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Obst in Gefahr: Asiatische Stinkwanze bedroht Thurgauer Birnen

Pflanzenschutzmittel sind machtlos gegen die marmorierte Baumwanze – helfen würde nur die Samurai-Wespe.
Sabrina Bächi
Die marmorierte Baumwanze ist ein aus China eingeschleppter Schädling, der im Thurgau hauptsächlich Birnen befallen hat. Beschädigtes Obst verholzt und kann nicht gebraucht werden. (Bild: Wolfgang Reisser)

Die marmorierte Baumwanze ist ein aus China eingeschleppter Schädling, der im Thurgau hauptsächlich Birnen befallen hat. Beschädigtes Obst verholzt und kann nicht gebraucht werden. (Bild: Wolfgang Reisser)

Sie mal diese Wanze an, wie die Wanze schaden kann – und es ist erst noch kein Kraut gegen sie gewachsen. Derzeit ernten die Thurgauer Bauern ihre Birnen und sind entsetzt: Die marmorierte Baumwanze hat in gewissen Gebieten bis zu 80 Prozent der Ernte vernichtet.

Beim Bildungs- und Beratungszentrum (BBZ) Arenenberg läuten die Alarmglocken mittlerweile Sturm. «Vergangenes Jahr hatten wir vereinzelte Schäden wegen der Baumwanze, dieses Jahr haben sich die Schadensmeldungen vervielfacht. Das Monitoring zeigt uns: Der Baumwanzenbestand ist im Thurgau explodiert», sagt Urs Müller, Leiter Obst Gemüse Beeren vom BBZ Arenenberg.

Von der Wanze deformierte Birnen. (Bild: Mario Testa)

Von der Wanze deformierte Birnen. (Bild: Mario Testa)

Schätzungen ergeben, dass dieses Jahr rund 10 Prozent der Birnenernte dem Schädling zum Opfer fällt. In Zahlen ausgedrückt heisst das: Rund 1000 Tonnen Birnen sind unverkäuflich, landen am Boden und verrotten. «Das ist immens», sagt Müller. Bei den Äpfeln wird ein Ernteausfall von rund 500 Tonnen erwartet.

Gegen den Befall der Wanze ist kein Kraut gewachsen

Urs Müller, Leiter Obst Gemüse Beeren BBZ Arenenberg. (Bild: PD)

Urs Müller, Leiter Obst Gemüse Beeren BBZ Arenenberg. (Bild: PD)

Doch das schlimmste für die Bauern ist, dass sie nichts gegen den Schädling tun können. Denn die marmorierte Baumwanze ist ein aus China eingeschlepptes Insekt. «Der Chitinpanzer der Wanze ist so dick, dass Pflanzenschutzmittel nichts gegen das Insekt ausrichten können», sagt Urs Müller. Deshalb müsse man sich auf die Larve konzentrieren.

Doch dafür muss zunächst erst die Lebensweise des Tieres erforscht werden.

«Eine Möglichkeit zur Bekämpfung der Wanze, ist die Samurai-Wespe. Sie ist der natürliche Gegenspieler.»

Die Wespe legt ihre Eier in die Eier der Wanzen. Von innen fressen die Wespenlarven dann die Baumwanzen auf.

Doch auch hier gibt es eine Schwierigkeit: «Der Bund erlaubt nicht, in grosser Zahl gebietsfremde Tiere wie die Samurai-Wespe auszusetzen», sagt Müller. Obwohl er hofft, dass sich der Stinkwanzenbestand in sechs bis sieben Jahren wieder normalisiert haben wird, könnten die Schäden bis dahin schon zu gross sein. «Jetzt muss auch die Politik handeln», sagt Müller. Lösungen müssen her – und zwar schnell.

Ein Egnacher Bauer verliert die Hälfte seiner Birnen

Thomas Hungerbühler aus Neukirch/Egnach ist schwer betroffen von der Wanzenplage. Über die Hälfte seiner Birnenernte landet dieses Jahr auf dem Boden, das sind rund 150 Tonnen. «Ich habe rund 7 Hektaren Birnen auf meinem Hof», sagt Hungerbühler.

Der Ausfall wird für ihn auch zu einem finanziellen Problem. Denn es betrifft 10 Prozent seiner gesamten Einnahmen. Die Ernteleistung sei sehr schlecht, zumal die Ernte rund eineinhalb Mal so lange daure. «Wir müssen jede Frucht ganz genau inspizieren und auf Schäden untersuchen», sagt er.

Die Wanze verholzt das Fruchtfleisch der Birnen. (Bild: Mario Testa)

Die Wanze verholzt das Fruchtfleisch der Birnen. (Bild: Mario Testa)

Seine 150 Tonnen beschädigter Birnen sind verloren. «Man kann die Tafelbirnen nicht zum Mosten brauchen. Auch für die Herstellung von Mus oder Pektin sind die Früchte nicht verwendbar», sagt der Obstbauer und Agrarbiologe.

Denn dort, wo die Wanze ins Fruchtfleisch sticht, verholzt alles. Das sei dann auch im Endprodukt nicht wieder auszumerzen, weiss Hungerbühler.

Schaden zeigt sich erst bei der Ernte

Das ganze Jahr über hat Thomas Hungerbühler seine Birnen gepflegt, ist öfter durch die Plantagen gegangen und hat die Bäume nach Schädlingen untersucht.

«Wir haben praktisch keine Wanzen gesehen. Erst seit vier Wochen zeigt sich anhand der Schäden, wie gross das Problem wirklich ist.»

Auch um seine Äpfel macht er sich Sorgen. «Es kann sein, dass sie auch befallen sind.» Doch nicht nur der derzeitige Schaden wurmt Hungerbühler. Ist seine Ernte nächstes und vielleicht auch übernächstes Jahr ebenfalls so stark befallen, dann wird er sich von der Birnenproduktion verabschieden, wie er sagt. «Es kommen dann auch politische Fragen auf. Wollen wir Birnen importieren?» Die Frage bleibt: Was kann man gegen diese stinkende Wanzen-Plage unternehmen

Manuel Strupler inmitten seiner beschädigten Birnen in Weinfelden. (Bild: Mario Testa)

Manuel Strupler inmitten seiner beschädigten Birnen in Weinfelden. (Bild: Mario Testa)

Birnen zu verschenken

Der Weinfelder Landwirt und Landschaftsgärtner Manuel Strupler hat einen Ernteausfall von rund 80 Prozent in seiner Anlage, das sind sieben Tonnen Birnen. Er hat über Facebook einen Aufruf gestartet, um zu erklären, was die Wanze anrichtet. Nun verschenkt er seine geschädigten, unverkäuflichen Früchte. Rund 3500 Mal wurde sein Post geteilt. «Ich habe über 100 E-Mails erhalten, von Leuten, die Birnen abholen kommen», sagt Strupler. Am Samstag können Interessierte die Früchte gleich selbst vom Baum pflücken. Vergangenes Jahr landeten die beschädigten Früchte am Boden. «Das ist schade und die Leute verstanden es nicht, deshalb entschied ich mich, sie dieses Jahr zu verschenken.» (sba)

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