1,6 Millionen für die Sicherheit der Kradolfer Bevölkerung

Seit dem zerstörerischen Unwetter vom 14. Juni 2015 hat die Gemeinde Kradolf-Schönenberg viel in den Hochwasserschutz investiert. Am Dienstag fand die Begehung für die Schlussabnahme statt.

Hannelore Bruderer
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Abnahme der Hochwasserschutzmassnahmen beim Bitzibach. (Bild: Hannelore Bruderer)

Abnahme der Hochwasserschutzmassnahmen beim Bitzibach. (Bild: Hannelore Bruderer)

Der Bitzibach ist so gut wie ausgetrocknet. Kaum vorstellbar, dass dieses Rinnsal bei Starkregen innert Kürze zu einem reissenden Bach anschwellen kann. Sein Bett hat der Bitzibach beim Unwetter im Juni 2015 genauso verlassen wie der Tülebach und das Bächlein beim Reitstall. Die reissenden Wassermassen führten Steine, Holz und Schlamm mit, ergossen sich in die Wohngebiete und richteten grosse Schäden an. Seither hat die Gemeinde umfassende Vorkehrungen getroffen, um Kradolf vor künftigen Überschwemmungen zu schützen.

Auch Sulgen beteiligt sich an den Kosten

Die Hochwasserschutzmassnahmen sind mit einer Gesamtsumme von rund 1,6 Millionen Franken veranschlagt. Getragen werden die Kosten vom Kanton Thurgau und der Gemeinde Kradolf-Schönenberg. Eine Beteiligung zugesagt haben auch die Gemeinde Sulgen, deren Grenze entlang des Gebietes Tülebach verläuft, sowie die Versicherung die Mobiliar, die Präventionsprojekte aus einem eigens dafür geschaffenen Fonds unterstützt.

Am Dienstag wurden die in den letzten Monaten umgesetzten Schutzmassnahmen besichtigt und abgenommen. Über ein Dutzend Personen nahmen an der Begehung teil – Vertreter des Amtes für Umwelt des Kantons Thurgau, der Fischereiaufsicht, des Forstamtes, der beteiligten Ingenieur- und Baufirmen, der Gemeinde Kradolf-Schönenberg und des Werkhofs sowie der Kommandant der örtlichen Feuerwehr.

Mit Experten begutachtet Gemeindepräsident Heinz Keller (l.) die Bauten am Bach oberhalb des Reitstalls. (Bild: Hannelore Bruderer)

Mit Experten begutachtet Gemeindepräsident Heinz Keller (l.) die Bauten am Bach oberhalb des Reitstalls. (Bild: Hannelore Bruderer)

Gestartet wurde beim Bächlein beim Reitstall, wo es erst einmal durch das feuchte Gras den steilen Hang hinauf ging. Von oben hatten die Anwesenden einen guten Überblick auf den mit Steinen und Holzbalken neu gesetzten Bachverlauf und den metallenen Rechen, der grobes Material vor dem Durchlass in den Untergrund auffängt. Marco Baumann, Abteilungsleiter beim Amt für Umwelt, stellte einige Fragen zum Unterhalt der neuen Bauten. Seine Fragen wurden zufriedenstellend beantwortet, ein Unterhaltskonzept für die Hochwasserschutzbauten fehlt jedoch noch und muss neu erstellt werden.

Mit Natursteinverbauungen neu gesichert

Etwas mehr Zeit in Anspruch nahm die Begehung beim Bitzibach. Sie begann beim neu erstellten Kiesfang bei den letzten Häusern vor dem Waldrand. Das Auffangbecken ist zum Fussweg hin mit einem Maschendrahtzaun gesichert. Die Zufahrt zum Kiesfang erfolgt über die untere Sonnenstrasse. Zum Ausheben des Materials kann der Metallrechen am Ende des Beckens aufgeklappt werden. Dem Hoferweg entlang begutachteten die Fachleute die Schutzbauten, die im Bachlauf im steilen Waldstück ausgeführt worden sind. Der Bach fällt in diesem Teilstück über 21 Betonschwellen hinab. Diese sind vor rund siebzig Jahren erstellt und in den 1980er-Jahren saniert worden.

Führung durch die Hochwasserschutzbauten

Am Samstag, 27. Oktober, ist die Bevölkerung zur Besichtigung der Hochwasserschutzbauten eingeladen. Unter fachkundiger Führung erklären die Ingenieure den Teilnehmenden beim Rundgang die Funktion der Bauwerke. Abmarsch ist um 9 Uhr beim Parkplatz des Kirchenzentrums Steinacker. Der Rundgang dauert inklusive eines kleinen Imbisses unterwegs bis zirka 12.15 Uhr. Die Organisatoren empfehlen den Teilnehmenden, der Witterung angepasste Kleidung und gutes Schuhwerk zu tragen. (hab)

Das Hochwasser 2015 hatte die Flügelmauern der Schwellen stark unterspült. Diese wie auch andere instabile Stellen entlang des Baches sind mit Natursteinverbauungen neu gesichert worden. Neu gesetzte Holzpfähle halten zudem das Geschiebe zurück. Bei einer Stelle im oberen Bereich des Waldes machten die Fachleute etwas länger Halt. Dort ist ein kleiner Teil des Hanges, trotz neu gesetzten Balken, erneut abgerutscht. Der ganze Untergrund sei in diesem Gebiet ziemlich locker, erklärte Herbert Lenz, der Projektleiter vom Amt für Umwelt. «Um den Hang dauerhaft stabil zu sichern, müsste man einige Meter lange Anker hineinbohren. Ein Aufwand, der nicht im Verhältnis zum Nutzen steht, da von dieser Stelle aus keine unmittelbare Gefahr für das bewohnte Gebiet ausgeht.» Es wurde beschlossen, das abgerutschte Material zu entfernen und die Stelle mit den bisherigen Mitteln erneut zu stärken.

Instabile Bäume müssen entfernt werden

Eine Bepflanzung sei nicht nötig, die Natur werde das selbst übernehmen, erklärte Förster Matthias Tanner. Ein Blick auf die andere Seite zum Bach gibt ihm recht. Entlang der neuen Verbauungen, die erst im Juni fertiggestellt worden sind, spriessen trotz des trockenen Sommers bereits wieder Gräser und Sträucher. Wichtig sei, Gefahrenträger wie instabile Bäume im Schutzwald zu entfernen und für gute Lichtverhältnisse zu sorgen, damit Jungpflanzen wachsen können, sagte Tanner. Bei der dritten Etappe der Begehung im Gebiet des Tülebachs ging es im gleichen Stil weiter. Zusätzlich wurde dort über das Neophytenproblem und die Strategie zur Entfernung der unerwünschten, nicht heimischen Pflanzen gesprochen. Am Ende des Morgens waren alle Schutzbauten besichtigt und die Abnahmeprotokolle unterzeichnet.