Interview

100'000 Streams an einem Abend: Die St.Galler Band Saint City Orchestra hat in Arbon ein virtuell gut besuchtes Konzert gegeben

Es war ein aussergewöhnlicher Auftritt für das Saint City Orchestra: Die Band trug Schutzmasken, das Publikum im Arboner Presswerk fehlte, dafür zeichneten fünf Kameras alles auf. Sänger Sandro Schmid erzählt, wie der Stream-Auftritt ohne Publikum war und warum er das Konzert am selben Tag gleich zweimal gegeben hat.

Roger Berhalter
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Zwei Meter Abstand und WC-Rollen-Bühnenbild: Das Saint City Orchestra während des Auftritts im Arboner Presswerk.

Zwei Meter Abstand und WC-Rollen-Bühnenbild: Das Saint City Orchestra während des Auftritts im Arboner Presswerk.

Bild: PD

Live-Streams machen derzeit viele. Sie aber haben im Presswerk in Arbon eine aufwendige Produktion aufgezogen, samt Kamerateam, Tontechnikern und Lichtshow. Wie haben Sie den Auftritt ohne Publikum erlebt?

Sandro Schmid: Wir waren überwältigt von den vielen positiven Reaktionen. Beim Konzert haben wir alles gegeben. Ich habe kaum gemerkt, dass keine Zuhörer da waren.

Sandro Schmid.

Sandro Schmid.

Bild: PD

War es nicht merkwürdig, dass am Ende der Songs niemand klatschte und niemand jubelte?

Doch, das war schon seltsam. Wenn ein Song fertig war, war es einfach ruhig. Wir haben das aber gekonnt überspielt (lacht).

Haben Sie die Zwei-Meter-Abstandsregel eingehalten?

Ja, wir standen auf verschiedenen Bühnenpodesten mit genügend Abstand. Wir mussten aber ständig darauf achten, uns nicht zu nahe zu kommen, das war sehr ungewohnt. Nach dem Auftritt waren wir ziemlich kaputt, weil wir das Konzert gleich zweimal gegeben hatten.

Zweimal?

Ja. Am Nachmittag, vor dem Live-Stream, hatten wir entschieden, eine Konzertaufnahme zu machen. Als Backup für den Fall, dass es technische Probleme gibt und der Live-Stream ausfällt. Also spielten wir das komplette Programm einmal durch, hatten danach eine Weile Pause, bis am Abend schliesslich der Live-Stream losging. Da gaben wir noch einmal 150 Prozent, wir haben uns also völlig verausgabt.

Hat es sich gelohnt? Wie viele Zuhörer hatten Sie?

Zwischen 1300 und 1600 Leute waren während des Konzerts gleichzeitig online. Insgesamt haben wir auf allen Kanälen 100'000 Streams gezählt, das ist top!

Der Tontechniker trug am Mischpult eine Schutzmaske.

Der Tontechniker trug am Mischpult eine Schutzmaske.

Bild: PD

Mit dem Konzert war auch eine Spendenaktion verbunden. Fast eine Woche lang haben Sie Geld gesammelt. Wie viel ist zusammengekommen?

Mehr als 8000 Franken, das freut uns sehr! Zudem konnten wir 200 spezielle Corona-T-Shirts verkaufen. Die Hälfte der Spendeneinnahmen fliesst in die Produktion, damit die Beteiligten auch finanziell etwas davon haben. Die restlichen knapp 4000 Franken spenden wir an eine Organisation.

An welche?

Das haben wir noch nicht entschieden. Der Betrag soll aber Künstlern aus der Region zugute kommen, die im Moment finanzielle Probleme haben.

Auch Ihr Festivalsommer fällt wegen Corona ins Wasser. Wann wird das Saint City Orchestra das nächste Mal auf der Bühne stehen?

Hoffentlich im November, dann wollen wir mit unserem neuen Album auf Tour gehen.

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