KREUZLINGEN: Zoff am Zoll wegen Industriehanf

Hartes Durchgreifen am Zoll Kreuzlingen: Ein Lastwagen mit einer Tonne Industriehanf ist konfisziert worden. Die Ware sei harmlos, sagt deren Besitzer.

Alexandra Pavlovic
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Am Zoll Kreuzlingen gab es kein Weiterkommen für den Lastwagen mit dem Industriehanf. Das Fahrzeug wurde samt Ladung beschlagnahmt. (Bild: Donato Caspari)

Am Zoll Kreuzlingen gab es kein Weiterkommen für den Lastwagen mit dem Industriehanf. Das Fahrzeug wurde samt Ladung beschlagnahmt. (Bild: Donato Caspari)

Die Thurgauer Medizinalhanf-Firma Medropharm hat wieder einmal Ärger mit den Behörden. Am Donnerstag hätte ein Lastwagen mit rund eine Tonne Industriehanf in der Zentrale in Kradolf eintreffen sollen. Doch soweit kam es nicht. Der Zoll in Kreuzlingen verweigerte dem Lastwagen die Weiterfahrt. Begründung: Einfuhrverbot. Nach einer genaueren Inspektion der Ware am Freitagmorgen wurde das Fahrzeug samt Ladung von der Zollverwaltung beschlagnahmt. Wie aus einem Schreiben hervorgeht, wurde als Grund der Sicherstellung der Verdacht auf Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz angegeben. Die Ware wurde daher zur Verifizierung in ein Labor geschickt.

«Eine klassische Machtdemonstration»

«Es ist einfach nur ärgerlich», sagt Patrick Widmer, Mitinhaber der Firma Medropharm, über das Prozedere. Das Unternehmen im Thurgau produziert Industriehanf für Medikamenteund geriet wegen einer Razzia im vergangenen September ins Licht der Öffentlichkeit. Die Thurgauer Staatsanwaltschaft nahm damals Ermittlungen wegen Verdachts auf Widerhandlung gegen das Heilmittel- und Betäubungsmittelgesetz auf. Nun hat das Unternehmen schon wieder Zoff mit den Behörden. Dieselbe Ware war schon mehrmals genau über diesen Zoll in die Schweiz gebracht worden. Bisher ohne Probleme, wie Widmer sagt. Über das jetzige Vorgehen der Zollverwaltung kann er daher nur den Kopf schütteln. «Ich habe durchaus Verständnis, wenn die Ware einer genaueren Prüfung unterzogen wird. Schliesslich macht der Zoll auch nur seinen Job», sagt Widmer. Was ihn aber ärgere, sei die Tatsache, dass die Zollbeamten einfach durchgegriffen hätten und den Lastwagen umgehend konfiszierten. «Eine klassische Machtdemonstration.» Wie Widmer weiter sagt, hätte ein Schnelltest innert weniger Minuten gezeigt, dass es sich bei der Fracht um Industriehanf mit weniger als 0,2 Prozent THC handelt. Dieser sei ein industrieller Rohstoff und somit unspektakulär.

Mit den Vorwürfe konfrontiert, lehnte die eidgenössische Zollverwaltung aufgrund des Amtsgeheimnisses und aus einsatztaktischen Gründen eine Stellungnahme ab. Die entsprechende Kontrolle könne somit weder bestätigt noch dementiert werden, heisst es.

Ware weiterhin blockiert

Wie lange der Lastwagen mit dem Industriehanf konfisziert bleibt, weiss Widmer nicht. Im Falle einer Freigabe hätte die Firma bis Freitagmittag Bescheid erhalten sollen. Das sei allerdings nicht passiert. «Man lässt uns weiter warten.» Somit sei die Ware bis auf Weiteres blockiert. Verständnis für das Vorgehen der Zollverwaltung hat Patrick Widmer nicht. Da die Fracht aus Deutschland kommt, hat das Unternehmen die Ausfuhr sogar dort angemeldet. Die Auflagen im Ausland sind deutlich höher als in der Schweiz. Für den Firmenmitinhaber ist daher nicht nachvollziehbar, wie der Schweizer Zoll darauf kommt, dass die Einfuhr eines legalen Rohstoffs plötzlich verboten sein soll und mehr noch, das Unternehmen zusätzlich sogar gegen das Betäubungsmittelgesetz verstossen würde. «Es wäre etwas unlogisch, eine solche Sendung auf der deutschen Seite zur Ausfuhr anzumelden», sagt Widmer.

Vorderhand jedoch kann er nichts unternehmen. Die mit dem Transport beauftragte Speditionsfirma werde am Montag mit der Zollverwaltung Kontakt aufnehmen und weiss danach mehr. Bis dahin heisst es für Medropharm: weiter warten.

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