Glosse
Abbruchstimmung

In Weinfelden und Bussnang werden derzeit Häuser abgebrochen. Wie das herbstliche Laub fallen die Ziegel- und Backsteine von den dereinst so stattlichen Mauern.

Sabrina Bächi
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Sabrina Bächi, Redaktorin Thurgauer Zeitung, Region Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

Sabrina Bächi, Redaktorin Thurgauer Zeitung, Region Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

Wie die Blätter im Herbst fallen derzeit Ziegelsteine in der Region. Häuser verschwinden, wie der Morgentau wenn die Sonne aufgeht. In Bussnang muss nur das De Boni Haus daran glauben, in Weinfelden eine ganze Siedlung. Die Dimensionen zwischen Stadt und Dorf treten hier besonders deutlich zu Tage.

Beide Liegenschaften sind Erbstücke. Das eine gehörte einst dem Dorfgärtner, welcher sein Heim der Katholischen Kirchgemeinde vermachte. Die Siedlung ist Erbgut unserer Zeitgeschichte und Zeuge einer Zeit, in der Patrons ihren Arbeiterfamilien günstigen Wohnraum zur Verfügung stellten.

Nun treten jedoch die Unterschiede zu Tage: Während in Bussnang nur 22 Personen über den Abbruch bestimmten, sind es in Weinfelden etwa so viele, die den Abbruch der Siedlung im Thurfeld verhindern möchten. Während in Bussnang das Haus ohne grosses Aufsehen verschwindet, geht die Arbeitersiedlung mit Pauken und Trompeten, oder besser, mit zwei Volksinitiativen unter.

Während die Städter genau wissen, was denn auf dem wertvollen bisschen Land entstehen soll, ist dies im Dorf noch längst nicht klar. Es herbstet also auch bei den Häusern.

Der Häuserwald lichtet sich und wie altes Laub werden die unbrauchbaren Gebäude fallen gelassen. Es wird sich zeigen, ob der Frühling ein Erblühen neuer Häuser mit sich bringt.