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365 Tage im Jahr stehen sie in Amriswil bereit

5 Uhr morgens: Es ist ruhig beim Rettungsdienst. Er steht rund um die Uhr zur Verfügung. Knapp neuntausend Einsätze gab es im Kanton Thurgau im vergangenen Jahr. Die Sommerserie macht Halt bei den Rettungssanitätern.
Yvonne Aldrovandi-Scläpfer
Standortleiter Jürgen Häberli und die Rettungssanitäter Nicole Schwarzentruber und Christian Veit. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Standortleiter Jürgen Häberli und die Rettungssanitäter Nicole Schwarzentruber und Christian Veit. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Morgens um 5 Uhr: «Wir hatten einen Einsatz – und diesen bereits am Abend», erzählt Nicole Schwarzentruber, während sie ihren Morgenkaffee nippt. Zusammen mit Christian Veit stand sie in der vergangenen Nacht einsatzbereit auf der Basis Amriswil des Rettungsdienstes der Spital Thurgau. Die beiden Rettungssanitäter haben ruhige Stunden hinter sich. Dies sei nicht immer so. «Manchmal gibt es Nächte, in denen wir praktisch im Dauereinsatz stehen», sagt Nicole Schwarzentruber.

«Wie verlief die vergangene Nacht», erkundigt sich Jürgen Häberli, Rettungssanitäter und Standortleiter des Rettungsdienstes Münsterlingen und Amriswil, der soeben mit der Arbeit beginnt. Nicole Schwarzentruber erzählt, dass sie zu einer Familie mit einem zwei Monate alten Baby mit Atemnotproblemen gerufen wurden. Nach der Erstversorgung durch den Notarzt und die beiden Rettungssanitäter wurde der Säugling zur weiteren Abklärung mit dem Rettungswagen in die Kinderklinik des Kantonsspitals Münsterlingen gefahren. «Da es sich um einen sehr jungen Patienten handelte, wurde auch sofort der Notarzt aufgeboten», erklärt Nicole Schwarzentruber. Der Notarzt komme bei allen vital bedrohten Patienten zum Einsatz. Das Baby habe dann Sauerstoff bekommen und die Sauerstoffsättigung sei gemessen worden. Glücklicherweise habe der Säugling sich relativ schnell erholt. Nach diesem Einsatz konnten sich die Rettungssanitäter, die seit sechs Uhr abends im Dienst sind, hinlegen.

80 Personen stehen im Schichtbetrieb im Einsatz

Das Rettungsdienst-Team der Spital Thurgau setzt sich zusammen aus diplomierten Rettungssanitätern, Rettungssanitätern in Ausbildung, Transportsanitätern und Notärzten. Insgesamt sind es 80 Personen, die für die Menschen im Kanton Thurgau und der Umgebung im Schichtbetrieb im Einsatz stehen. In rund 20 Prozent der Einsätze wird das Team des Rettungsdienstes vom Notarzt vervollständigt. Dieser wird bei entsprechender Indikation direkt von der Sanitätsnotrufzentrale 144 oder durch die im Einsatz stehende Crew aufgeboten.

Die Rettungsdienst-Einsatzbasen sind in Amriswil, Frauenfeld, Münsterlingen, Sirnach und Weinfelden. Der Fahrzeugpark besteht aus acht Rettungswagen sowie zwei Notarzteinsatzfahrzeugen. In der Basis Amriswil sind nachts zwei Rettungssanitäter mit einem Rettungswagen abrufbereit, tagsüber sind es vier Leute mit zwei Fahrzeugen.
Jürgen Häberli blickt auf eine langjährige Berufserfahrung beim Rettungsdienst zurück. «Ich arbeite seit 25 Jahren hier und hatte in all diesen Jahren etwa 9 000 Einsätze», weiss der 56-jährige Standortleiter. Die Notrufnummer 144 – für alle medizinischen Notfälle – werde heute viel schneller gewählt als früher. Denn die Zahl der Leute, die keinen Hausarzt mehr hätten, steige. Häufig seien es junge Menschen.

Eine extreme Zerstörung eines Körpers

Im vergangenen Jahr gab es im ganzen Kanton insgesamt 8 985 Einsätze – rund 4 100 Einsätze betrafen die Basen Münsterlingen und Amriswil. Das Notarzteinsatzfahrzeug mit Notarzt wurde 1 777 Mal alarmiert. Gefahren wurden dabei total 348 738 Kilometer.
Rettungssanitäter treffen zwischendurch Situationen an, die auch sie belasten. Jürgen Häberli mag sich an seinen ersten Einsatz erinnern, bei dem es hiess: «Person vom Zug erfasst.» Was er dann angetroffen habe, sei viel schlimmer gewesen, als er sich das ausgemalt hatte. «Eine extreme Zerstörung eines Körpers, die man sich überhaupt nicht vorstellen kann.» Die Einsätze werden stets im Team besprochen.

Bei Bedarf stehe eine Peer-Gruppe zur Verfügung – aktive Rettungssanitäter mit einer Weiterbildung in psychologischer Ersten Hilfe bieten rasche Unterstützung in belastenden Situationen. Am schlimmsten seien Einsätze, bei denen Kinder verletzt oder schwer erkrankt seien, sind sich die drei Rettungssanitäter einig.
Jürgen Häberli erzählt, dass die Unaufmerksamkeit und Ablenkung im Strassenverkehr zugenommen habe. Immer mehr sei auch eine Respektlosigkeit gegenüber den Mitmenschen zu spüren. «Unfälle werden unangebracht von Fremden mit Smartphones oder sogar Flugdrohnen festgehalten.»

Hausgeburten sind etwas Schönes

Und welches sind die schönsten Erlebnisse in Ihrem Beruf? «Die Hausgeburten – dann, wenn wir mit der Hebamme ausrücken», sagt Jürgen Häberli mit einem zufriedenen Lächeln. Das Schöne am Beruf sei ausserdem, dass kein Arbeitstag wie der andere sei, erzählt Nicole Schwarzentruber. Und Christian Veit meint: «Jeder Tag bringt neue Herausforderungen. Zudem ist es befriedigend, Mitmenschen in akuten Notsituationen zu helfen.»

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