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2000 Arboner Arbeiter legten ihre Arbeit nieder

Vor 100 Jahren streikte ein Fünftel der Bevölkerung für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen. Eine Rückschau auf den Landesstreik.
Ramona Riedener
Arbon im Jahr 1910: Arbeiter verlassen nach Feierabend das Saurer Werk an der Schlossgasse. (Bild: PD)

Arbon im Jahr 1910: Arbeiter verlassen nach Feierabend das Saurer Werk an der Schlossgasse. (Bild: PD)

«Arbeiter! – Heraus zum Proteststreik!», appellierte vor rund 100 Jahren, am 7. November 1918, das Oltener Aktionskomitee (OAK) mit einem Flugblatt an die Arbeiterschaft des Landes. Es dauerte einen Tag, bis der Eilbrief mit dem Aufruf zum 24-stündigen Warnstreik in Arbon ankam. Dann aber liess der dortige Gewerkschaftssekretär Ernst Frei in aller Eile Flugblätter drucken und in den Arbeitersiedlungen und Fabriken verteilen.

Die Blitzaktion zeigte Wirkung. Am nächsten Morgen versammelten sich ein Fünftel der Bevölkerung, mehr als 2000 Arbeiterinnen und Arbeiter, auf der Engelwiese zum Proteststreik. Ihr Unmut richtete sich unter anderem gegen die Patrons und die zunehmende Verarmung der Arbeiterschaft. Dass ausgerechnet Soldaten aus dem thurgauischen Infanterieregiment 31 einbezogen wurden und nun die eigenen Landsleute mit Maschinengewehr in Schranken wiesen, sah die Arbeiterschaft als masslose Provokation. Während es in anderen Städten zu Ausschreitungen und gar Toten kam, verlief der Protesttag in Arbon ruhig.

Arbon entwickelt sich zur Arbeiterstadt

Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs haben die Kluft zwischen Bürgertum und Arbeiterschaft im ganzen Land verstärkt und die lohnabhängige Bevölkerung in tiefe Not geführt. Auch in Arbon, das sich im Laufe der industriellen Revolution von einer unbedeutenden Marktgemeinde in eine Industriestadt verwandelt hat, sind die sozialen Spannungen spürbar.

Hohe Lebenserhaltungskosten und niedrige Löhne führten bereits um die Jahrhundertwende zu Auseinandersetzungen zwischen den Patrons und der Arbeiterschaft. Im Kampf um mehr Lohn und besseren Arbeitsbedingungen kam es zu zahlreichen Streiks bei Firmen wie Saurer Werke, Giessereien Knöpfel und Vogt und anderen Textilbetrieben.

Der Landesstreik beginnt

Der landesweite 24-stündige Warnstreik sollte den Bundesrat zum sofortigen Rückzug des aufgebotenen Militärs zwingen. Doch der Plan schlug fehl und das OAK rief in Folge zum landesweiten Landesstreik auf. Dieser begann am 11. November 1918 nachts um 12 Uhr. Rund 250'000 Personen in der ganzen Schweiz folgten dem Streikaufruf und legten die Arbeit nieder. In Arbon streikten über 2000 Metallarbeiter der Saurer Werke und weiteren Betrieben

Der Acht-Stunden-Tag wird eingeführt

Als das OAK in der Nacht auf den 14. November 1918 unter Druck den Streikabbruch beschloss, sah es wie eine Kapitulation aus, denn zu diesem Zeitpunkt wurde auf keine der neun Forderungen eingegangen. Während das Frauenstimmrecht und die AHV noch einige Jahrzehnte Zeit brauchten, wurde bereits 1919 der Achtstundentag und somit die geforderte 48-Stunden-Woche eingeführt. Früchte trug der Generalstreik auch für die Sozialpartnerschaften und die sozialen Reformen.

Die Sonderausstellung «Leben in der Industriestadt Arbon um 1900» im Historischen Museum läuft bis zum 20. Dezember. Die Ausstellung ist jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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