zu. Die Regale und Auslagen sind schon leer. Ein Mann gibt ein Zalando-Päckli ab. Ein anderer macht zum letzten Mal eine Einzahlung.

«Aber Sie haben ihren Job noch?», will er von Lara Stricker wissen. Die stellvertretende Teamleiterin der Post Kreuzlingen ist an diesem Tag nach Scherzingen gekommen, um dem Kundenberater vor Ort beim Räumen zu helfen. Nein, Entlassungen gibt es wegen der Schliessung der Filiale nicht. Und dass er just jetzt frühpensioniert werde, sei ein Zufall, betont Ralf Hofstetter.

Vom Pöstler zum Kundenberater

Seit 1977 stand er im Dienst der Post. Angefangen hat Hofstetter als Briefträger im Zürcher Oberland. Im Thurgau war er schliesslich lange Posthalter in Schönholzerswilen, bevor es ihn in die Region Kreuzlingen verschlug. Viele Jahre war er der Verantwortliche von Kreuzlingen II, also der Hirschenpost. Als diese vor drei Jahren geschlossen wurde, kam er in die Einmann-Poststelle Scherzingen.

Wie an den früheren Arbeitsorten konnte Hofstetter auch hier auf viele Stammkunden zählen. «Es gab einige schöne Bekanntschaften», erzählt er. Gerade die ältere Generation habe die Beratung immer geschätzt.

«Diesen Kundenkontakt fand ich schon immer lässig.»

Es gebe auch heute noch Leute, die sich sehr schwer mit der Vorstellung tun, auf die Bareinzahlungen zu verzichten. Das betreffe natürlich fast ausschliesslich Kunden im Alter von 60 plus. Dass die Post Scherzingen geschlossen wird, findet der scheidende Mitarbeiter «traurig, aber verständlich». Der Kundenrückgang sei wirklich extrem. Ab Montag steht der Postservice im Volg zur Verfügung. «Da ist ja auch fast alles möglich», meint Hofstetter.

Mehr Zeit für Haus und Hobbys

Er darf sein gelbes Hemd nun an den Nagel hängen. Nach so vielen Jahren ein komisches Gefühl. Aber kein unangenehmes. «Ich lese gerne, habe ein Haus mit Umschwung und freue mich, mich meinen Hobbys zu widmen», sagt der angehende Rentner. Sein Berufsleben war geprägt vom stetigen Wandel. Ralf Hofstetter bewertet dies aber nicht negativ. «Es war eine schöne Zeit.»