17-Jähriger aus Konstanz bestellt sich 40 Kälber für 1500 Euro +++ Zehn Tiere gestorben +++ Kälber während Transport unzureichend versorgt

Die Polizei sowie die Staatsanwaltschaft Konstanz ermitteln gegen einen 17-jährigen Jugendlichen. Er soll gegen das Tierschutzgesetz verstossen haben. Während des Transports haben die Kälber nicht genug Flüssigkeit erhalten. Zehn Kälber sind bisher gestorben.

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Die Polizei fand am Wochenende im Schuppen zwei tote Kälber und weitere 37 unterversorgte Tiere vor. Insgesamt sind bisher zehn Kälber verendet. (Archivbild: Urs Jaudas)

Die Polizei fand am Wochenende im Schuppen zwei tote Kälber und weitere 37 unterversorgte Tiere vor. Insgesamt sind bisher zehn Kälber verendet. (Archivbild: Urs Jaudas)

(pol-kn/lex/bro) Dem jungen Mann wird vorgeworfen über ein Kleinanzeigenportal im Internet 40 Kälber zum Preis von 1500 Euro gekauft und diese am Samstag mittels eines Tiertransports auf einen leerstehenden Aussiedlerhof bei Dettingen geliefert bekommen zu haben, hatte die Konstanzer Polizei am Montag mitgeteilt.

Kälber wurden unzureichend versorgt

Nun kommen nach und nach mehr Details ans Licht, wie die Staatsanwaltschaft Konstanz und die Polizei am Dienstag in einem gemeinsamen Communiqué schreiben. Nach aktuellen Erkenntnissen des Veterinäramts beim Landratsamt Konstanz wurden die Kälber am Samstagvormittag, den 16. November 2019, in Norddeutschland verladen und sind am Abend desselben Tages gegen 22:00 Uhr in Dettingen angekommen.

Die Kälber sind gemäss Communiqué über zwei Wochen alt und durften transportiert werden. Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass bei Langstreckentransporten über acht Stunden spezielle Fahrzeuge mit Lüftung und Tränken eingesetzt werden, heisst es weiter. Welche Art von Tiertransporter für diese Fahrt eingesetzt wurde, werde derzeit mit den für den Firmensitz des Spediteurs zuständigen Behörden ermittelt. Weiter heisst es:

«Nach neun Stunden müssen die Kälber während einer mindestens einstündigen Pause mit Elektrolyttränke getränkt werden. Diese Versorgung der Kälber hat nach derzeitigen Erkenntnissen nicht stattgefunden.»

Bisher zehn tote Kälber 

Nachdem sich das Transportfahrzeug bei der Zufahrt zum Stall bei Dettingen im morastigen Boden festgefahren hatte und man in der Nachbarschaft Hilfe ersuchte, bemerkten Zeugen die Tiere. Die Kälber wurden gemäss Communiqué dann erst im Laufe des nächsten Tages aus dem Anhänger ausgeladen und in einer  völlig unzureichenden Stallung untergebracht. Zeugen hatten gemäss Polizei festgestellt, dass die Tiere kein Wasser, Milch oder Futter hatten. Erst nach Alarmierung der Polizei und des Veterinäramtes des Landratsamtes Konstanz sei eine Versorgung der Kälber erfolgt. 

«Insgesamt sind bisher zehn tote Kälber zu vermelden»,

heisst es weiter. Zwei Tiere waren gemäss Meldung bereits beim Eintreffen des Veterinäramtes verendet. Zum aktuellen Zeitpunkt lasse sich keine Aussage zur Todesursache dieser Kälber treffen. Hier warte das Veterinäramt noch das Sektionsergebnis ab. Sieben Kälber mussten gemäss Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntag, den 17. November 2019, eingeschläfert werden, da sie nicht ohne Leiden weiterleben konnten. Am Montagabend musste ein weiteres Kalb eingeschläfert werden. Der Verbleib eines der vierzig Kälber, das nicht in Dettingen angekommen sei, werde derzeit ermittelt.

Kälber werden aufgepäppelt

Die zuständigen Behörden in den Landkreisen, aus denen die Tiere nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen stammen, seien gestern informiert worden. Anhand der Ohrmarken der Kälber könne nachverfolgt werden, in welchem Bestand sie geboren wurden. Der Abgleich der Ohrmarken mit den Pässen der Kälber und die Ermittlung im HIT (bundesweite Datenbank zur Bestandermittlung von Kühen und Rindern) dauere an.

Die Kälber werden jetzt auf einem Hof im Landkreis Konstanz aufgepäppelt und tierärztlich betreut. Wenn sie wieder gesund sind, werde das Veterinäramt die Tiere verkaufen. Der Verkaufserlös werde zur Deckung der Unterbringungs-,Futter- und Tierarztkosten verwendet. Der Rest der für den Landkreis Konstanz entstandenen Kosten werde dem Verursacher in Rechnung gestellt. Wie hoch sich die Kosten belaufen werden, könne momentan nicht abgeschätzt werden.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Jugendlichen, mutmasslichen Händler, und Spediteur 

Warum der 17-Jährige die Tiere bestellte und wie er sie weiter halten wollte ist Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen, hatte es am Montag geheissen.

Gegen den Jugendlichen und den mutmasslichen Händler sowie den Spediteur der Tiere werde wegen des Verdachts von Verstössen gegen tierschutzrechtliche Vorschriften ermittelt.