85 Strafminuten in einer Aktion: Der HC Thurgau kehrt mit Gebrüll in die Serie gegen Visp zurück

Der HC Thurgau zeigt im zweiten Viertelfinalspiel Playoff-Eishockey erster Güte und gewinnt gegen den EHC Visp verdient 2:1. Die Mannschaft von Trainer Stephan Mair zahlt für den Erfolg aber einen hohen Preis.

Matthias Hafen
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Topskorer Melvin Merola (hier gegen Visps Nils Berger) war eine der treibenden Kräfte beim 2:1-Heimsieg der Thurgauer.

Topskorer Melvin Merola (hier gegen Visps Nils Berger) war eine der treibenden Kräfte beim 2:1-Heimsieg der Thurgauer.

Bild: Mario Gaccioli

Am Ende war die Erleichterung allen anzusehen. Trainer Stephan Mair, der seinem Assistenten Beni Winkler am liebsten um den Hals gefallen wäre. Den Thurgauer Fans, die in den hektischen Schlussminuten zitterten, bibberten, und ihr Team mit ihrem lautstarken Support irgendwie über die Runden trugen. Aber auch den HCT-Spielern, die an diesem Abend grössten Einsatz zeigten und damit die Playoff-Serie gegen Visp so richtig lancierten.

Am Ende gewann Thurgau das zweite Playoff-Spiel gegen den EHC Visp vor heimischer Kulisse 2:1. Damit steht es in der Best-of-seven-Serie 1:1. Und beim dritten Aufeinandertreffen am Sonntag um 17.30Uhr in der Lonza-Arena sind vor allem wieder die Walliser gefordert. Der HC Thurgau hat seinen Teil fürs erste erfüllt und stark auf die 1:4-Auftaktniederlage reagiert.

Thurgau lässt fast keine Visper Torchancen zu

Vor 1459 Zuschauern in Weinfelden kamen die Leuen mit Gebrüll aus der Kabine. Von Anfang an erspielte sich der HCT ein Chancenplus, powerte auf das Visper Tor, was das Zeug hielt und deckte Reto Lory im gegnerischen Tor mit Schüssen ein. So geht Playoff-Eishockey. Nur: Ein Tor wollte lange wieder nicht fallen. Bis zur Spielmitte. Dann verwertete Frantisek Rehak einen bei Lorys Unterarm durchgekullerten Puck zum 1:0. Der satte Schuss war von Andri Spiller gekommen. Thurgau führte und brachte die Visper mit seinem gewohnt kompakten und kontrollierten Spiel zur Verzweiflung.

Je länger die Partie im Mitteldrittel dauerte, umso mehr verloren die Gäste die Nerven. Auch, weil sie im Gegensatz zum Auftaktspiel am Mittwoch kaum mehr Torchancen zugestanden bekamen. Mit dem Frust im Bauch zeigte der Walliser Löwe dann seine ganz hässliche Fratze. In der 36. Minute checkte Visps Topskorer Marc Steiner Thurgaus Niki Altorfer so schwer und regelwidrig von hinten in die Bande, dass Altorfer regungslos liegenblieb.

Altorfer fällt wohl länger aus

Die grobe Unsportlichkeit passierte auf Höhe der Visper Spielerbank, wo kein Plexiglas montiert ist. Patrick Spannring und Bernhard Fechtig rächten darauf ihren Teamkollegen und zettelten eine kurze aber heftige Massenschlägerei an. Die Folge: 85Strafminuten inklusive drei Restausschlüsse gegen Thurgaus Fechtig sowie die Visper Steiner und Spinell. Der gefoulte Altorfer musste anschliessend von zwei Betreuern gestützt vom Feld geleitet werden und kam bis zum Schluss nicht mehr zum Einsatz. Sein Zustand sah so schlecht aus, dass er am Sonntag im Wallis nicht wieder zurückzuerwarten ist – vielleicht in der ganzen Serie nicht mehr.

Das ist sehr bedauerlich, weil der HC Thurgau mit dem ersten Heimspiel so richtig im Best-of-seven gegen Visp angekommen ist. Topskorer Melvin Merola hämmerte wie schon in Visp im Powerplay einen Puck ins gegnerische Tor. Nach 42 Minuten führte der HCT 2:0. Dass mit Visp aber zu rechnen bleibt, zeigte der späte Anschlusstreffer durch Anton Ranov (53.). Sein 1:2 führte zur nervenaufreibenden Schlussphase.

Thurgau – Visp 2:1 (0:0, 1:0, 1:1)

Güttingersreuti, Weinfelden – 1459 Zuschauer – SR Borga/Fausel, Steenstra (CAN)/Haag.
Tore: 30. Rehak (Spiller) 1:0. 43. Merola (Kellen Jones, Spiller/Ausschluss Petrig) 2:0. 53. Ranov (Ritz, Furrer) 2:1.
Strafen: 8-mal 2 Minuten plus 5 Minuten (Fechtig) plus Spieldauer (Fechtig) gegen Thurgau, 6-mal 2 Minuten plus 2-mal 5 Minuten (Steiner, Spinell) plus 2-mal Spieldauer (Steiner, Spinell) gegen Visp.
Thurgau: Schwendener; Seiler, Parati; Fechtig, Scheidegger; Collenberg, Engeler; Kellen Jones, Connor Jones, Spiller; Spannring, Rehak, Altorfer; Janik Loosli, Rundqvist, Merola; Hobi, Brändli, Hollenstein; Frei, Bischofberger.
Visp: Lory; Camperchioli, Nater; Steiner, Heynen; Wiedmer, Furrer; Haueter, Brantschen; Josephs, Van Guilder, Dolana; Riatsch, Ritz, Ranov; Berger, Achermann, Spinell; Burgener, Hofstetter, Petrig.
Bemerkungen: Thurgau ohne Moser, Wildhaber (beide verletzt), Steinauer, Huber, Kellenberger, Niedermaier, Schnetzer (alle überzählig) und Zanzi (MySports League). Visp ohne Brügger, Haberstich (beide verletzt) und Zeiter (überzählig). – 18. Tor von Rundqvist aberkannt (Offside). – Visp ab 58:02 ohne Goalie. – 58:27 Time-out Visp.