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Abgetretener Stadtpräsident Andreas Balg im Abschiedsinterview: «Ich bereue nichts»

Anfeindungen, Einzelinteressen und die langsamen Prozesse in der Politik: Der frühere Stadtpräsident von Arbon Andreas Balg ist trotz allem der Ansicht, dass ihn die Erfahrungen rund um das Amt bereichert hätten.
Tanja von Arx

Sie waren nicht eben begeistert, als Sie die Anfrage für dieses Interview erhielten.

Ja, das stimmt.

Wieso denn nicht?

Weil ich der Meinung bin, dass es so viel anderes Interessantes über Arbon zu berichten gibt. Und dass vor allem nun die Neuen im Rampenlicht stehen sollten.

In unserer Zeitung werden gerade alle abtretenden Politiker verabschiedet. Sie gaben indes schon Anfang letzten Jahres bekannt, dass Sie sich nicht für eine weitere Legislatur zur Verfügung stellen würden. Haben Sie diesen Entscheid einmal in Frage gestellt?

Nein. Es gibt aus meiner Sicht kein Zurück, nur ein Vorwärts. Für mich war es ein schwieriger, aber letztlich klarer Entscheid, ein differenziertes Abwägen zwischen der einmaligen, vielseitigen und herausfordernden Aufgabe, wie ich diese verstehe und ausführe, und all dem, was man dafür in Kauf nehmen muss.

Um es auf den Punkt zu bringen: Sie gingen damals wegen Anfeindungen, auch Einzelinteressen spielten eine Rolle und die langsamen Prozesse in der Politik.

Die Formulierung «Anfeindungen» stammt nicht von mir. – Ich muss sagen, dass ich die Aufgabe sehr gerne wahrgenommen habe. Ich bereue nichts, konnte einmalige Erfahrungen sammeln und die haben mein Leben definitiv bereichert.

Von wem stammt die Formulierung dann? Und welches waren im Detail die Gründe für Ihren Entscheid?

Der Ausdruck stammt von der FDP. Meine Entscheidung basiert letztendlich auf einer Vielzahl von Aspekten und ich will diese nicht aufzählen oder begründen müssen. Unterschiedlicher Meinung zu sein, sich zu äussern, für seine Idee zu kämpfen ist allerdings Teil des politischen Systems und auch normal – in jeder Gemeinde.

Sind besagte, eher unschöne Vorkommnisse auch auf Ihr privates Umfeld übergeschwappt?

Bei dieser Art von Aufgabe ist das persönliche Umfeld immer involviert, das lässt sich gar nicht vermeiden. Die Frage ist: Wie geht es damit um?

Wie ist es denn damit umgegangen? Nicht so gut? Oder hatten Sie dementsprechend den Eindruck?

Es tut mir Leid, aber ich werde an dieser Stelle keine weiteren Angaben zu meinem Umfeld machen.

Was vermissen Sie in diesem Sinne und im Einzelnen nicht?

Es hat alles dazugehört und war gut so.

Gibt es anderes? Was macht das Amt, was macht Arbon aus?

Die Aufgabe als Stadtpräsident ist sehr vielseitig und herausfordernd wie kaum eine andere. Arbon ist für mich nach wie vor das schönste Städtchen am Schweizer Obersee, und zwar noch mit einigen Entwicklungsmöglichkeiten. Ich hatte denn auch genau eine solche Aufgabe gesucht, und dem Stadtrat sowie mir ist in den letzten Jahren einiges gelungen: Etwa die Entwicklung beim Saurer WerkEins und Zwei, der Abschluss des Schutzplans sowie zahlreicher Gestaltungspläne und vor allem, dass die Rechnung 2018 mit einem deutlichen Plus abgeschlossen hat.

Wie geht es weiter? Man hört, Sie seien umgezogen.

Unser älterer Sohn ist vor zwei Monaten mit seiner Freundin aus der Wohnung in Scherzingen ausgezogen, die mir und meiner Frau gehört. Da das Dorf deutlich näher am Arbeitsort meiner Frau liegt, wohnen wir beide seit Mitte Juni da.

Und was haben Sie beruflich im Sinn? Wollen Sie zurück in die Wirtschaftsförderung, auf der Sie bis zu den Wahlen tätig waren?

Ich habe mich noch nicht festgelegt. Spannende Gespräche sind nach unserer Rückkehr aus den Ferien geplant. Ich bin in der glücklichen Lage, dass mir alle bisherigen Aufgaben sehr viel Spass gemacht haben.

Sie sind in den Sommerferien? Wohin geht die Reise, und wie lange bleiben Sie?

Wir haben uns nicht festgelegt, sondern entscheiden situativ. Wir gehen mit dem Auto der Sonne nach, haben unsere Fahrräder und ich mein Kajak dabei. Die vergangenen Tage verbrachten wir in den Bergen, im Montafon. Seit Samstag verweilen wir am Comersee und anschliessend entscheiden wir wiederum spontan, nach Lust, Möglichkeit und Laune. Unterwegs sind wir noch bis Mitte Juli.

Können Sie Berufsrichtungen nennen, nach denen Sie sich orientieren?

Nein, ich will frei bleiben.

Um das Ganze abzurunden: In Arbon sind Wechsel von Stadtpräsidenten nicht selten. Vor Ihnen überwarf sich Giosch Sgier mit dem Stadtrat, Lydia Buchmüller verhandelte ihren Rücktritt über den Anwalt und Martin Klöti zog es in den St.Galler Regierungsrat. Wird es unbeständig bleiben? Wo liegt Ihrer Meinung nach das Problem?

Ich würde mein Amtende als regulär bezeichnen. Die Amtszeit von Giosch Sgier und Lydia Buchmüller lässt sich nicht mit den Beiträgen von Martin Klöti und mir vergleichen. Wie sich Arbon weiterentwickelt, wird sich zeigen. Ich würde ausserdem nicht von einem Problem sprechen, sondern eher von Herausforderungen. Letztlich sind diese ein Teil von Arbon und das, was der Stadt ihren Charakter gibt.

Hat Ihr Nachfolger Dominik Diezi das Zeug dazu, das Ruder herumzureissen?

Ich wünsche dem neuen Stadtrat alles Gute und würde mich sehr freuen, wenn dieser ganz viele Erfolge erzielen kann.

Zu Dominik Diezi wollen Sie nicht mehr sagen?

Ich kenne ihn nicht gut genug, um hier eine Einschätzung abgeben zu können. Ich bin aber der Meinung, dass man ihm die Chance geben sollte, sich zu beweisen.

Worauf ist er von Seiten der Bevölkerung angewiesen?

Die grössten Erfolge erzielt man, wenn alle Instanzen zusammenspielen. Also: Neben der Bevölkerung das Stadtparlament, der Stadtrat und die Verwaltung, um nur die direkt involvierten zu nennen. – Es braucht immer alle.

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