44 Sekunden im siebten Himmel: Die Pikes Oberthurgau haben im Cupspiel gegen den HC Lugano eine Sternstunde

Zwischen der 1:0-Führung der Pikes und dem 11:1-Sieg des HC Lugano liegt ein Romanshorner Cupfest. Die Amateur-Eishockeyaner aus dem Thurgau tragen mit einer beherzten Leistung massgeblich dazu bei. Bei Spielmitte war die Partie noch offen.

Matthias Hafen
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Die 1.-Liga-Eishockeyaner der Pikes Oberthurgau machten den Profis des HC Lugano das Leben lange Zeit schwer.

Die 1.-Liga-Eishockeyaner der Pikes Oberthurgau machten den Profis des HC Lugano das Leben lange Zeit schwer.

Mario Gaccioli

Nur wenigen Teams wird applaudiert, wenn sie 1:11 verlieren. Die Ovationen der gut 500 Zuschauer hatten sich die Pikes Oberthurgau am Sonntagabend im Cup-Sechzehntelfinal im Romanshorner EZO aber trotz der Kanterniederlage redlich verdient. Gegen den grossen HC Lugano aus der National League verkaufte der Thurgauer 1.-Liga-Klub seine Haut teuer.

Der Aussenseiter hatte gar eine Sternstunde, als Verteidiger Marcel Huber nach gut vier Minuten im Powerplay das 1:0 für die Heimmannschaft erzielte. Perfekter hätte man das Cupfest nicht lancieren können. «Es ist schon geil, wenn einem gegen eine solche Mannschaft so etwas gelingt», sagte der 21-jährige Torschütze nach der Partie. «Einmal selber gegen die Profis anzutreten, die man sonst im Fernsehen verfolgt, sie zu checken und auch mal auszuspielen, das ist grossartig», so Huber, der vergangene Saison noch zum HC Thurgau gehört hatte.

Verteidiger Marcel Huber (links) erzielte das 1:0 für die Pikes Oberthurgau.

Verteidiger Marcel Huber (links) erzielte das 1:0 für die Pikes Oberthurgau.

Mario Gaccioli

Einziges Amateurteam, das noch spielen durfte

Die Pikes hatten die volle Aufmerksamkeit schon vor der Partie, waren sie doch das einzige Amateurteam im Schweizer Eishockey, das am Sonntag noch spielen durfte. Für alle anderen wurde die Meisterschaft coronabedingt am Freitag unterbrochen. Doch der Schweizer Cup gehört eben zum grossen Zirkus.

In dieser Manege kassierten die Pikes nur 44 Sekunden nach dem Führungstreffer das 1:1, und weitere 84 Sekunden später lagen sie bereits in Rückstand. Doch Lugano reiste auch mit einer kompetitiven Mannschaft an. Im Vergleich zum NLA-Spiel vom Freitag gegen Davos war nur Ersatzgoalie Davide Fadani neu in der Startaufstellung, und Reto Suri fehlte. Sonst bekam das Publikum das «richtige» Lugano zu sehen, was von Respekt gegenüber den Pikes zeugt.

Pikes-Goalie Michal Chmel stellte sein Können mehrfach unter Beweis.

Pikes-Goalie Michal Chmel stellte sein Können mehrfach unter Beweis.

Mario Gaccioli

«Ich glaube, ich habe sie aus dem Spiel genommen»

So kassierte der starke Erstligist mit der Zeit Tor um Tor. Allerdings hiess es bei Spielmitte erst 1:3 aus Sicht der Pikes. Das war auch Goalie Michal Chmel zu verdanken. «Sie dachten wohl, sie könnten uns in den ersten Minuten überfahren. Aber ich glaube, ich habe sie ein bisschen aus dem Spiel genommen», sagte der Tscheche mit einem Lächeln. Auf das Spiel gegen die NLA-Profis hatte er sich gefreut. «Das ist die beste Schule für einen Goalie», so der 24-Jährige, der 2015/16 bei den neu gegründeten Ticino Rockets gespielt hatte. Sieben Treffer kassierte Chmel in 51 Minuten, dann machte er Raphael Imhof Platz. In der 54. Minute wäre Adam Stepanek fast ein zweiter Treffer für die Thurgauer gelungen. Doch er traf nur die Latte.

Kaum ein Sitz blieb leer im Romanshorner EZO.

Kaum ein Sitz blieb leer im Romanshorner EZO.

Mario Gaccioli

Die Antrittsprämie von 20'000 Franken verbrauchten die Pikes zwar fast schon mit dem coronabedingten, zweimaligen Verschieben des Spiels. Doch konnten sie ihrem Publikum das erwünschte Cupfest bieten – auf und neben dem Eis.

Pikes Oberthurgau – Lugano 1:11 (1:3, 0:2, 0:6)

EZO, Romanshorn – 503 Zuschauer.
Tore: 5. (4:24) Huber (Jeitziner, Malici/Ausschluss Haussener) 1:0. 6. (5:08) Antonietti (Ugazzi) 1:1. 7. (6:32) Kurashev (Antonietti) 1:2. 11. Morini (Romanenghi, Antonietti) 1:3. 33. Lammer (Loeffel) 1:4. 36. Carr (Kurashev) 1:5. 47. Bodker (Kurashev) 1:6. 52. Kurashev (Walker) 1:7. 55. (54:53) Carr (Arcobello) 1:8. 57. (56:09) Loeffel (Bodker, Haussener) 1:9. 57. (56:24) Herburger (Loeffel, Bürgler) 1:10. 59. Kurashev (Fazzini) 1:11.
Strafen: je 2-mal 2 Minuten.
Pikes Oberthurgau: Chmel (ab 51:30 Imhof); Stäheli, Curschellas; Jeitziner, Huber; Sury, Maier; Araujo, Noser, Grigioni; Ungemach, Malgin, Malici; Heisig, Hausammann, Germann; Haselbach, Stepanek.
Lugano: Fadani; Riva, Heed; Wolf, Loeffel; Chiesa, Nodari; Ugazzi, Antonietti; Carr, Arcobello, Fazzini; Haussener, Kurashev, Bodker; Lammer Herburger, Bürgler; Romanenghi, Morini, Walker.