30 Tage im Nebel: Ein Meteorologe erklärt, warum der Bodensee ein Nebelloch ist

Von Oktober bis Januar gibt es im Oberthurgau relativ viel Nebel. Laut Meteorologe Christoph Frauenfelder wird diese Nebelsuppe aber von Jahr zu Jahr dünner.

Christoph Frauenfelder
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In den Wintermonaten zeigt sich oft Hochnebel über dem Unterland. Aussicht vom Sitz Schwellbrunn AR.

In den Wintermonaten zeigt sich oft Hochnebel über dem Unterland. Aussicht vom Sitz Schwellbrunn AR.

Christoph Frauenfelder

Bei hohem Luftdruck sind die Windbewegungen ruhig. Dabei kühlen nachts bei klarem Himmel die bodennahen Luftschichten zügig aus. Ein Kaltluftsee bildet sich, die Luft kondensiert und es bildet sich Nebel. Nebel besteht, wie Wolken, aus feinsten Wassertröpfchen. Treffen sie bei Minustemperaturen auf Gegenstände wie Bäume, Sträucher, erstarren sie zu zauberhaftem Raureif.

«In den Wintermonaten steht die Sonne tief, ihre Kraft reicht kaum noch aus, um den Nebel tagsüber aufzulösen.»

Weht ausserdem die Bise aus Nordost über den See, wird der Kaltluftsee laufend genährt und eine Nebelauflösung ist fast ausgeschlossen. Um den Kaltluftsee auszuräumen wird ein markanter Wetterwechsel mit kräftigem Wind benötigt.

Christoph Frauenfelder, Meteorologe von der Wetterstation Fürstenland

Christoph Frauenfelder, Meteorologe von der Wetterstation Fürstenland

PD

Nur noch halb so viel Nebel

Von Nebel spricht man, wenn die Sicht weniger als einen Kilometer beträgt. Vor 100 Jahren verzeichnete die Region Oberthurgau 60 Nebeltage. 50 Jahre später waren es nur noch 50 Tage. Heute zeigen sich im langjährigen Durchschnitt (1991-2020) nur noch 30 Nebeltage. Davon entfallen je fünf Tage auf die Monate Oktober bis Januar. In den Sommermonaten ist Nebel äusserst selten.

«Es gab aber auch schon Wintermonate ohne Nebel.»

Die Reduktion des Schwefeldioxids um 75 Prozent in den letzten 30 Jahren führte zu einer deutlichen Abnahme der Nebelbildung. Diese Tendenz ist auch in anderen Regionen Europas ersichtlich.

Der Nebel hüllt den Kreuzlinger Hafen ein.

Der Nebel hüllt den Kreuzlinger Hafen ein.

Susann Basler

Die Nebellöcher

Das grösste Nebelloch in der Ostschweiz ist mit jährlich rund 30 Nebeltagen die Seeregion des Thurgau, sowie das Thurtal von Bischofszell bis Frauenfeld. Etwa 25 Nebeltage verzeichnet der Seerücken, das deutsche Bodenseeufer, der Hinterthurgau, das Fürstenland, das Zürcher Unterland, der Untersee und die Region Schaffhausen.

Die Region St. Gallen zählt pro Jahr nur noch 15 bis 20 Nebeltage. Das Appenzellerland steht mit 10 bis 15 Nebeltagen pro Jahr auf der sehr nebelarmen Seite. Dort schaut man oftmals bei schönstem Wetter auf das Nebelmeer hinunter.

Die Nebelpalette

Der Nebel kennt vielfältige Klassierungen. Wassernebel besteht aus Wassertropfen, Eisnebel aus Eiskristallen. Strahlungsnebel bildet sich, wenn bei nächtlicher Ausstrahlung die Temperatur bis zum Taupunkt sinkt und Kondensation einsetzt. Hierzu gehören Bodennebel, Talnebel und auch der Hochnebel. Ein anderer «Bildungsweg» nimmt der Advektionsnebel, wenn feuchtwarme Luft über eine kältere Unterlage (zum Beispiel eine Schneedecke) streicht und sich dabei bis zum Taupunkt abkühlt. Hierzu gehört auch der Küstennebel.

Mischungsnebel entsteht dann, wenn sich eine warmfeuchte Luftmasse mit einer kälteren mischt. Verdunstungsnebel bildet sich, wenn kalte Luft über warmes Wasser weht und Seerauch verursacht. Schließlich ist zwischen natürlichem und künstlichem Nebel (Aerosole wie Sand oder Rauch) zu unterscheiden.

Christoph Frauenfelder ist Meteorologe in der Wetterstation Fürstenland in Uzwil.