20 bis 25 Millionen Franken gesucht: Die «Drachenburg» und das «Waaghaus» in Gottlieben sollen modernisiert und erweitert werden

Eine illustre Gruppe Thurgauer und Ostschweizer möchte mittels einer Stiftung die beiden Bijous am Seerhein kaufen und erweitern. 

Urs Brüschweiler
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Die Drachenburg (links) und das Waaghaus liegen direkt am Seerhein.

Die Drachenburg (links) und das Waaghaus liegen direkt am Seerhein. 

(Bild: pd)

«Bis jetzt sind alle begeistert von dieser Idee und arbeiten unheimlich engagiert und ernsthaft mit», sagt Peter Lindt. Der Kreuzlinger Rechtsanwalt hat eine Projektgruppe ins Leben gerufen. Ihr Ziel: Sie wollen die beiden traditionsreichen Gottlieber Baudenkmäler und Wahrzeichen langfristig erhalten. Und auch die Gastronomie und die Hotellerie sollen in der Drachenburg und dem Waaghaus nachhaltig gesichert werden. Zu diesem Zweck will man eine Stiftung gründen. Peter Lindt sagt: 

«Das ist eine der schönsten Ecken im Thurgau, wenn nicht die schönste.»

Aktiv wurde er, als er hörte, dass die aktuelle Besitzerin Anita Bischler-Hummel nach einer Nachfolgelösung Ausschau hält. Die Häuser müssen unbedingt in dieser Form erhalten werden, war man sich einig.

Peter Lindt versammelte mehrere Experten; beispielsweise den Amriswiler Investor Hermann Hess, Alfred Müller von der Stutz AG in Frauenfeld oder den ehemaligen Wolfsberg-Leiter Toni Schönenberger. Martin Bächer aus Gottlieben, Andrej Rudolf Jakovac aus Frauenfeld, Sabine Ruf aus Altnau, Ines Wattenhofer-Sigrist aus Rapperswil-Jona und der St. Galler Niklaus Knüsel als designierter Verwaltungsratspräsident des Stiftungsrates sind die weiteren Mitglieder der Projektgruppe. 

«Es ist eine äusserst kompetente Gruppe», schwärmt Lindt. Und es sei ihm ein Anliegen allen für ihr grosses Engagement zu danken.

Expertise der Hotelfachschule Luzern

Mit im Boot ist auch die Hotelfachschule Luzern. Sie hat die touristische und gastronomische Strahlkraft des Ensembles am Gottlieber Dorfplatz unter die Lupe genommen und ihm viel Potenzial attestiert.

Die Drachenburg (rechts) und das Waaghaus sind bedeutsame Architekturdenkmäler aus dem 17. Jahrhundert.

Die Drachenburg (rechts) und das Waaghaus sind bedeutsame Architekturdenkmäler aus dem 17. Jahrhundert.

(Bild: Reto Martin - 12.5.2016)

Die Liegenschaften sollen saniert und modernisiert werden. Ein Erweiterungsbau auf dem Parkplatz am Dorfeingang, eine Lodge auf Stelzen, schwebt der Projektgruppe vor. «Wir sind uns einig, dass eine Hotellerie mit unter 60 Zimmern keine Zukunft hat», erklärt Lindt. Mit dem angedachten Bau könnte man das Segment Velotouristen ansprechen. Die Drachenburg selbst soll als Erlebnis, Seminar- und Konferenzort aufblühen.

Geldgeber gesucht

Um die Übernahme der Hotel Drachenburg & Waaghaus AG zu tätigen und die Zukunftspläne zu realisieren, braucht die Stiftung allerdings Geld. Von 20 bis 25 Millionen Franken spricht Peter Lindt. «Wir müssen noch sehr viele grosszügige Spender und Investoren finden», erklärt der Jurist. 6 Millionen seien seit November zugesagt worden. «Bis Ende Januar wollen wir die nötigen Mittel beisammen haben, sonst müssen wir über die Bücher.» Doch die Gruppe sei überzeugt, dass es klappt.

Heutige Eigentümerin und Gemeinde sehen einen erfolgsversprechenden Weg

Die heutige Eigentümerin Anita Bischler-Hummel lässt sich wie folgt zitieren: «Meiner Familie und mir war es stets ein grosses Anliegen, die historischen Räumlichkeiten von Drachenburg und Waaghaus der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Daher freut es mich ganz besonders, dass sich in Zusammenarbeit mit der in Gründung befindlichen Stiftung, ein erfolgversprechender Weg abzeichnet, den Gastronomiebetrieb auch in Zukunft aufrecht zu erhalten. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es der Stiftung gelingen wird, durch bauliche wie konzeptionelle Massnahmen, der einzigartigen Location am Seerhein neuen Glanz zu verleihen.»

Der Gottlieber Gemeindepräsident Paul Keller freut sich ebenfalls über die Entwicklung: «Ich begrüsse diese Initiative sehr. Es ist vor allem gut, wenn man sieht, dass sich eine erfolgsversprechende Lösung für die Zukunft dieser Anziehungspunkte am Horizont abzeichnet.»

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