3:2-Heimsieg gegen Visp: Über diesen HC Thurgau staunt die ganze Swiss League

Mit nur einem Ausländer gewinnt der HCT auch gegen Visp 3:2 und verteidigt damit nach der fünften Runde die Spitzenposition in der Tabelle. Eine Überraschung gab es zwischen den Pfosten.

Matthias Hafen
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Patrick Brändli, Goalie Noël Bader und Sebastiano Soracreppa (von links) halten Puck und Gegner geschickt vom eigenen Tor fern.

Patrick Brändli, Goalie Noël Bader und Sebastiano Soracreppa (von links) halten Puck und Gegner geschickt vom eigenen Tor fern.

Bild: Mario Gaccioli

Der erste Härtetest ist bestanden. Und wie! Ohne seinen Captain, ohne zweiten Ausländer und ohne einen seiner Stammgoalies bodigte der HC Thurgau am Dienstag den EHC Visp zu Hause 3:2. Somit grüsst die Mannschaft von Trainer Stephan Mair auch nach fünf Runden von ganz zuoberst in der Swiss League.

Dass die Thurgauer bislang vergleichsweise schwache Gegner hatten (GCK Lions, EVZ Academy, Winterthur) und beim einzigen Brocken (La Chaux-de-Fonds) eine Niederlage nach Verlängerung resultierte, damit ist seit Dienstag Schluss. Denn mit Visp präsentierte sich in der Weinfelder Güttingersreuti eine Mannschaft, die konsequent den Weg aufs gegnerische Tor suchte und auch physisch eine echte Herausforderung war.

Rapperswils Goalie sammelt im Thurgau Spielpraxis

Nach dem 5:3-Sieg vom Sonntag in Winterthur stand etwas überraschend Noël Bader im Tor des HC Thurgau. Der 24-jährige Ersatzgoalie des NLA-Partnerklubs Rapperswil-Jona bekam den Vorzug gegenüber Nicola Aeberhard, der auf der Bank Platz nehmen musste. Bryan Rüegger derweil trainierte am Dienstag im Austausch mit Bader beim SC Rapperswil-Jona mit. Dass Rapperswils Bader beim HCT Spielpraxis sammeln kann, sei von den beiden Klubs vor Saisonbeginn abgemacht worden, sagte Thurgaus Goalietrainer Tim Bertsche. Dies vor allem in Anbetracht des gedrängten Coronaspielplans in der Swiss League. Ebenfalls seien bereits fixe Daten abgemacht. Aeber­hard und Rüegger wussten also im Voraus, dass sie gegen Visp Bader Platz machen mussten.

Die Rapperswiler Leihgabe spielte solide und bewahrte dem HCT vor allem gegen Ende der Partie mehrmals vor dem 3:3-Unentschieden. Bader hob sich mit seiner Leistung aber nicht speziell von den anderen Torhütern im Kader ab. Das könnte auch an der dezimierten Defensive der Thurgauer gelegen haben, die noch immer nach Stabilität sucht. Zwar kehrte der leicht verletzte Mischa Moor gegen Visp in die Aufstellung zurück, dafür pausierte Captain Patrick Parati sicherheitshalber eine weitere Partie. Die lange Verletztenliste (neu auch Janik Loosli) macht sich je länger je mehr bemerkbar – und das in der ganzen Aufstellung. So hatte man das Gefühl, der eine oder andere Spieler lief gegen die Walliser auf den Felgen. Allerdings machten die Thurgauer die abnehmende Spritzigkeit mit viel Einsatz und Kampf wett.

Und der HCT investierte seine Kraft schlau. Das Heimteam stieg mit einem Energieschub ins Spiel und erzielte nach nur 23 Sekunden das 1:0. Darcy Murphy traf zum ersten Mal in einem Ernstkampf für Thurgau.

Das 3:2, ein taktisches Meisterwerk

Als Visp die Partie zur ersten Pause gedreht hatte, zeigte sich, wie gefestigt die Mannschaft von Trainer Mair ist. Die neu formierte und bestens funktionierende Sturmlinie mit Murphy, Jason Fritsche und Fabio Hollenstein erzielte nach 23 Minuten das 2:2. Doch das Chef d’Oeuvre war das 3:2 durch Patrick Brändli (31.). Anstatt den ersten Stürmer anzuspielen, kam der Pass von aussen in den Rücken der zurückeilenden Visper Abwehr, so dass Brändli aus dem Rückraum das entscheidende Tor erzielen konnte.

Thurgau – Visp 3:2 (1:2, 2:0, 0:0)

Güttingersreuti, Weinfelden – 612 Zuschauer – SR Urban/Hendry, Kehrli/Duarte.
Tore: 1. (0:23) Murphy (Fritsche, Hollenstein) 1:0. 16. Josephs (Van Guilder, Sterchi) 1:1. 20. (19:01) Ritz (Van Guilder/Ausschluss Spannring) 1:2. 24. Fritsche 2:2. 31. Brändli (Scheidegger) 3:2.
Strafen: 3-mal 2 Minuten plus 10 Minuten (Spannring) gegen Thurgau, 3-mal 2 Minuten plus 10 Minuten (Brügger) gegen Visp.
Thurgau: Bader; Wildhaber, Soracreppa; Fechtig, Scheidegger; Schmuckli, Moor; Schnyder; Murphy, Fritsche, Hollenstein; Rehak, Rundqvist, Mosimann; Baumann, Brändli, Spannring; Lanz, Moser.
Visp: Rochow; Eggenberger, Wiedmer; Blaser, Pilet; Wyss, Furrer; Burren; Josephs, Van Guilder, Sterchi; Burgener, Ritz, Holdener; Ranov, Brügger, Merola; Haberstich, Hofstetter, Riatsch.
Bemerkungen: Thurgau ohne Hulak, Parati, Loosli, Bischofberger, Hobi (alle verletzt), Hagel (noch nicht einsatzbereit) und Rüegger (überzählig). Visp ohne Camperchioli, Berger, Lory, Heynen (alle verletzt), Steiner (gesperrt), Petrig, Haas, Lütolf und Spinell (alle überzählig). – 58:56 Time-out Visp, danach ohne Goalie.