Abschied

Lego und Ferien für den langjährigen Weinfelder Feuerwehrkommandanten

Den traditionellen Schlussrapport kann die Feuerwehr Weinfelden dieses Jahr nicht durchführen. Stadtrat und Nachfolger danken Stefan Jünger für seinen 30-jährigen Einsatz deshalb im kleinen Rahmen.

Mario Testa
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Stadtrat Hans Eschenmoser, der neue Feuerwehrkommandant Jürgen Bröll und die weiteren Kommandomitglieder lassen den zurücktretenden Stefan Jünger (Mitte) hoch leben.

Stadtrat Hans Eschenmoser, der neue Feuerwehrkommandant Jürgen Bröll und die weiteren Kommandomitglieder lassen den zurücktretenden Stefan Jünger (Mitte) hoch leben.

Bild: Mario Testa

«In einem normalen Jahr wäre mir der Abschied sicher schwerer gefallen», sagt Stefan Jünger im Sicherheitszentrum Weinfelden. «Ich hätte gerne gewusst, wie es wäre, weiterhin daneben zu stehen, aber doch nicht dabei zu sein.» So weit kam es aber nicht, nachdem der langjährige Weinfelder Feuerwehrkommandant per Anfang März aus seinem Amt zurücktrat und Jürgen Bröll an seine Stelle nachrückte, ging aufgrund der Coronasituation nicht mehr viel in der Feuerwehr Weinfelden und auch Jünger hatte in seinem neuen Job viel zu tun.

Stefan Jünger übernahm im vergangenen Jahr die Leitung der Fachstelle Bevölkerungsschutz im kantonalen Amt für Bevölkerungsschutz und Armee. Deshalb trat er nach 30 Jahren in der Feuerwehr Weinfelden, wovon 15 Jahre im Kommando und 8 Jahre als Kommandant, zurück. Am Montag luden ihn Stadtrat Hans Eschenmoser und Feuerwehrkommandant Jürgen Bröll noch einmal nach Weinfelden ein, um ihm für das Geleistete zu danken. Eigentlich hätte dies im Rahmen des jährlichen Schlussrapports stattfinden sollen, aber dieser kann heuer nicht durchgeführt werden.

Demokratische Entscheide im Kommando

Rückblickend lobt Stefan Jünger die Zusammenarbeit im Kommando der Feuerwehr Weinfelden. «Wir haben Entscheide immer demokratisch getroffen, da wurde auch ich als Kommandant mal überstimmt – und das ist gut so», sagt der 52-Jährige.

«Es gibt andere Feuerwehren, wo der Kommandant einfach befiehlt – und das bringt manchmal Probleme mit sich.»

Der für die Feuerwehr Weinfelden zuständige Stadtrat Hans Eschenmoser lobt Stefan Jünger in seinen Dankesworten. «Du hast viel geleistet, viel bewegt und die Feuerwehr vorangetrieben», sagt Eschenmoser. «Auch das anspruchsvolle Projekt Sicherheitszentrum hast du erfolgreich betreut.» Da Jünger der erste Feuerwehrkommandant mit einer 50-Prozent-Festanstellung und entsprechend üblichen drei Monaten Kündigungsfrist war, sei es nicht einfach gewesen, schnell einen Nachfolger zu finden.

Stefan Jünger bei einer seiner ersten Grossübungen als Kommandant im August 2013.

Stefan Jünger bei einer seiner ersten Grossübungen als Kommandant im August 2013.

Bild: Mario Testa
«Es war ein Glücksfall, dass wir mit Jürgen Bröll in so kurzer Zeit einen Nachfolger gefunden haben.»

Da mit Jürgen Bröll der Stellvertretende Kommandant nachrückte, gab es wiederum eine Vakanz auf diesem Posten. Laut Hans Eschenmoser ist es jedoch gelungen, diese zu füllen. Roman Forster ist neu Stellvertreter.

Ein durchschnittliches Einsatzjahr

Auch Jürgen Bröll lobt seinen Vorgänger Stefan Jünger am Montagabend im Sicherheitszentrum Weinfelden. «Deine Leistung war enorm. Und deinen Führungsstil haben wir immer geschätzt. Du warst umgänglich und kollegial.» Sowohl im Bereich der Neubeschaffung als auch bei der Reorganisation habe Jünger grosses geleistet. Als Geschenk gibt es für ihn eine Glaskaraffe, einen Hotelgutschein und ein grosses Lego-Technik-Set mit nach Hause.

Stefan Jünger packt vor den Augen der Kommandomitglieder sein Abschiedsgeschenk aus.

Stefan Jünger packt vor den Augen der Kommandomitglieder sein Abschiedsgeschenk aus.

Bild: Mario Testa

Bröll zieht eine positive Bilanz über das Jahr 2020. «Wir hatten mit 49 Einsätzen exakt gleich viele wie im Vorjahr. Es war also ein ausgewogenes Einsatzjahr.» Mit den seit Herbst ausgesetzten Übungen will der Feuerwehrkommandant bald möglichst wieder anfangen.

«Im Januar haben wir noch keine Termine, aber danach soll es in Kleingruppen wieder losgehen. Ich hoffe, dass wir im März wieder in gewohnter Art üben können.»

Er merke schon, dass die lange Pause aufgrund der Coronasituation schwierig sei für die Mitglieder der Feuerwehr. «Die Kameradschaft fehlt uns allen. Aber ich spüre eine grosse Solidarität und wir haben auch keine Coronabedingten Austritte zu verzeichnen.»

Über den vom Stadtparlament genehmigten Kredit für ein neues Tanklöschfahrzeug freut sich Bröll. Die Vergabe an die Sirnacher Firma Brändle sei bereits erfolgt, den anderen beiden Offerierenden eine Absage erteilt worden. Aber nun müsse noch die Einsprachefrist abgewartet werden. «Ich hoffe, dass wir aber noch in diesem Jahr unser neues Tanklöschfahrzeug ausgeliefert bekommen.»

Unterbestand bleibt

Der Feuerwehr fehlen zwei Dutzend Leute

Im vergangenen Jahr sind neun Personen neu zur Feuerwehr Weinfelden dazu gestossen, zwölf traten aus. Somit hat sich der Unterbestand weiter verschärft, anstatt der idealen Besetzung mit 137 Männern und Frauen, stehen aktuell nur 113 im Dienst. Im Verkehrszug fehlen somit vier Personen und in den Zügen eins und zwei je elf. Nur das Kommando, die Stabsdienste und der Stabszug sind komplett respektive überbesetzt.