Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Abbruchbewilligung für ein wertvolles Haus

Die Gemeinde Weinfelden hat für das Möschingerhaus bereits einen Abbruch bewilligt. Doch der Heimatschutz rekurriert nun. Der Grund: Mittlerweile hat der Kanton das Haus als wertvoll eingestuft.
Sabrina Bächi
Rechts das Möschingerhaus. Es soll abgebrochen werden, obwohl der Kanton es für wertvoll erachtet.

Rechts das Möschingerhaus. Es soll abgebrochen werden, obwohl der Kanton es für wertvoll erachtet.

Die Gemeinde Weinfelden ist in Abbruchstimmung. Gleich bei zwei Projekten stehen der Heimatschutz und die Gemeinde derzeit auf Kriegsfuss. Bei der Thurfeldsiedlung wird gar mit einer Initiative versucht, den Abbruchentscheid rückgängig zu machen (unsere Zeitung berichtete). Beim zweiten Fall rekurriert der Heimatschutz gegen den Abbruchentscheid des Möschinger Hauses an der Felsenstrasse. Vor knapp zwei Jahren zügelte das Elektro-Geschäft in das Industriegebiet West. Seither steht das Haus im Dorfzentrum leer. Das Abbruchgesuch wurde vom Eigentümer schon lange eingereicht. Ein Baustart konnte jedoch noch nicht erfolgen. Daher musste der Besitzer ein Verlängerungsgesuch bei der Gemeinde beantragen. Die Situation rund um den Erhalt des Hauses hat sich aber entscheidend geändert.

Die Ausgangslage hat sich geändert

«Wenn die Gemeinde über einen Abbruch entscheiden muss, so gilt es, mehrere Fakten zu beachten», sagt Martin Belz, Chef Bauamt der Gemeinde Weinfelden. Zum einen gebe es das Hinweisinventar des Kantons, woraus sich das eigentümerverbindliche Schutzverzeichnis der Gemeinde ableitet. Zum anderen, erklärt Belz, seien auch öffentliche Interessen und das Interesse des Bauherrn zu beachten. Als das Abbruchgesuch vor zwei Jahren bei der Gemeinde einging, war das Möschingerhaus im kantonalen Hinweisinventar als «Gesamtform erhaltenswert» notiert, was einen Abbruch zulässt.

Korrekterweise hat die Gemeinde das Gesuch an den Kanton weitergeleitet. Ebenfalls wurde der Thurgauer Heimatschutz informiert. Dieser hat damals nichts gegen den Abbruch unternommen. Der Grund: «Es ist fast chancenlos bei einem Gebäude, das nicht als schützenswert eingestuft ist, Rekurs einzureichen», erklärt Gianni Christen, Geschäftsleiter des Heimatschutzes, das Vorgehen. Als aufgrund des Abbruchgesuchs die kantonale Denkmalpflege eine erneute Prüfung der Einstufung wünschte, genehmigte dies die Gemeinde.

«Für das Hinweisinventar Bauten werden die Gebäude meistens nur von aussen betrachtet und beurteilt. Liegt ein Abbruchgesuch vor, kann die Gemeinde oder das Amt für Denkmalpflege eine Einstufungsüberprüfung vorschlagen», sagt Stephan Kraus, vom Amt für Denkmalpflege. Ein übliches Vorgehen also. Doch die Überprüfung änderte die Ausgangslage.

Innen historisch wertvoll

«Die Begehung zeigte, dass im Haus noch sehr vieles erhalten ist, was den Wert des Gebäudes steigert», sagt Kraus. Das Fazit: Unter anderem macht die bauzeitliche Ausstattung die Liegenschaft zu einem erhaltenswerten Bauwerk. Im Hinweisinventar ist das Gebäude deshalb von «bemerkenswert» auf «wertvoll» aufgestuft worden. Trotz dieser Heraufstufung hat die Gemeinde das Abbruchgesuch am 22. März 2016 bewilligt. Der Heimatschutz fordert aber von der Gemeinde, das Gebäude unter Schutz zu stellen. Kraus wägt ab: «Die Denkmalpflege legt mit der fachlichen Beurteilung die Grundlage für eine umfassende Interessensabwägung. Wird ein Gebäude als wertvoll eingestuft, so muss die Gemeinde eine Unterschutzstellung prüfen.»

Der Heimatschutz hat gegen den Abbruch im April 2016 Einsprache bei der Gemeinde eingereicht – allerdings nichts erreicht. Was den Stein nun erneut ins Rollen bringt, ist der Umstand, dass das Abbruchgesuch nach zwei Jahren vom Bauherr verlängert werden muss. Der Heimatschutz rekurriert gegen den Abbruch, diesmal konkreter noch gegen die Verlängerung des bestehenden Abbruchentscheids der Gemeinde.

«Weinfelden hat aus meiner Sicht oft einen liederlichen Umgang mit seiner historischen Bausubstanz.» Gianni Christen, Geschäftsleiter Thurgauer Heimatschutz

«Wegen der veränderten Ausgangslage muss die Gemeinde den Abbruchentscheid widerrufen und das Möschingerhaus unter Schutz stellen», fordert Christen. Eine Kompromiss- lösung mit dem Erhalt des Gebäudes und einem Anbau im hinteren Teil des Grundstücks wäre jedoch aus Sicht des Heimatschutzes möglich.

Die Gemeinde jedoch steht hinter seinem Entscheid. «Die Gemeinde muss das Hinweisinventar des Kantons beachten. Eine Änderung heisst nicht, dass wir diese eins zu eins übernehmen müssen. Der Gemeinderat muss die Interessen abwägen und eine allfällige Differenz begründen», sagt der Bauamtschef. Er moniert, dass während des Spiels die Regeln geändert wurden. Dies sei eine ungünstige Lage, auch für die Interessen des Bauherrn, welche nicht ignoriert werden dürfen, sagt Belz.

Über den Rekurs muss nun das Departement für Bau und Umwelt entscheiden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.