1:4 daheim gegen Visp: Der HC Thurgau gräbt sein eigenes Playoff-Loch

Der HCT verliert das vierte Viertelfinalspiel gegen den EHC Visp und liegt in der Best-of-7-Serie nun 1:3 in Rückstand. Vor 1546 Zuschauern in der Weinfelder Güttingersreuti fehlen den Thurgauern die Ideen und Emotionen.

Matthias Hafen
Hören
Drucken
Teilen
Thurgaus Joel Scheidegger (rechts) und Visps Luca Camperchioli im Zweikampf.

Thurgaus Joel Scheidegger (rechts) und Visps Luca Camperchioli im Zweikampf.

Bild: Mario Gaccioli

Ab sofort gilt «verlieren verboten» für den HC Thurgau. Denn die nächste Niederlage bedeutet das Saisonende für die Mannschaft des Trainerduos Mair/Winkler. In diese ungemütliche Lage, den 1:3-Rückstand in der Best-of-seven-Serie gegen den EHC Visp, brachten sich die Ostschweizer am Mittwochabend mit einem Heimauftritt, dem es an Inspiration, Emotion und ein bisschen an allem fehlte. Dass die Thurgauer kaum Tore erzielen, daran sind sich die Anhänger mittlerweile gewohnt. Dass die Mannschaft aber im eigenen Stadion nicht einmal mehr zu Torchancen kommt, das ist neu. Und so resultierte ein 1:4, die erste Viertelfinal-Heimniederlage seit fast zwei Jahren.

Nicht nur das Resultat war gleich wie beim Auftaktspiel in Visp. Auch der Ablauf der Partie weckte unliebsame Erinnerungen. Kaum hatte Visp bei Spielmitte durch einen Weitschuss von Verteidiger Sandro Wiedmer das 3:1 erzielt, war der Thurgauer Ofen aus.

Connor Jones verschiesst Penalty

Zu erlöschen begann er indes schon mit Beginn des Mitteldrittels und dem Goaliewechsel von Janick Schwendener zu Nicola Aeberhard. Wobei das eine mit dem anderen kaum etwas zu tun haben konnte. Ein zugesprochener Penalty hätte das Heimteam 43 Sekunden vor der zweiten Pause nochmals ins Spiel zurückbringen können. Luca Camperchioli hatte Thurgaus Topskorer Melvin Merola an einem Sololauf gehindert. Doch Penaltyschütze Connor Jones pfefferte den Puck klangvoll an den Pfosten.

Der Kanadier war zu jenem Zeitpunkt zu bedauern – wie der ganze HCT, der gegen die kompakten, wirklich stark auftretenden Visper trotz grossen Aufwands einfach kein Rezept mehr fand. Wieso aber ausgerechnet Connor Jones zum Penalty antreten musste, dem in diesem Playoff bislang noch gar nichts gelang, ist fragwürdig.

Spieler haben Angst vor der eigenen Courage

Es dürfte aber auch schwierig gewesen sein, an diesem Abend einen Thurgauer Spieler mit Selbstvertrauen zu finden. So, wie vor dem Tor jeweils noch ein weiterer Pass gesucht wurde, bis endlich ein Schuss aufs Visper Tor kam, schien es eher so, als hätte der HCT Angst vor der eigenen Courage. Dabei hatten es die Walliser in diesem Spiel gezeigt, wie einfach es gehen könnte. Die Treffer zum 1:0 (15./Haueter) und 2:1 (19./Hofstetter) waren beides Abschlüsse, die entweder völlig misslungen waren oder abartig genial. Denn beide Male kam der Puck in so einer ungewöhnlich langsamen Geschwindigkeit aufs Tor, dass Goalie Schwendener einfach irritiert sein musste und den Puck sehr unglücklich durchrutschen liess. Das war schliesslich der Grund, weshalb er nach einem Drittel ausgewechselt wurde.

Allerdings hätten auch seine Vorderleute mehr zum Erfolg beitragen können. Etwa, nachdem Melvin Merola in der 19. Minute im Powerplay in seiner typischen Playoff-Manier den Puck zum 1:1 unter die Latte des Visper Tors gehauen hatte. Denn es vergingen nur 26 Sekunden, bis die Scheibe wieder auf der anderen Seite im Tor lag. Solche Konzentrationslücken können im Playoff Kopf und Kragen kosten. Mit der 1:4-Niederlage hat der HC Thurgau sein eigenes Loch gegraben. Jetzt geht es darum, am Freitag um 19.45 Uhr in Visp wieder daraus zu kommen.

Thurgau – Visp 1:4 (1:2, 0:1, 0:1)

Güttingersreuti – 1546 Zuschauer – SR Potocan/Hendry, Kehrli/Ammann.
Tore: 15. Haueter (Furrer, Ritz) 0:1. 19. (18:20) Merola (Kellen Jones/Ausschluss Josephs) 1:1. 19. (18:46) Hofstetter (Petrig, Burgener) 1:2. 30. Wiedmer (Ritz, Ranov) 1:3. 60. (59:28) Burgener (Wiedmer, Furrer) 1:4 (ins leere Tor).
Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Thurgau, 2-mal 2 Minuten gegen Visp.
Thurgau: Schwendener (ab 21. Aeberhard); Seiler, Parati; Fechtig, Scheidegger; Collenberg, Engeler; Kellenberger; Kellen Jones, Connor Jones, Merola; Spannring, Rehak, Janik Loosli; Hobi, Rundqvist, Frei; Hollenstein, Brändli, Spiller; Bischofberger.
Visp: Lory; Camperchioli, Nater; Steiner, Brantschen; Wiedmer, Furrer; Haueter, Zeiter; Josephs, Van Guilder, Dolana; Riatsch, Ritz, Ranov; Berger, Achermann, Spinell; Burgener, Hofstetter, Petrig.
Bemerkungen: Thurgau ohne Altorfer, Moser, Wildhaber (alle verletzt), Steinauer, Huber, Niedermaier, Schnetzer (alle überzählig) und Zanzi (Dübendorf/MSL). Visp ohne Heynen, Brügger, Haberstich (alle verletzt) und Rochow (krank). – 40. Connor Jones verschiesst Penalty. – 57:20 bis 59:28 Thurgau ohne Goalie. – 57:47 Time-out Thurgau.

Zwei Österreicher finden beim HC Thurgau ihre Eishockey-Heimat

Bernhard Fechtig und Patrick Spannring sind in ihrer ersten Saison in der Swiss League zu unverzichtbaren Stammspielern geworden. Den HC Thurgau bereichern die beiden auf und neben dem Eis - auch im Hinblick auf das vierte Playoff-Spiel gegen den EHC Visp vom Mittwoch um 20 Uhr in Weinfelden.
Matthias Hafen